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StartseiteHintergrundMit dem Taxi durch Teheran12.06.2011

Mit dem Taxi durch Teheran

Alltag im Iran zwei Jahre nach den Protesten von 2009

Es gibt den offiziellen Iran - den der offiziösen Statements, den der Politiker und Geschäftsleute. Und es gibt den inoffiziellen Iran - den Iran der Taxifahrer und ihrer Kunden. Sie haben Angst zu reden, weil sie nicht sagen dürfen, was sie denken, aber sie tun es trotzdem.

Von Jörg-Christian Schillmöller

Mehrere Hunderttausend Menschen protestieren in Teheran gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl 2009. (AP)
Mehrere Hunderttausend Menschen protestieren in Teheran gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl 2009. (AP)
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"Die Menschen hier sind sehr damit beschäftigt, für ihr Auskommen zu sorgen. Sie haben Angst, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Denn wer sorgt für ihre Familie, wenn sie im Gefängnis sitzen? Ich habe damals nach der Wahl auch viele SMS bekommen, also dass ich an dieser oder jener Kundgebung teilnehmen soll, und ich habe gesagt: Ich kann nicht, wirklich. Denn wenn ich jetzt verhaftet werde und mir was zustößt: Wer sorgt dann für meinen Lebensunterhalt?"

Vormittags in Teheran. Die Vali-Asr-Straße ist eine der großen Verkehrsadern der iranischen Hauptstadt. Gesäumt von Platanen führt sie fast 20 Kilometer lang vom höher gelegenen, wohlhabenden Norden der Stadt hinunter bis in den Süden. Der Taxifahrer heißt Arash. Er ist 32 Jahre alt, trägt ein blaues T-Shirt und fährt einen weißen Paykan. Das ist der iranische Volkswagen, der hier schon zu Zeiten des Schahs gebaut wurde. Altmodisch, aber robust.

"Ja natürlich spreche ich bei Facebook über die Lage. Ich lese Artikel und mache mir ein Bild von der Meinung der anderen. Ich wünsche mir eine sichere Arbeit und Freiheit - ich meine nicht Zügellosigkeit, sondern geistige Freiheit, religiöse Freiheit, Meinungsfreiheit. Ein Leben ohne Zwang und Gewalt. Ein ganz normales Leben eben."

Mit dem Taxi durch Teheran - auf der Suche nach dem Alltag in der Islamischen Republik Iran, zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl und der grünen Revolution, die gewaltsam niedergeschlagen wurde. Ein Pressevisum erteilt das "Ministerium für Kultur und Islamische Führung" nur, wenn die eingereichten Themen nicht allzu kritisch sind - und wenn offizielle Termine beantragt werden, zum Beispiel in der Fabrik des größten iranischen Autobauers oder im Deutschen Sprachinstitut Teheran. Doch zu inoffiziellen Gesprächen kommt es ganz von selbst, und zwar unterwegs, im Taxi: Zufällige Begegnungen sind das - unverbindlich, ungefährlich, spontan. Und gerade deshalb so ehrlich und aussagekräftig. Im Taxi reden die Menschen viel darüber, wie es ihnen geht, was sie denken, was sie sich wünschen. Arash, der Taxifahrer, steuert seinen Paykan die Vali-Asr-Straße hinunter - es ist schwül und Gewitterwolken hängen über der Stadt. Die Teheraner mögen den Regen, weil er so selten ist.

Um in Teheran von A nach B zu kommen, nehmen sich Hunderttausende Menschen ein Taxi. Es gibt nur zwei U-Bahn-Linien für einen Ballungsraum mit 15 Millionen Einwohnern. Deshalb bestimmen auf den Straßen und Stadtautobahnen die Taxis das Bild: Sie sind weiß, gelb, grün oder schwarz, viele haben einen breiten Streifen in orange und ein Schild auf dem Dach: Teheran Taxi steht darauf. Die meisten Fahrer arbeiten für Agenturen, seit ein paar Jahren gibt es sogar Frauentaxis mit einer Fahrerin am Steuer. Unterwegs in Teheran: Im Westen der Stadt hat das Unternehmen "IranKhodro" seinen Sitz. Khodro: das heißt "Selbstfahrer", und "IranKhodro" ist der Name des größten Autobauers in der Islamischen Republik.

