Sonntag, 24.10.2021
 
Seit 05:05 Uhr Auftakt
StartseiteSport am WochenendeDer Fall Riley ist kein Einzelfall03.10.2021

Missbrauch im US-FrauenfußballDer Fall Riley ist kein Einzelfall

Nach den massiven Vorwürfen der sexuellen Nötigung gegen einen Trainer in der amerikanischen Frauenfußball-Profiliga NWSL ist die Ligachefin Lisa Baird von ihrem Amt zurückgetreten. Doch das ist wahrscheinlich erst der Anfang der Aufarbeitung des Skandals.

Von Marcus Pindur

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
August 24, 2019, Cary, NC, United States of America: Cary, North Carolina - Saturday, August 24, 2019: North Carolina Courage vs Reign FC at Sahlen s Stadium at WakeMed Soccer Park. Paul Riley - ZUMAt139 20190824_zaa_t139_154 Copyright: xLewisxGettierx (IMAGO / ZUMA Wire)
Paul Riley, Ex-Trainer von North Carolina Courage, wird sexuelle Nötigung vorgeworfen. (IMAGO / ZUMA Wire)
Mehr zum Thema

Missbrauchsskandal im US-Frauenfußball "Spielerinnen fühlen sich ermutigt, ihre Geschichten zu erzählen"

Der Weltverband FIFA und der nationale Verband US Soccer, kündigten noch am Wochenende Untersuchungen an. Die Spiele der amerikanischen Frauenfußball-Liga, NWSL, fielen komplett aus. Ligaschefin Baird sagte, damit solle jedem Zeit zum Nachdenken gegeben werden. Sie akzeptiere die volle Verantwortung für die Rolle, die sie gespielt habe.

Die früheren Spielerinnen Sinead Farrelly und Meleana Shim hatten in einem Artikel des Portals "The Athletic" detailliert Übergriffe des Trainers Paul Riley geschildert. Der Klub North Carolina Courage entließ daraufhin den Engländer, der amerikanische Fußball-Verband entzog ihm die Lizenz.

Rapinoe: "Brennt alles nieder"

Riley bestreitet die Vorwürfe, die heftige Reaktionen im Lande der amtierenden Weltmeisterinnen nach sich zog. Kritik gab es vor allem an der bisherigen Untätigkeit der NWSL. Der Superstar des amerikanischen Frauenfußballs, Megan Rapinoe, machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Der Skandal offenbare ein System, in dem Männer andere Männer schützten, die gegenüber Frauen sexuell übergriffig seien. Zitat: "Brennt das alles nieder. Lasst all ihre Köpfe rollen."

July 5, 2021, Orlando, Florida, United States: Orlando, Florida, July 4th 2021: North Carolina Courage players celebrate Havana Solaun (19 North Carolina Courage) scoring their second goal during the National Women's Soccer League game between Orlando Pride and North Carolina Courage at Exploria Stadium in Orlando, Florida. NO COMMERCIAL USAGE. (Credit Image: © Andrea Vilchez/Sport Press Photo via ZUMA Press (picture alliance/ZUMAPRESS/Andrea Vilchez) (picture alliance/ZUMAPRESS/Andrea Vilchez)"Spielerinnen fühlen sich ermutigt, ihre Geschichten zu erzählen"
In der US-Frauenfußball-Profiliga NWSL sind alle Spiele am Wochenende abgesagt worden. Hintergrund sind die Missbrauchsvorwürfe gegen einen Trainer in der Liga.

Die Nationalspielerin Alex Morgan beschuldigte die Frauenfußball-Liga, weggesehen zu haben. Die Liga sei mehrfach über die sexuelle Nötigung informiert worden, habe es aber stets abgelehnt, Ermittlungen einzuleiten. Jetzt müsse die Liga endlich dafür Verantwortung übernehmen, ihre Spielerinnen nicht geschützt zu haben.

Schon drei weitere Träner haben Ämter verloren

Es ist längst klar, dass der Fall Riley kein Einzelfall ist. Zuvor hatten schon drei weitere Trainer ihre Ämter wegen Fehlverhaltens verloren. Im August wurde Christy Holly bei Racing Louisville gefeuert, nachdem sich Spielerinnen über ein toxisches Umfeld beklagt hatten. Auch der Club der 106-fachen deutschen Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan war betroffen. Die 29-Jährige ist von ihrem Verein Olympique Lyon zeitweise an dessen Partnerclub OL Reign im Großraum Seattle ausgeliehen. Im Juli wurde dort der Chefcoach Farid Benstiti gefeuert, wegen, wie es hieß, unangemessener Kommentare. Vergangene Woche trennte sich das Team Washington Spirit von Trainer Richie Burke nach zahlreichen Vorwürfen, er hat mittlerweile ein Beschäftigungsverbot in der gesamten NWSL.

Die Spielerinnenvereinigung forderte ein Ende des, wie sie es nannte, systemischen Missbrauchs. Unterstützung kam auch von der Tennis-Ikone Billie Jean King: Die Rücktritte an der Spitze der Liga seien ein guter erster Schritt, aber die Liga müsse jetzt ein sicheres Umfeld für die Fußballerinnen schaffen. Es dürfe null Toleranz für das geben, was die Spielerinnen ertragen hätten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk