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StartseiteSprechstundeMit dem Laser mitten ins Herz07.08.2012

Mit dem Laser mitten ins Herz

Neues Verfahren entfernt Sonden von Schrittmachern

Die dünnen Kabel von Herzschrittmachern - sogenannte Sonden - versagen im Laufe der Jahre oft. Die Folge: Elektrische Kontakte wachsen an Venen fest, es entstehen Entzündungen. Die anschließende Entfernung kann sehr kompliziert werden. Eine neue Methode setzt dabei nun auf Laser.

Von Michael Engel

Herzschrittmacher werden immer kleiner.  (vitatron.com)
Herzschrittmacher werden immer kleiner. (vitatron.com)
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Schwerpunktthema: Herzschrittmacher

Ein Schrittmacher wird nicht unmittelbar in das Herz eingesetzt, sondern unterhalb des Schlüsselbeins zum Beispiel unter dem Brustmuskel. Von dort aus werden ein oder mehrere dünne, biegsame Kabel – sogenannte Sonden - durch die Blutgefäße zum Herzen gelegt. Kontakte an der Spitze – die Elektroden - übertragen die elektrischen Impulse des Schrittmachers. Im Laufe der Zeit – so Professorin Brigitte Osswald vom Herzzentrum Bad Oeynhausen – versagen viele der Sonden. Es gibt Entzündungen, elektrische Kontakte werden gestört, fast alle wachsen fest.

"Also wenn Sonden festwachsen, das ist eigentlich ein Prozess, der bei jeder Sondenimplantation passiert, das kann man eigentlich auch nicht verhindern. Diese Verwachsungen finden zum einen in der Vene statt und zum anderen auch an allen Strukturen, wo diese Sonden direkt festgemacht sind wie zum Beispiel im Herzen oder wo sie direkt am Herzen aufliegen. Das bedeutet eben auch, wenn man eine Sonde entfernen muss, dass diese Sondenexplantation dann je nach Verwachsungsgrad sehr problematisch sein kann."

Wenn irgend möglich, sollte die alte Sonde im Körper des Patienten belassen werden, wenn neue Geräte mit neuen Sonden eingesetzt werden. So jedenfalls lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, um das Risiko einer Sondenentfernung zu umgehen. Die Folge: Manche Patienten haben sechs, sieben und mehr alte Sonden im Herzen.

"Allerdings erkauft man sich dann natürlich damit, dass dann – je nachdem – sehr viele Sonden im Venensystem liegen. Das Venensystem ist jetzt nicht unendlich belastbar, das heißt also, spätestens ab der fünften, sechsten, siebten Sonde steht diese Vene sicherlich nicht mehr für eine weitere Implantation zur Verfügung, so dass man sich dann überlegen muss, welche weiteren Schritte man geht."

Im einfachsten Fall lassen sich alte Sonden einfach herausziehen, sagt die Herzchirurgin aus Bad Oeynhausen. Sind die Sonden mit dem Herzgewebe verwachsen, ist das allerdings nicht mehr möglich. Dann kommt eine röhrenförmige "Schälapparatur" zum Einsatz. Die winzige Röhre wird über die Sonde gestülpt, langsam nach vorne bewegt und anhaftendes Gewebe abgeschält. Das Ganze minimalinvasiv

"... und jetzt als neue Option steht eben noch die Laserexplantation zur Verfügung. Das ist im Prinzip auch so ein röhrenförmiges Element, was um die Sonde herum sich schließt. Was allerdings vorne am Ansatzbereich ein Laserlicht extrahiert, so dass diese Verwachsungen um die Sonden herum nicht mit mechanischer Kraft gelöst werden, sondern mit Laserlicht. Und das ist wesentlich schonender, dieses Verfahren, als jegliches mechanische Verfahren."

Die neuartige "Laserexplantation" der Sonden wird mittlerweile an den Universitätskliniken angeboten. Mit großem Erfolg. In Bad Oeyhausen wurden seit Anfang des Jahres mehr als zehn Patienten behandelt, darunter eine über 90-Jährige, die mit mehreren sehr alten und auch noch infizierten Sonden in die Klinik kam. Eigentlich ein typischer Fall für eine Operation am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Genau das konnte ihr durch die Lasermethode nun aber erspart werden.

"Man muss natürlich sehen, dass jetzt sehr viele Patienten mit diesen Herzschrittmacher-Sonden und mit diesen ECD-Sonden schon versorgt sind. Und auch die Implantationszahlen steigen weiter, so dass dieses Problem der Sondenentfernung sicherlich in den nächsten Jahren noch steigen wird. Und es ist sicher so, dass der Zeitpunkt nicht ganz ungeschickt ist, dass wir jetzt dieses Verfahren mit den relativ niedrigen Komplikationsraten zur Verfügung haben."

Da heute weit über drei Millionen Deutsche mit unterschiedlichen Schrittmacher- und Defi-Apparaturen ausgestattet sind, ist in den kommenden Jahren mit einer Vielzahl solcher Operationen zu rechnen.

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