IranKhodro nennt sich selbst gern "größter Autobauer des Mittleren Ostens" und ist einer der wichtigen Arbeitgeber in Teheran. 550.000 Fahrzeuge rollen jedes Jahr vom Band, schon bald sollen es mehr als 800.000 sein. Neben eigenen Modellen baut der Konzern in Lizenz auch ein paar ältere Modelle von Peugeot, wie den 206 und den 405. Offiziell ist IranKhodro ein Staatsbetrieb, doch die Eigentumsverhältnisse sind unklar: Das "Handelsblatt" schrieb schon vor Jahren, dass sich die Revolutionsgarde - einst von Khomeini als paramilitärische Truppe gegründet - über Tarnfirmen bei IranKhodro eingekauft hat. Überraschend ist das nicht, greift die Garde doch wie eine Krake nach vielen Betrieben im Land, zum Beispiel in der Telefonbranche. Der Besuch bei IranKhodro beginnt im Büro von Abdollah Babaei, dem Kommunikationsdirektor. Er vertritt sein Unternehmen sehr selbstbewusst.

"Unser neuestes Modell, den 'Dena', haben wir ohne Hilfe aus dem Ausland entwickelt. Das ist ein rein iranisches Produkt. Sehen Sie, das ist auch eine Folge der Sanktionen gegen unser Land: Je mehr man versucht, uns das Leben schwer zu machen, desto unabhängiger werden wir, desto mehr stehen wir auf eigenen Füßen."

Man könnte auch sagen: Desto isolierter steht das Unternehmen da. Jahrzehntelang hat IranKhodro mit Daimler zusammengearbeitet, bis Konzern-Chef Zetsche die Kooperation im vergangenen Jahr aufkündigte. Abdollah Babaei wiegelt ab.

"Also mein Motto, mein Leitspruch ist der: Nicht wir stehen unter Sanktionen, sondern die, die uns ihre Produkte nicht mehr verkaufen dürfen. Wissen Sie, wenn wir ein Teil nicht mehr von dort bekommen, dann bekommen wir es eben anderswo."

Nachprüfen lassen sich diese Aussagen kaum. Doch so selbstbewusst sich Herr Babaei auch geben mag: Zwischen den Zeilen ist ein wenig Wehmut herauszuhören. Er würde gern wieder Geschäfte mit Deutschland machen.

"Fallen Sie doch nicht auf die Sanktionen rein! Es ist doch schade, so einen Markt wie den iranischen zu verlieren. Sie sollten einen solchen Markt nicht einfach so aus der Hand geben. Sehen Sie, wenn Sie nicht hier sind, dann kommen die Chinesen, und das ist schade für die deutsche Industrie."

Das Werksgelände ist so groß wie eine Kleinstadt. Die Straßen sind von Bordsteinen in blau und weiß eingefasst - den Farben des Unternehmens. Viele alte Mercedes-Busse und Lastwagen sind hier unterwegs, mit dem Stern auf der Kühlerhaube und darunter dem Schriftzug "IranKhodro".

Der Lärm in Presswerk 3 ist ohrenbetäubend. Hier werden aus viereckigen Blechplatten Kotflügel, Motorhauben und Vordertüren, und zwar vor allem für das iranische Modell Samand. Verantwortlich für Presswerk 3 ist Mustafa Parisi.

"Wir haben in diese Halle viel investiert, darum arbeiten wir in vier Schichten rund um die Uhr, auch freitags, also an eurem Sonntag. Hier läuft der Betrieb nonstop."

Die Metallpressen bringen das Blech in Form. Zwischen den wuchtigen Maschinen arbeiten orangefarbene Roboter: Sie nehmen die Bleche aus der Presse und legen sie in die nächste.

"Also unsere Pressen, die sind aus Japan, und die Roboter, die kommen aus Deutschland, von KUKA aus Augsburg. K-U-K-A."

Ein Anruf bei KUKA genügt: Es sind tatsächlich deutsche Roboter, die gemeinsam mit japanischen Pressen iranische Autos bauen. Aber das Unternehmen aus Bayern betont, dass KUKA schon seit Jahren keine neuen Verträge mehr abgeschlossen hat.

