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StartseiteVerbrauchertippAuch Mieter können ihren eigenen Solarstrom erzeugen23.01.2020

Mini-Photovoltaik-AnlagenAuch Mieter können ihren eigenen Solarstrom erzeugen

Stromerzeugung aus Sonnenenergie ist anders als viele glauben nicht nur etwas für Industrie und Hauseigentümer. Auch Mieter können ein Solarmodul beispielsweise an den Balkon hängen. Allerdings müssen vor der eigenen Stromproduktion noch ein paar rechtliche Hürden genommen werden.

Von Philip Banse

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Gerade fertig gestellte Einfamilienhäuser in einem Neubaugebiet am Ortsrand von Germaringen im Ostallgäu am 20.10.2005 (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Eine Mini-PV-Anlage zu installieren geht ganz einfach (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
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Marcel Kühle wohnt zu zweit mit seiner Partnerin auf knapp 80 Quadratmetern in der Mainzer Innenstadt. Sie versuchen, ihr Leben an allen Ecken und Enden klimafreundlich zu gestalten. Unter anderem wollen sie auf ihrem Balkon selber Sonnenstrom erzeugen. Passende Solar-Module gibt es als Bausatz oder komplett montiert, sie kosten zwischen 200 und 500 Euro. Mieter können die Solar-Module aus dem Fenster hängen oder an die Balkonbrüstung, Stecker in die Steckdose - fertig, erklärt der studierte Elektroingenieur Marcel Kühle:

"Das funktioniert technisch ganz einfach. Die Elektronik, die an diesem Solarmodul dran ist, die erzeugt mehr Spannung und dann kann die den Strom in die Wohnung reindrücken. Dementsprechend wird weniger Strom über den Zähler genommen, aus dem Netz genommen und dementsprechend wird weniger Strom verbraucht."

Für einen Solar-Bausatz hat Marcel Kühle 280 Euro bezahlt. So will er jetzt rund zehn Prozent seines Stroms selbst erzeugen.

"Ich denke nach sechs Jahren hat sich das amortisiert. Je nachdem wie viel man verbraucht, kann das natürlich auch ein stückweit schneller gehen."

Mini-PV-Anlagen sollten angemeldet werden

Etwas umstritten ist, ob und wenn ja, wem Marcel Kühle melden muss, dass er eine Balkon-Anlage betreibt. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur schreibt auf Anfrage: Stromanbieter könnten sich Informationen über Photovoltaikanlagen in ihrem Netz aus dem so genannten Marktstammdatenregister ziehen – dort müssten auch kleine Balkonanlagen online gemeldet werden.

Formal sei das richtig, sagt der Rechtsanwalt Jörn Bringewat. Allerdings sei das Marktstammdatenregister für Großanlagen konzipiert. Die Registrierung kleiner Mini-Photovoltaik-Anlagen für den Balkon sei daher extrem aufwendig und vollständig oft gar nicht möglich:

"Wenn man auf Nummer sicher gehen will, sollte man die Mini-PV-Anlage melden und den Aufwand betreiben. Die Nichtmeldung einer meldepflichtigen Anlage wäre sogar eine Ordnungswidrigkeit."

Zweiwegestromzähler installieren

Die zweite wichtige Frage ist, ob zum Betrieb einer Balkonanlage der Stromzähler getauscht werden muss. Denn wenn die Balkonanlage mehr Strom produziert als in der Wohnung gerade verbraucht wird, fließt Strom aus der Wohnung ins öffentliche Stromnetz. Für diesen Strom kann man zwar theoretisch auch eine Einspeisevergütung bekommen, sagt Anwalt Bringewat. Doch dafür müsse zusätzliche Technik installiert werden, so dass sich der Aufwand nicht lohne.

Um zu verhindern, dass Strom ins öffentliche Netz fließt und so die Stromrechnung durcheinander gerät, schreibt das Bayerische Energieministerium, müsse für Balkon-Kraftwerke ein Zweiwegezähler installiert werden oder ein Stromzähler mit Rücklaufsperre. Den Zählerwechsel, sagt Anwalt Bringewat, müsse der Netzbetreiber durchführen:  

"Nach unserer Erfahrung reagieren Netzbetreiber durchaus offen dafür, Zähler mit Rücklaufsperre einzubauen."

Extragebühren  für Stromzähler sind nicht zulässig

Denn alte Zähler, deren Zähl-Rädchen sich in beide Richtungen drehen können, müsste ohnehin früher oder später ausgetauscht werden. Einige Netzbetreiber würden allerdings für den Zählertausch eine Gebühr verlangen. Das sei nicht korrekt, sagt Anwalt Bringewat. Er habe die Frage juristisch geprüft und sei zu dem Ergebnis gekommen: Ein Zählerwechsel ist durch die monatliche Gebühr für den Stromzähler bezahlt, eine Extra-Gebühr sei nicht zulässig. 

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