Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

MissbrauchsskandalMoraltheologen kritisieren Benedikts Aussagen

Papst Benedikt XVI. winkt am 27.02.2013 im Vatikan in Rom bei der Abfahrt nach der Generalaudienz auf den Petersplatz. Tausende Gläubige haben sich vor dem Petersdom versammelt, um den Pontifex zu verabschieden. Papst Benedikt XVI. hat als erster Papst der Neuzeit seinen Rücktritt erklärt. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)
Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Die Sprecher der deutschen Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie haben den Missbrauchstext des früheren Papstes Benedikt XVI. zurückgewiesen.

In einer auf dem Internetportal "feinschwarz.net" veröffentlichten Stellungnahme wandten sich die beiden Professoren Christof Breitsameter (München) und Stephan Goertz (Mainz) gegen die Aussagen des ehemaligen Kirchenoberhaupts. Benedikt XVI. hatte in einem Schreiben Gottlosigkeit und eine Entfremdung vom Glauben als zentrale Ursachen für den Missbrauch genannt. Das habe sich seit den 1960er Jahren auch in einer Abkehr von der katholischen Sexualmoral breitgemacht. Teile der Kirche seien dadurch "wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft gewesen".

Dieser Vorwurf sei diffamierend, schreiben nun die beiden Moraltheologen. Der Versuch von Benedikt XVI., gesellschaftliche Umbrüche und die Reformen in der Moraltheologie für den Missbrauch verantwortlich zu machen, seien keineswegs neu, heißt es in dem Papier unter der Überschrift "Gefangener seiner Vorurteile". Für Benedikt XVI. spielten human- oder sozialwissenschaftliche Erkenntnisse keine Rolle. Das führe zu verzerrten Wahrnehmungen. Homosexualität als solche sei keine Ursache von Missbrauch. Dieser ziehe sich durch die ganze Kirchengeschichte.

Weniger den "traditionellen Werten" als den jüngeren Umbrüchen in der Regulierung von Sexualität sei es zu verdanken, "dass heute jede Form von sexualisierter Gewalt moralisch und rechtlich geächtet wird. Das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung ist keine Erfindung der Katholischen Kirche", heißt es in dem Text weiter. Benedikts Analyse bedrohe den von ihm selbst stets betonten Zusammenhalt von Glaube und Vernunft.