In der Montagehalle durchläuft ein schneeweißer Peugeot seinen letzten Test. Viele der Autos hier gehen ins Ausland, denn IranKhodro exportiert nach eigenen Angaben in mehr als 30 Länder, zum Beispiel nach Syrien. Nach der Führung durch die Fabrik ist klar, welcher Eindruck hier erweckt werden sollte: Das Land kommt gut zurecht, trotz aller Sanktionen. Stimmt das? Durchaus, sagt ein iranischer Branchenkenner - er spricht deutsch, will aber anonym bleiben.

"Die Sanktionen haben in keinem Fall dazu geführt, dass Sie irgendwas nicht bekommen. Es geht nur darum, zu welchem Preis. Je stärker die Sanktionen werden, desto mehr Zwischenleute kommen auf. Die Ware wird eingekauft und erstmal woandershin verschickt, dann umgepackt, und irgendwann tauchen die Teile hier auf. Es geht nur darum, dass es etwas länger dauert und teurer wird."

Ein Auto aus der heimischen Produktion ist für umgerechnet 10.000 bis 20.000 Dollar zu haben. Das können sich viele Menschen gerade so leisten. Daneben gibt es einen kleinen Importmarkt, aber nur für den wohlhabenden Autofreund: Der Iran erhebt Einfuhrzölle von etwa 100 Prozent, um die eigene Industrie zu schützen. Ein deutscher Anbieter hat aber trotzdem eine Niederlassung in Teheran, und zwar Porsche. Im Unterschied zu Daimler hat der Konzern kein Problem mit dem Iran: Seit 2009, so ist zu hören, hat das Unternehmen rund 500 Stück verkauft. Ihre Besitzer zeigen sich gern mit den Autos in der Öffentlichkeit: Auch das ein Stück Alltag im Iran.

"Es gibt Straßen in Teheran, wo man einfach hinfährt, um gesehen zu werden, zum Beispiel die Jordanstraße, oder in Sharakhe Rab: Da bleibt die Anzahl der Autos konstant, weil die alle um den Block fahren. Viele Bekanntschaften werden da geschlossen, auch als Ersatz für fehlende Discos."

Also das klassische Cruisen?

"Ja. Sind die Iraner eine Autofahrernation? Oh ja, sehr. Ein persönliches Fahrzeug ist eins der Ziele, das jeder Iraner hat. Eigenes Haus, eigenes Auto, und man hat alles getan, was man tun sollte."

Was fahren Sie selbst?

"Porsche. Und meine Frau fährt einen Mercedes."

Zurück in die Innenstadt: Diesmal ist das Taxi ein schwarzer "KIA Pride", iranische Produktion in Lizenz, älteres Baujahr. Der Kilometerzähler steht bei 190.000. Der Fahrer heißt Mohammad und ist 53 Jahre alt.

Mohammad stammt aus Shiraz, der Geburtsstadt des Dichters Hafez, dem Goethe im "west-östlichen Diwan" ein Denkmal gesetzt hat. Aber in Mohammads Leben ist für Poesie kein Platz.

"Ich arbeite 18 Stunden am Tag. Ernsthaft, gestern war Freitag, also euer Sonntag, und selbst da habe ich 13 Stunden gearbeitet, von sieben bis 20 Uhr. Sogar in den Neujahrsferien arbeite ich, die ganzen zwei Wochen."

Ein Liter Benzin kostet 700 Tuman, berichtet Mohammad. Das sind ungefähr 50 Cent. Taxifahrer bekommen einen Zuschuss, meint Mohammad, aber der ist nach zwei Wochen aufgebraucht, und dann müssen auch die Taxifahrer den ganz normalen Preis bezahlen. Ein weiteres Problem: Die Regierung hat die Subventionen gekürzt, etwa für Strom, Wasser und Brot. Es gibt zwar eine Ausgleichszahlung - doch das Geld reicht hinten und vorne nicht.

"Das sind 40.000 Tuman im Monat pro Person, also 40 Dollar. Wir sind zu zweit, meine Frau und ich, aber wir zahlen allein 45.000 Tuman für den Strom, dann kommt noch Wasser und Telefon dazu. Die Ausgleichszahlungen helfen uns gar nicht."

Hat Mohammad Hoffnung, dass sich seine Lage bessert? Nein, sagt er.

"Es ist nicht nur die Politik, es ist vor allem das falsche Management. Unser Land hat Öl und andere Rohstoffe, das weiß jeder Iraner. So einem Land darf es nicht so schlecht gehen. Schau Dir die Vereinigten Arabischen Emirate an: Die haben nur das Öl, und denen geht es gut. Nein, uns darf es nicht so schlecht gehen."

