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StartseiteCampus & KarriereRichtig punkten bei den Vorgesetzten07.12.2020

Mitarbeitergespräche in Corona-Zeiten Richtig punkten bei den Vorgesetzten

Jahresgespräche auf der Arbeit können eine gute Gelegenheit sein, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Oftmals sei es kein böser Wille, wenn Führungskräfte Leistungen ihrer Mitarbeiter übersähen, erklärte die Psychologin Cornelia Tanzer im Dlf – „sondern es geht einfach unter im operativen Geschäft.“

Cornelia Tanzer im Gespräch mit Thekla Jahn

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Ein Mann spricht in einem Büro per Videochat mit einer Kollegin (gestellte Szene). (dpa Themendienst)
Idealfall – und mitunter ein schmaler Grat: Die eigene Position im Mitarbeitergespräch klar formulieren und dabei nicht übergriffig wirken. (dpa Themendienst)
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Um aus dem womöglich unangenehmen Mitarbeitergespräch mit positivem Feedback hervorzugehen – und vielleicht sogar mit einem Bonus – sei gute Vorbereitung das A und O, sagte Cornelia Tanzer. Auch die "besonderen Extrameilen", die womöglich im diesem Jahr gegangen worden sind, gelte es hervorzuheben.

Da viele der Gespräche Corona-bedingt über Videotelefonate geführt werden, sei nonverbale Sprache etwas schwieriger zu vermitteln als sonst, erklärte die Diplom-Psychologin.

"Und umso aktiver muss ich das natürlich tun in Form von expliziten Fragen oder in Form von vielleicht auch einer bewusst eingesetzten Mimik oder Gestik, damit ich trotz dieses etwas technischen Systems irgendwie auch spürbar werde und mich auch zeige als Person."

Eigene Position deutlich vertreten – aber mit Fingerspitzengefühl

Da Vorgesetzte einige Leistungen ihrer Mitarbeiter im operativen Geschäft zum Teil übersähen, ("ohne bösen Willen"), empfiehlt Tanzer, meinungsstark für die eigenen Interessen einzutreten – im Idealfall anhand der sogenannten gewaltfreien Kommunikation.

"Da geht es eben darum, die Meinung schon sehr deutlich auch zu transportieren, aber auf eine Art und Weise, dass es der andere auch nicht als übergriffig empfindet oder eben als vielleicht nicht angemessen aus der Mitarbeiterrolle heraus."

  (imago stock&people) (imago stock&people)Mitarbeitergespräche - Lästige Pflichtübung oder zielführendes Feedback?
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Das Interview in voller Länge

Thekla Jahn: Frau Tanzer, Jahresgespräche sind eine Chance, sie können aber auch das Gegenteil bewirken. Wie können sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf das Jahresgespräch richtig vorbereiten?

Cornelia Tanzer: Aus meiner Erfahrung ist das Thema Vorbereitung wirklich ganz essenziell und wichtig. Häufig ist ja das Ziel eines Jahresgesprächs, noch mal so das Jahr Revue passieren zu lassen, noch mal drauf zu schauen, was hat denn eigentlich stattgefunden, was gab es an Besonderheiten, an herausfordernden Projekten, wie hat auch die Zusammenarbeit funktioniert. Da gibt es natürlich auch die Möglichkeit für den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, da auch noch mal Schwerpunkte zu setzen und auch noch mal auf sich aufmerksam zu machen – auch auf die besonderen Extrameilen, die gegangen worden sind in diesem Jahr.

Nonverbale Signale: teilweise auch im Videocall möglich

Jahn: Dieses Jahr ist natürlich ein ganz besonders Jahr, Corona-Zeiten, da ist das Setting für dieses Jahresgespräch natürlich ein anderes – in den meisten Fällen wird es digital über Skype, Teams oder Zoom oder andere Tools geführt. Was ändert sich da für die Arbeitnehmer, worüber müssen sie sich im Klaren sein?

Tanzer: Das ist ehrlich gesagt auch häufig ein Thema in Coachings mit den Führungskräften, die da eine hohe Unsicherheit haben und die auch solche Fragen stellen wie, wie mache ich das denn jetzt mit der Beziehungsgestaltung in Zoom, weil das ist so im persönlichen Kontakt viel leichter, da habe ich irgendwie viel mehr auch nonverbale Signale. Gleichermaßen ist es aber natürlich auch was, was die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betrifft, dass da eine andere Distanz ist und auch weniger einfach über diesen nonverbalen Kanal an Botschaft oder an Beziehungsgestaltung auch transportiert wird. Und umso aktiver muss ich das natürlich tun in Form von expliziten Fragen oder in Form von vielleicht auch einer bewusst eingesetzten Mimik oder Gestik, damit ich trotz dieses etwas technischen Systems irgendwie auch spürbar werde und mich auch zeige als Person.

