Samstag, 21.09.2019
 
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"Mission E"

Das Energiesparprogramm der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist nicht nur ein gigantischer Posten im Bundeshaushalt, sondern auch ein großer Verbraucher von Strom und Wärme. 380 Millionen Euro muss der Steuerzahler derzeit dafür aufbringen. Damit die Kosten für Strom und Wärme angesichts steigender Energiepreise stabil bleiben oder vielleicht sogar sinken, läuft seit einem Jahr bei der Bundeswehr die "Mission E", ein Energiesparprogramm.

Von Axel Schröder

Ein Wohnblock der Bundeswehr-Westfalen- Kaserne in Ahlen (AP)
Ein Wohnblock der Bundeswehr-Westfalen- Kaserne in Ahlen (AP)

Richtig hell ist es nicht auf den Fluren der Wehrbereichsverwaltung Nord in Hannover. Wo vorher alle paar Meter zwei Neonleuchten die langen Gänge beleuchteten, strahlt jetzt nur noch eine einzige.

"Wir haben bei uns oben jede zweite Röhre rausgedreht, einfach, um Energie zu sparen. Und es ist sowieso viel zu hell. Es ist baulich mal so gemacht worden, dass da zwei Röhren drin sind, aber es geht auch mit einer. Und die Arbeitsschützer sind damit auch einverstanden und dann haben wir's gemacht."

Dezernatsleiter Michael Sander durchquert die Flure. Er ist begeistert von der "Mission E", dem Stromsparprogramm der Bundeswehr. Er bleibt kurz stehen, zeigt auf ein Poster an der Wand.

"Das ist also noch mal ein Plakat zur Mission E. Und sie sehen ja hier das E und wofür es steht: Für Energieeffizienz, Einsparungen, Emissionen und Engagement. Das ist also die Mission E und sie finden in der Regel in jeder Dienststelle ein solches Plakat."

An den Türklinken hängen kleine Schilder: "Monitor aus, Licht aus, Heizung aus!" Eine Woche lang dauert die Aktionswoche in dem Verwaltungsgebäude der Bundeswehr. Die 400 Mitarbeiter sollen Strom und Wärme sparen, den Gesamtverbrauch der Truppe drücken. Denn der beträgt immerhin rund 6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Die Kampagne soll das Nutzerverhalten der Armeeangehörigen verändern, entwickelt wurde sie von der Energieagentur Nordrhein-Westfalen. Mitarbeiter Tom Küster über die Zielgrößen der Maßnahme:

"Das Ziel der "Mission E" ist es, ein Prozent Energie einzusparen. Und diese 60 Millionen Kilowattstunden entsprechen 20.000 Tonnen CO2. Und wir haben jetzt Zwischenwerte aus sieben Bundesländern aus neuen Monaten. Und da wurden jetzt in der Summe 76.000 Tonnen CO2 eingespart."

Und Tom Küster schätzt, dass das Ein-Prozent-Ziel im ersten Jahr der "Mission E" ums zweifache übertroffen wird. Am Ende spart die Bundeswehr dann nicht nur CO2, sondern vor allem bares Geld: Vier bis acht Millionen Euro, schätzt Energiefachmann Küster, gerade genug, um die steigenden Energiepreise auszugleichen. Protest von Wehrpflichtigen oder vom Verwaltungspersonal der Bundeswehr hat es bisher nicht gegeben. Nur die privaten Elektrogeräte auf den Amtsstuben möchte sich niemand nehmen lassen:

"Das ist ein ganz sensibler Punkt! Das erfahren wir sehr häufig. Wenn ich die Leute zum Energiesparen bringen möchte, dann bringe ich sie gegen mich auf, wenn ich als Erstes sage: "Der Kühlschrank, wo ohnehin nur drei Joghurts drinstehen, muss raus, die Kaffeemaschinen müssen raus und das Radio, und, und, und ... "

Und deshalb rät er den Vorgesetzten, lieber zentrale Kaffeemaschinen und Kühlschränke aufzustellen. Und wenn das nicht klappt, so Dezernatsleiter Sander, sollen zumindest nicht alle auf einmal ihren Kaffee am Morgen kochen:

"Wenn man das ein bisschen streckt, wenn man sagt: die einen machen ihr kleines Päuschen um halb neun, die anderen um neun, die nächsten um halb zehn, dann kann diese Spitzen etwas abfedern. Und dieses Abfedern der Spitze bewirkt einen enorme Senkung der Energiekosten. Weil gerade diese Spitzenleistung sehr teuer bezahlt werden muss. Da wollen ja alle Kaffee kochen!"

Und das wissen die Energieversorger und verlangen in Spitzenlastzeiten gern einen höheren Strompreis. Mit Verboten und gar Befehlen will die "Mission E" aber nicht arbeiten. Das Nutzerverhalten soll sich ändern. Ohne Komfortverlust. Und natürlich darf die Einsatzbereitschaft der Armee nicht gefährdet werden. Auch nicht im Ausland, so der Hannoveraner Dezernatsleiter Sander:

"Sogar in der ISAF-Struktur in Afghanistan ist die "Mission E" schon da! Hier wird auch Energie gespart. Natürlich nur im Zusammenhang mit ihren Einsätzen. Das heißt: es darf der Einsatz nicht gefährdet sein, aber es wird Energie gespart, es wird unter anderem Treibstoff zur Stromerzeugung gespart."

Eine Treibstoffreduzierung für die Fahrzeuge von Marine, Heer und Luftwaffe klammert die Mission E dagegen aus. Unterm Strich produziert der Bundeswehr-Fuhrpark rund 1,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die durch die "Mission E" eingesparten CO2-Tonnen durch Wärme- und Stromeinsparung sind dagegen nur ein Klacks.

"Das ist nicht ganz wenig. Für die Bundeswehr ist dies natürlich nur ein kleiner Beitrag. Aber: es ist besser als nichts."

Klimaschädlicher Schiffsdiesel und der CO2-Killer Kerosin werden also auch weiterhin verbraucht und Leopard-Panzer mit einem Durchschnittsverbrauch von 400 Litern Ottokraftstoff auf 100 Kilometern rollen auch weiterhin über die Truppenübungsplätze. Den 3-Liter Panzer wird es auch in Zukunft nicht geben.

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