Auch das ist ein Stück Iran 2011: Die Resignation ist allgegenwärtig. Viele Menschen geben sich regierungsfreundlich, aber die Kritik an den Lebensumständen und dem Regime lässt nicht lange auf sich warten. Aus einem Taxifahrer bricht es geradezu hervor: "Khomeini, Chamenei, Ahmadinedschad: very bad", sagt er. Der Mann führt die Hand an die Lippen und macht eine Bewegung, als drehe er einen Schlüssel um: Wir dürfen nicht reden, heißt das, sie machen uns mundtot. Die Menschen haben Angst - auch das ist überall zu spüren. Denn die Regierung hat es nach den Protesten von 2009 zwar geschafft, wieder Ruhe im Land zu erzwingen - mit Repression, mit Verhaftungen, Schauprozessen und harten Urteilen. Aber in der Anonymität des Taxis reden die Menschen offener. Besonders in den Sammeltaxis. Dort entwickelt sich ein Streitgespräch zwischen einem konservativen Fahrer und einer jungen Frau auf der Rückbank.

"Unsere religiösen Wurzeln sind sehr wichtig. Negativ ist, dass wir uns der westlichen Lebensweise nähern, ich meine das Negative am Westen, verstehen Sie? Wenn wir über Meinungsfreiheit sprechen, dann muss man sagen, worüber man spricht. Im Privaten kann jeder sagen, was er will. Bei den anderen Themen weiß ich nicht genau, was Sie meinen. Oder meinen Sie Pressefreiheit und Parteien, also nicht das Schlechte am Westen?"

"Also, manche Freiheiten im Westen mögen ja negativ sein, aber sie sind immer noch besser als unsere Freiheiten. Hier halten sie uns klein, sie erniedrigen uns. Im Westen kann jeder herumlaufen, wie er möchte. Hier versucht man immer, den Westen schlecht zu machen, aber so schlecht ist er auch wieder nicht."

Danach schweigt die Frau und steigt kurz darauf aus. Zwei Jahre sind die Massenproteste der grünen Bewegung nun her - wir sind die Urheber des Umbruchs in der arabischen Welt, sagen die jungen Leute. Die Regierung aber deutet das Geschehen ganz anders: Nach offizieller Lesart erlebt die arabische Welt endlich die islamische Revolution, die der Iran schon 1979 hinter sich gebracht hat. Jetzt gerade aber tobt im Iran ein ganz anderer Machtkampf, und zwar innerhalb der politischen Führung. Auf der einen Seite stehen die ultrakonservativen Kleriker und Politiker, auf der anderen Seite stehen Präsident Ahmadinedschad und sein Büroleiter und Weggefährte Esfandiar Rahim Maschaie: Er wird von vielen Konservativen als Abtrünniger bezeichnet, der die Autorität des religiösen Führers Ayatollah Chamenei in Frage stellt und dem Präsidenten subversive Ideen einflüstert. Bezeichnend ist eine Mitteilung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars.

Wohin der Machtkampf führt, wer ihn gewinnt: Das können selbst eingefleischte Iran-Kenner nicht sagen. Früher, erzählen sie, war das hier eine übersichtliche Diktatur. Heute dagegen wisse kaum noch jemand, wer gerade die Verantwortung trage. Viele Parallelstrukturen hätten sich entwickelt, das führe dazu, dass das Land unprofessionell und schwerfällig werde. Und: Viele Menschen verlassen den Iran. Der "brain drain", die Abwanderung kluger Köpfe, ist ein Resultat der angespannten und unklaren Lage. Vor allem junge Leute sehen im Ausland bessere Chancen für ihr Leben - zum Beispiel in Deutschland.

Das Deutsche Sprachinstitut, kurz DSIT, ist eine Oase im Nordosten von Teheran. Ein Goethe-Institut gibt es nicht mehr, seit Rudi Carrell damals in seiner satirischen Tagesschau ein Khomeini-Double in Damenunterwäsche wühlen ließ: Das fand das Regime gar nicht lustig, das Goethe-Institut musste schließen. Seit mehr als 15 Jahren gibt es für die Sprachkurse nun das DSIT.

