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StartseiteVerbrauchertippStrom produzieren auf dem Balkon19.07.2019

Mini-SolaranlagenStrom produzieren auf dem Balkon

Ein sonniger Platz und der richtige Neigungswinkel - und schon können Steckdosen-Solargeräte Strom liefern. Fertige Anlagen gibt es sowohl im Internet als auch in Baumärkten. Solche Geräte eignen sich auch für den Balkon. Gerade wer in einer Mietwohnung wohnt, hat aber einiges zu beachten.

Von Angelika Gördes-Giesen

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Kleine Sonnenkollektoren vor blauem Himmel (imageBROKER / SimonxBelcher)
Mit kleinen Sonnenkollektoren kann auch auf dem Balkon Strom produziert werden (imageBROKER / SimonxBelcher)
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Einfach den Stecker einstecken und die Mini-Solaranlage startet die Stromproduktion, auf dem Balkon. Konrad Merten, Professor für Elektrotechnik an der Fachhochschule Steinfurt hat es ausprobiert:

"Grundsätzlich kann jetzt jeder, der Platz hat, solche Anlagen anschließen."

Bei solchen Anlagen handelt es sich praktisch um eine tragbare Fotovoltaik-Anlage. Die Leistung liegt im Durchschnitt bei 300 bis 600 Watt, so Thomas Weber, Energieberater der Verbraucherzentrale NRW.

Die Anlage besteht aus fertigen Platten: "Die haben ein Format von ein Meter mal 1,70 Meter, sind fünf Zentimeter dick und das sind dann fertige Platten. Die macht man dann ans Balkongeländer dran."

Wechselrichter muss zwischengeschaltet werden

Wichtige Voraussetzungen für den Betrieb sind ein sonniger Platz und der richtige Neigungswinkel. Die Halterungen zur Befestigung werden meist mitgeliefert, aber man sollte sich schon vergewissern, ob sie auch für den eigenen Gebrauch geeignet sind:

"Diese Teile haben nun mal ein Gewicht von 15 bis 20 Kilogramm. Wenn das dann runter fällt, kann das mächtige Schäden verursachen. Von daher muss die Sicherung schon anständig sein."

Fertige Anlagen gibt es sowohl im Internet als auch in Baumärkten. Einen Überblick über das Angebot, wie technische Daten und Kosten, bietet die Deutsche Gesellschaft für Solarenergie. Thomas Weber aber rät beim Anschluss an das Stromnetz einen Fachmann zu beauftragen: 

"An diesen Stromkreis, den man im Haus hat, muss man einen Elektriker dran lassen, der diese Steckdosen auch installieren darf. Das wird auch der Netzbetreiber, bei dem an die Anlagen anmelden muss, der wird auch darauf achten, dass das dann ordentlich gemacht ist."

Denn der Gleichstrom, den die Solarzellen erzeugen, darf nicht in das Haus-Stromnetz eingespeist werden. Es muss ein sogenannter Wechselrichter zwischengeschaltet werden, der die Energie in Wechselstrom umwandelt und erst dann einspeist:  

"Das wurde 2018 dingfest gemacht, dass man dafür einen speziellen Stecker braucht. Der hat den Vorteil, dass mit dem Stecker etwas in den Stromkreis eingeführt werden kann - und zwar hinter der Sicherungsebene. Denn wenn ich erst etwas nach der Sicherungsebene einspeise, dann ist der Sicherheitsfaktor nicht mehr da. Da brauche ich einen Spezial-Stecker und der ist bei den meisten Anlagen mit dabei."

Amortisierung nach sechs Jahren

Der erzeugte Strom wird direkt in der Wohnung verbraucht - zum Beispiel von Kühlschränken, die ununterbrochen laufen. Durch zu viel selbst erzeugte Energie läuft der normale Strom-Zähler aber nicht rückwärts.

Deshalb muss auch der Stromzähler ausgetauscht werden: "Dafür braucht man wieder den Elektriker. Theoretisch könnte ich ja jetzt den Strom in mein Netz einspeisen, was zu viel ist. Das ist aus rechtlichen Gründen nicht zulässig und dafür gibt es einen anderen Zähler, einen Zwei-Richtungs-Zähler, den man dafür nutzt. Der muss aber eingebaut werden."

Wer seine Energie komplett nutzen will, kann noch einen Speicher einbauen.

In jedem Fall aber empfiehlt Thomas Weber, sich mit dem Vermieter in Verbindung zu setzen, wo die Mini-Solaranlage installiert werden kann und wer die Kosten übernimmt, besonders bei einem Umzug. Fertig installiert kostet eine Mini-Solar Anlage rund 1.000 Euro. Trotzdem ist Thomas Merten überzeugt, dass sich die noch hohen Kosten für die Umwelt lohnen.

"Es gibt da so ein eine einfache Rechnung: Man sagt: Jedes 250-Watt-Gerät zum Beispiel ersetzt im Jahr 250 Kilogramm Braunkohle und danach amortisiert sich so eine Anlage nach sechs Jahren zum Beispiel."

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