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StartseiteMikrokosmos052 Die Bücherburg07.12.2018

Mikrokosmos052 Die Bücherburg

Wer in die Bücherburg in der Gemeinde St. Johannes in Katlenburg kommt, tritt ein in eine Landschaft aus Papier. Ungefähr eine Million Bücher lagern hier, zu Büchertürmen gestapelt. Pfarrer Weskott hat die Bücher in den 1990er-Jahren vor dem Vergessen gerettet.

Von Maria Antonia Schmidt

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Die Bücherburg ist Pfarrer Weskotts Lebenswerk (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)
Pfarrer Weskott in seiner Bücherburg (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)
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Ein Haufen Literatur Bücher für einen guten Zweck

Wie ein Schäfer steht Pastor Weskott zwischen seinen Schützlingen: einer Million Bücher. In einer Scheune stapeln sie sich zu atemberaubenden Türmen und warten darauf, neu entdeckt zu werden. Viele der Bücher sind in der DDR geschrieben worden. Weskott hat sie vor der Zerstörung bewahrt.

Ein Zeitungsartikel machte Martin Weskott 1991 auf die Berge von Büchern aufmerksam, die auf einer Müllkippe in Plottendorf verrotten sollten. Zu seinem Erstaunen fand er unter den bereits von der Witterung zersetzten Büchern Werke von Stefan Heym, einem der bedeutendsten Schriftsteller der DDR. Auch Bücher von Jaroslav Seifert waren darunter, dem tschechischen Nobelpreisträger für Literatur.

Pfarrer Weskott in seiner Bücherburg (Maria Antonia Schmidt)Pfarrer Weskott in seiner Bücherburg (Maria Antonia Schmidt)

Die Bücherrettung

"Bücher gehören nicht auf den Müll", befand der Pfarrer. Kurzer Hand organisierte er die Überbringung der Schriftstücke nach Westdeutschland. In einer alten Scheune auf dem Gelände der ehemaligen Klosteranlage der Gemeinde St. Johannes lagern inzwischen über 500.000 Exemplare. Weitere 500.000 Bücher bewahrt Weskott an anderen Orten auf. Die Bücherscheune erinnert an ein märchenhaftes Labyrinth. Enge Gänge, hohe Bücherwände und teils wackelige Türme laden zum Eintauchen in die Welt der Bücher ein.

Skulpturen aus Romanseiten von Winfried Völlger fügen sich in das Meer aus Büchern ein (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)Skulpturen aus Romanseiten von Winfried Völlger fügen sich in das Meer aus Büchern ein (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)

Müll-Literaten lesen

Die Bücherburg wurde über die Jahre zu einem Ort des kulturellen Austauschs: Weskott organisierte zahlreiche Lesungen, zu denen er oft sogenannte "Müll-Literaten" einlud. So bezeichnet er die Autoren und Autorinnen, deren Bücher nach der Wende vernichtet werden sollten. Darunter Christa und Gerhard Wolf, Christoph Heym, Volker Braun, Wolfgang Hilbig aber auch viele weniger bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Es gibt auch geordnete Ecken in der Bücherscheune (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)Es gibt auch geordnete Ecken in der Bücherscheune (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)

Bücher kaufen für den guten Zweck

Wer beim Stöbern auf Lektüre stößt, die er gerne mit nach Hause nehmen möchte, kann das gegen eine Spende tun. Das Geld kommt dem evangelischen Entwicklungshilfe-Projekt "Brot für die Welt" zugute. Für sein besonderes Engagement bekam Martin Weskott 1993 das Bundesverdienstkreuz. 2008 wurde er von der Deutschen Literaturkonferenz mit der Karl-Preusker-Medaille ausgezeichnet.

Die Bücherscheune ist Teil der ehemaligen Klosteranlage von Katlenburg (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)Die Bücherscheune ist Teil der ehemaligen Klosteranlage von Katlenburg (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)

Das Eigenleben der Dinge

Aber warum hat das Buch in unserer Gesellschaft überhaupt so einen hohen Stellenwert? Und warum hängen wir unser Herz so oft an Dinge? Wie viel Macht haben die Gegenstände über uns? Darüber hat Autorin Maria Antonia Schmidt mit Lorenz Engell gesprochen. Er ist Professor für Medienphilosophie an der Bauhaus-Universität Weimar.

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