Von Resignation ist hier nichts zu spüren. 6.000 Einschreibungen hat das DSIT im Jahr. Die Kurse sind ausgebucht, und Leiterin Rita Sachse-Toussaint hat viel Sympathie für ihre Studenten.

"Wir haben hier viele offene, wissbegierige Leute. Es sind fantastische Menschen, und ich bin gern hier."

Im Deutschkurs der Mittelstufe sitzen fröhliche Iranerinnen und Iraner, die ihre Zukunft in die Hand nehmen wollen. So wie die 30-jährige Elahe. Sie macht gerade einen Master in Kunst und Philosophie.

"Ich will nach Deutschland gehen um zu studieren. Ich habe mit den Unis Kontakt aufgenommen, und Sie sagen, es geht. Also wenn ich ein Visum bekomme, dann gehe ich."

In welche Stadt wollen Sie?

"Nach Nordrhein-Westfalen."

Elahe ist bestens informiert: Nordrhein-Westfalen hat gerade die Studiengebühren abgeschafft. Auch Amin will nach Deutschland: Der angehende Industrie-Ingenieur ist 24 und hat schon seine Zulassung in Karlsruhe. Er würde eines Tages gern bei Daimler oder Audi arbeiten. In Teheran lebt er - anders als die meisten - nicht bei seinen Eltern, sondern in einer WG.

"Ich wohne in einem Drei-Personen-Zimmer, und die anderen wollen auch im Ausland, in Europa, weiter studieren."

Ungefähr 25 Leute leben in einem Haus, erzählt Amin. Zu siebt oder acht in jedem Stockwerk. Studentenleben in Teheran.

"Wir haben eine Küche auf der Etage, und wir kochen zusammen. Heute bin ich an der Reihe."

Herkunft verpflichtet: Weil Amin aus dem Norden des Iran stammt, kocht er Fesandschan, ein Geflügelgericht aus seiner Heimat, mit vielen Kräutern. Der Iran könnte für Touristen das attraktivste Land im Mittleren Osten sein, sagt er: überall Kultur und Sehenswürdigkeiten. Im Norden gehen wir Ski fahren, im Süden gehen wir schwimmen, sagt Amin. Wie aber wird der Iran von außen wahrgenommen, wie wird er in der Welt gesehen? Diese Frage beschäftigt viele junge Leute - auch Mohammed.

"Die Ausländer halten etwas Falsches von den Iranern. Ich glaube, Sie halten Iran für ein schlechtes Land, aber wir sind ganz normal hier. Sicher, wir haben einige Probleme, aber es ist nicht so schlecht, wie es von draußen aussieht."

Der Iran im Jahr 2011 ist ein gespaltenes Land - und auch die jungen Iraner und Iranerinnen sind hin- und hergerissen. Sie lieben ihre Heimat - und wollen sie dennoch verlassen. Die islamische Republik verliert ihre besten Köpfe

Iran, im Frühsommer 2011. Es gibt den offiziellen Iran - den der offiziösen Statements, den der Politiker und Geschäftsleute. Und es gibt den inoffiziellen Iran - den Iran der Taxifahrer und ihrer Kunden. Sie haben Angst zu reden, weil sie nicht sagen dürfen, was sie denken, aber sie tun es trotzdem, obwohl Opposition verboten ist und bestraft wird. Ob der Funke, der auf die arabische Welt übersprang, wieder in den Iran zurückspringt? Niemand vermag das vorherzusagen, zu unübersichtlich ist die Lage im Land. Aber Arash, der Taxifahrer in seinem alten, weißen Peykan und dem Schild "Teheran Taxi" auf dem Dach, macht einen großen Unterschied zwischen Politik und Menschen, zwischen den Profiteuren des Systems und jenen, die 18 Stunden arbeiten und es sich einfach nicht leisten können, verhaftet zu werden. Arash bittet darum, genau das in Deutschland zu erzählen.

"Also, Sie müssen ja nicht unbedingt nur von den Problemen hier berichten. Aber wenn, dann stellen sie klar, dass die Schuld für die politischen Schwierigkeiten bei den Politikern liegt - und nicht bei der Bevölkerung. Sagen Sie nicht, die Menschen hier seien schlecht, denn das stimmt nicht. Sagen Sie lieber: Die Iraner haben keine gute Regierung, sie haben keine fähige Regierung. Aber die Menschen, die sind gut. Sagen Sie das: Die Menschen hier sind gut."

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