Jahn: Wenn Sie sagen, sich auch zeigen als Person, wie wichtig ist es, dass ich zum Beispiel meinungsstark bin? Oder ist es viel wichtiger, dass ich eher so ein bisschen Mainstream-mäßig unterwegs bin, also bequem für den Arbeitgeber?

Tanzer: Das ist ja fast eine Suggestivfrage.

Jahn: Na ja, es kann ja gut sein, dass ein Arbeitgeber nicht unbedingt mit einem Mitarbeiter, der zwar gut, aber meinungsstark ist, da hat er möglicherweise mehr Probleme als mit jemandem, der mit einem d’accord geht.

Tanzer: Ja, absolut. Ich glaube, da müssen wir noch mal unterscheiden: Was für ein Format hat dieses Jahresgespräch? Das kann ja sehr unterschiedlich sein. Es gibt ja durchaus Unternehmen, die so was jährlich durchführen wie Zielvereinbarungsgespräche, und dann hängt da auch ein Bonus tatsächlich dran, an dem Ergebnis dieses Gesprächs. Da empfehle ich jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin dann natürlich, für die eigenen Interessen einzutreten und auch deutlich zu machen, was wirklich an Leistung gebracht wurde in dem Jahr. Da ist es natürlich auch wichtig, meinungsstark zu sein und die eigene Position auch zu vertreten. Ich würde das aber auch, wenn es jetzt nicht nur um Geld geht, sondern wenn es um die eigenen Kompetenzen geht oder auch um das Thema Zusammenarbeit, ist es aus meiner Erfahrung ganz wichtig, die eigene Meinung zu formulieren und auch zu platzieren und eigene Erwartungen auch zu adressieren, aber das sicherlich auf die richtige Art und Weise. Was ich häufig in Coachings diskutiere mit den Coachees ist die sogenannte gewaltfreie Kommunikation zum Beispiel. Da geht es eben darum, die Meinung schon sehr deutlich auch zu transportieren, aber auf eine Art und Weise, dass es der andere auch nicht als übergriffig empfindet oder eben als vielleicht nicht angemessen aus der Mitarbeiterrolle heraus.

Jahn: Das ist natürlich eine Gratwanderung, und möglicherweise muss man diese gewaltfreie Kommunikation auch üben, damit es nicht falsch ankommt. Wie wichtig ist Selbstlob? Sie hatten angesprochen, die eigenen Leistungen muss man auch in den Mittelpunkt stellen. Selbstlob kann ja auch nicht gut ankommen.

Tanzer: Ja, das teile ich. Ich sag dann auch immer gerne den Spruch, Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr. Gerade diese Jahresgespräche sind natürlich der Ort, und da entspricht es auch der Rolle eines Mitarbeiters, und nicht drauf zu warten, dass das alles immer gesehen wird. Das ist auch gar nicht immer böser Wille der Führungskräfte, es nicht zu sehen, sondern es geht einfach auch unter im operativen Geschäft, gerade jetzt. Aber das ist ganz wichtig, um auch in der Karriere ein Stück nach vorne zu kommen. Bei uns heißt das Selbstvermarktung, also was kann ich tun, um mich da auch in Stellung zu bringen und auch auf mich aufmerksam zu machen.

Ideen und Vorschläge der Mitarbeitenden werden Unternehmen immer wichtiger 

Jahn: Man kann ja auch auf sich aufmerksam machen durch gute Vorschläge, durch kreative Ideen. Wie wichtig sind die und wo ist da die Grenze zur Einmischung, dass der Chef das Gefühl hat, na ja, die übernimmt da gerade meine Aufgabe?

Tanzer: Aus meiner Perspektive sind die sehr wichtig, und ich erlebe auch viele Unternehmen da jetzt in einer Art des Umdenkens, also dass die sehr viel drüber nachdenken, wie können wir eigentlich systematisches Ideenmanagement betreiben, und wie können wir eigentlich diese ganzen guten Ideen, die es einfach gibt auf Mitarbeiterebene – die sind ja dann an der Front, die sprechen mit den Kunden, die kennen die Prozesse gut, und die Vorstände und die Geschäftsführer sind ja da ganz oft weit weg –, also wie können wir das tatsächlich noch mehr nutzen. Das Thema Innovation ist ja ein ganz großes in diesen Tagen, um einfach auch marktfähig zu bleiben in Zukunft. Da erlebe ich durchaus eine Öffnung und auch, dass viele das sehr positiv sehen, wenn Ideen eingebracht werden.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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