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StartseiteSport am Wochenende"Für die Verbände sind die Kinderstars zu wertvoll"27.06.2020

Mindestalter im Skateboarding"Für die Verbände sind die Kinderstars zu wertvoll"

Hans-Jürgen Kuhn, langjähriger Vorsitzender der deutschen Skateboardkommission hat sich im Dlf für ein Mindestalter von Olympia-Teilnehmern in der Disziplin Skateboard ausgesprochen. Denn die Verbände würden die Kinderathleten nicht schützen, weil diese für die Vermarktung der Sportart zu wertvoll seien.

Hans Jürgen Kuhn im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Die elfjährige Sky Brown ist die jüngste Profi-Skateboarderin der Welt. (imago images / Xinhua)
Die elfjährige Sky Brown ist die jüngste Profi-Skateboarderin der Welt und träumt von Olympia. Hat sie zu viel gewollt? Die junge Britin erlitt einen schweren Unfall. (imago images / Xinhua)
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Die elfjährige Sky Brown ist eines der größten Skateboard-Talente der Welt. Doch als sie einen riskanten Trick übt, läuft etwas schief. Brown verfehlt die Rampe und stürzt zu Boden. Sie zieht sich eine Schädelfraktur zu und bricht sich die linke Hand, hinzu kommen Schnittwunden an ihrer Lunge und am Herzen. Die Ärzte fürchten um ihr Leben, doch wenig später gibt Sky aus dem Krankenbett Entwarnung: "Es ist okay zu fallen, ich werde wieder aufstehen und noch härter arbeiten."

"Das war mein schlimmster Unfall" sagt Sky, der Helm habe ihr das Leben gerettet, aber sie sei nicht aufzuhalten, sie wolle Gold, nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der schlimme Unfall der jungen Britin, wirft die Frage auf, wer junge Athletinnen schützt und ob man ihnen nicht besser die Olympia-Teilnahme verwehrt, bis sie ein reiferes Alter erreichen, wo sie Gefahren besser einschätzen können. 

IOC überlässt die Entscheidung den jeweiligen Sportfachverbänden

"Die Weltspitzenverbände der jeweiligen Sportart entscheiden über das Mindestalter der Olympia-Teilnehmer", sagt Hans-Jürgen Kuhn, ehemaliger Vorsitzender der deutschen Skateboardkommission im Dlf. Dabei gebe es keine Altersgrenze von unten, sagte Kuhn. Gleichwohl gebe es wohl aber eine Debatte, ob man das für Paris 2024 ändern wolle. Das IOC halte sich aus solch sportfachlichen Entscheidungen heraus und überlasse diese den jeweiligen Sportfachverbände.  

Im Grunde könnten nur die Eltern die Kinder schützen, denn sie hätten die Erziehungsgewalt, sagte Kuhn. Für die Verbände seinen aufstrebende Jungtalente, die kaum dem Kindesalter entwachsen sind, zu wertvoll für Olympia und die Vermarktung der Sportart. Die Sozialen Medien würden für die Kinderathleten mit ihren Likes, Verlinkungen, Followern und kurzen Clips zudem eine extreme Rolle spielen und verstärkten den ganzen Rummel. 

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Er plädiere dafür, ein Mindestalter von 14 Jahren bei den nächsten Olympischen Spielen 2024 in Paris zu veranschlagen, sagte Kuhn. Inzwischen habe World Skate, der internationale Dachverband verschiedener Rollsportarten, entschieden, dass es in der Disziplin Park in den noch kommenden Qualifikationswettbewerben eine generelle Helmpflicht auch für die über 18jährigen gibt, erläuterte Kuhn die neueste Entwicklung.

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