Nachrichten vertieft / Archiv 03.08.2015

MikrozensusZahl der Einwanderer steigt auf elf Millionen

Kleiderhaken mit Namen von Kindern in einer Kita in Berlin. (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)Mehr als 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland. (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)

Die Zahl der Einwanderer ist auf einen Rekordstand gestiegen. Im vergangenen Jahr lebten 10,9 Millionen Menschen in Deutschland, die aus dem Ausland zugezogen sind. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, waren das waren rund eine Million mehr als 2011. Die Bevölkerung ohne ausländische Wurzeln ging um mehr als 885.000 zurück.

Nach Angaben der Behörde hatte im vergangenen Jahr jeder fünfte Mensch in der Bundesrepublik einen Migrationshintergrund. Das ist ein Zuwachs von drei Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. Im Vergleich zum Jahr 2011 ist die Anzahl sogar um gut zehn Prozent oder 1,5 Millionen gestiegen. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund (56 Prozent) besitzt einen deutschen Pass. Die Bevölkerung ohne ausländische Wurzeln ging dagegen seit 2011 um 885.000 oder 1,4 Prozent zurück. Insgesamt lebten im vergangenen Jahr 80,9 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.

Zuwanderer gut ausgebildet

Die meisten Migranten stammen aus Europa. Seit 2011 kamen 620.000 Personen (plus 18,3 Prozent) vor allem aus Polen, Rumänien, Italien, Bulgarien und Ungarn in die Bundesrepublik. Auch die Zahl der Zuwanderer aus dem restlichen Ausland hat laut Statistischem Bundesamt stark zugenommen. Vor allem der Anteil der Menschen aus China, Syrien und Indien stieg seit 2011. 

Zudem sind die Zuwanderer immer besser ausgebildet. Ein Blick auf die Menschen im Alter von 25 bis 35 zeigt, dass knapp 44 Prozent der seit 2011 Zugezogenen einen Hochschulabschluss haben, allerdings auch rund 28 Prozent gar keinen Berufsabschluss. Zum Vergleich: Fast jeder Vierte ohne Migrationshintergrund hat ein Studium erfolgreich beendet, 9,1 Prozent haben gar keine Berufsausbildung. Wie das Statistische Bundesamt weiter meldete, gab mehr als jeder dritte Befragte an, dass eine Familienzusammenführung der Hauptgrund war für die Zuwanderung. An zweiter Stelle war die Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland.

Altmaier weist Kritik an Einwanderungsgesetz zurück

Peter Altmaier lächelt in die Kamera (dpa / Karlheinz Schindler)Peter Altmaier wies die Kritik der CSU zurück. (dpa / Karlheinz Schindler)

Ein mögliches Einwanderungsgesetz bleibt unterdessen umstritten in der Koalition. Kanzleramtschef Peter Altmaier hat die Pläne der CDU gegen Kritik aus der CSU verteidigt. "Klar ist: Man kann den Fachkräftemangel in Deutschland nicht über das Asylrecht lösen - das sind völlig verschiedene Dinge, und das weiß auch die CSU", sagte er der "Bild"-Zeitung. Der Chef des Kanzleramtes wies darauf hin, dass Deutschland nach den USA das zweitgrößte Einwanderungsland der Welt sei. "Ich finde es ganz normal, dass es in der Union eine Diskussion darüber gibt, wie wir qualifizierte Zuwanderung steuern", meinte der CDU-Politiker.

Offen zeigte sich die Bundesregierung dagegen für die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), das für den Herbst geplante Flüchtlingstreffen mit den Ländern vorzuziehen. Dazu werde es "in diesen Tagen" Gespräche geben, sagte Altmaier im ZDF. Nötig sei es, die Asylverfahren so zu verkürzen, "dass das Asylrecht wahrgenommen werden kann und dass Missbräuche auch bekämpft werden". Altmaier äußerte sich optimistisch, mit den Ländern eine gemeinsame Strategie zu finden. Seehofer hatte vom Bund dauerhaft mehr Hilfe für Länder und Kommunen verlangt und erklärt, ein Treffen zur Flüchtlingsproblematik erst im Herbst sei zu spät.

(hba/swe)

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