Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 15:35 Uhr @mediasres
StartseiteForschung aktuellMit einem Spätzünder zum Mond27.08.2007

Mit einem Spätzünder zum Mond

Details der deutschen Mondsonde "Leo"

Raumfahrt. - Nach den Apollo-Landungen war der Mond bei Raumfahrtexperten für Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Doch jetzt ist der Begleiter der Erde wieder in. Selbst Deutschland hat sich nach langem Zögern zu einer Mondmission entschlossen. Jetzt wurden erste Details bekannt.

Von Dirk Lorenzen

Deutschland wird spät zum Mond aufbrechen, dann aber mit einer ambitionierten Mission. (AP/NASA)
Deutschland wird spät zum Mond aufbrechen, dann aber mit einer ambitionierten Mission. (AP/NASA)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

Stell Dir vor, Deutschland fliegt zum Mond und alle anderen sind schon da! "Leo", Deutschlands "Lunarer Explorations-Orbiter", wird 2012 bestenfalls als fünfte oder sechste Mission den Mond erreichen. Dennoch ist Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR überzeugt, dass sich "Leos" Reise auch dann noch lohnt:

"Es ist ein Raumschiff, das den Mond umkreist. Das Neue dabei ist, das wird auf einer sehr, sehr tiefen Bahn sein, 50 Kilometer über der Oberfläche. Von dieser geringen Höhe kann man dann natürlich die Oberfläche sehr, sehr genau aufgelöst in all diesen Fragestellungen, seien sie nun geologischer oder physikalischer Art, untersuchen. Das ist natürlich etwas, was andere Nationen, andere Missionen nicht machen: Einerseits, weil sie nicht unbedingt die Instrumente dazu haben und andererseits weil sie sich sicher auch nicht an die Sache eines so tiefen Orbits heranwagen."

In 50 Kilometern Höhe ist eine Bahn um den Mond nicht stabil. Das Raumschiff muss ständig seine Bahn korrigieren, sonst würde es abstürzen. War bei der Leitung des DLR viele Jahre lang der Mond ein fast verbotenes Wort, springt man nun sehr spät doch noch auf den Mondzug auf. Wissenschaft und Industrie müssen nun aus der Not eine Tugend machen und sich auf die eigenen Stärken besinnen:

"In Deutschland gibt es sehr viel Expertise auf dem Gebiet der Kartierung von Oberflächen aus dem Orbit, von Magnetfeldern und Schwerefeldern. Da ist Deutschland sehr führend und spitze. Die Idee ist halt aufgekommen, weil wir diese Instrumente schon immer auf Esa- und Nasa-Missionen geflogen haben. Lass uns doch mal all unser Wissen zusammennehmen, alle unsere Möglichkeiten zusammennehmen und ein eigenes Raumschiff bauen und zum Mond fliegen."

"Leo" soll mit einer Stereokamera den Mond komplett in 3D kartieren. Ein Radar wird die oberen paar Hundert Meter des staubigen Mondbodens durchleuchten. Um Schwere- und Magnetfeld präzise zu messen, kreist "Leo" im ersten der vier Missionsjahre im Formationsflug mit einer Tochtersonde um den Mond. Der Mond ist trotz der von den Apollo-Astronauten gesammelten Bodenproben noch immer erstaunlich wenig erforscht. Der genaue Aufbau des Mondes ist ebenso wenig bekannt wie seine Entstehung. Dass der Mond einst einem enormen kosmischen Bombardement ausgesetzt war, zeigen seine zahllosen Krater. Doch der Beschuss dauert bis heute an, wenn auch in viel geringerem Maße. Mit der Weitwinkelkamera "Sposh" soll die deutsche Mondsonde die Meteoriten auf frischer Tat ertappen, erklärt Jürgen Oberst, Geophysiker am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

"Beim Aufprall auf dem Mond entsteht hier ein kurzer Lichtblitz. Das hat man erstmalig vor einigen Jahren beobachtet mit Teleskopen von der Erde aus. Wir wollen halt mit dieser Kamera diese Lichtblitze aufzeichnen. Wir wollen mal ganz genau feststellen, wie viel das so sind pro Jahr, was da so runter kommt."

Das "Leo"-Team rechnet mit zu 100 Einschlägen am Tag, die in der Kamera zu sehen sind - die meisten dürften allerdings bestenfalls kieselgroße Teilchen sein. Aber selbst sie verursachen einen recht hellen Lichtblitz. Wenn in einigen Monaten die Pläne für die Mondsonde detailliert ausgearbeitet sind, muss die endgültige politische Entscheidung über das mindestens 300 Millionen Euro teure Projekt fallen. Philipp Reißaus und seine Kollegen von der Raumfahrtfirma Kayser-Threde in München denken bereits darüber nach, wie man den Mond nicht nur umkreisen, sondern auf ihm landen kann:

"Wir sehen das als Zwischenschritt an zwischen den ganzen Orbitermissionen, die jetzt international zum Mond erfolgen werden, und der, na ja, im Moment noch sehr weit, aber dennoch absichtsvoll erklärten geplanten Mars Sample Return Mission an, weil man praktisch dadurch wesentliche Technologien schon mitstudieren kann. Das heißt, so eine Mondlandemission wäre eine runde Sache."

Bevor man auf dem Mars landet und Proben zur Erde holt, könnte man auf dem Mond üben. Doch ob und wann eine deutsche oder europäische Mission auf dem Mond landet, steht - noch - in den Sternen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk