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StartseiteThemaWorum es bei der Diskussion um die 50+1-Regel geht13.07.2021

Mitbestimmung im deutschen FußballWorum es bei der Diskussion um die 50+1-Regel geht

Die Deutsche Fußball Liga berät einmal mehr über die umstrittene Investorenregel 50+1. Nicht alle der 36 deutschen Profivereine sind für ihren Erhalt. Wem nützt die Regel? Wie ist die Position der Fans? Wie sieht es in anderen Fußballligen aus? Ein Überblick.

Choreografie in einem Stadion mit den übergroßen Zeichen 50+1 und einem Banner mit der Aufschrift "50+1 ist unantastbar!" (picture alliance / SvenSimon | Anke Waelischmiller/SVEN SIMON)
Fußballfans mit einer Choreografie für die 50 + 1 Regel (picture alliance / SvenSimon | Anke Waelischmiller/SVEN SIMON)
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Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit um die im deutschen Profifußball geltende 50+1-Regel. Sogar das Bundeskartellamt hat sich damit befasst und die Ausnahmeregelungen für einzelne Vereine für wettbewerbswidrig erklärt. Über das weitere Vorgehen beraten nun die 36 Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga. 

Was besagt die 50+1-Regel?

Die 50+1-Regel sorgt dafür, dass die Mehrheit der Anteile (also mindestens 51 Prozent) auch bei einer Ausgliederung der Profifußball-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft beim Mutterverein liegen muss. Nur dann kann eine Kapitalgesellschaft eine Lizenz für die Teilnahme an der Bundesliga oder 2. Bundesliga erwerben. So soll der vereinsprägende Charakter erhalten bleiben und der Einfluss von Investoren begrenzt werden.

Sie wurde 1998 im Zuge der Öffnung des Spielbetriebs der Lizenzligen für Kapitalgesellschaften eingeführt und ist heute Bestandteil der Satzung der Deutschen Fußball Liga. 

01.09.2018, Fussball 1. Bundesliga 2018/2019, 2. Spieltag, VfB Stuttgart - FC Bayern München, in der Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart. Stuttgarter Fans fordern: Unverhandelbar! 50+1 bleibt! *** 01 09 2018 Football 1 Bundesliga 2018 2019 2 Gameday VfB Stuttgart FC Bayern Munich in the Mercedes Benz Arena Stuttgart Stuttgart fans demand unbreakable 50 1 remains   (IMAGO / MIS) (IMAGO / MIS)50+1-Regel - "Die Letztbestimmung der Mitglieder ist ein hohes Gut"
Das Bundeskartellamt hat die Ausnahmen von der 50+1-Regel im deutschen Fußball für rechtswidrig erklärt. St. Pauli-Präsident Oke Göttlich und Ex-Leverkusen-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sind für eine Neuregelung der Ausnahmen.

Allerdings gibt es bisher Ausnahmen für Vereine, die von einem Investor in "erheblichen" Umfang ununterbrochen seit mehr als 20 Jahre unterstützt werden. In der Bundesliga gilt das für die Unternehmen Bayer in Leverkusen, VW in Wolfsburg und den Milliardär Dietmar Hopp als Eigentümer und Mäzen in Hoffenheim.

Wer will die Regel behalten, wer will sie abschaffen?

Die Mehrheit der Fußballvereine will die Regel behalten. Der 1. FC Köln etwa erklärte: "Die Abschaffung der 50+1-Regel ist keine Option. Zudem sollten die "Umgehungstatbestände der 50+1-Regel angegangen werden". Die Ausnahmen hatte das Bundeskartellamt für wettbewerbswidrig erklärt. Es hatte moniert, dass die einheitliche Anwendung und Durchsetzung der Regel durch geltende Ausnahmeregelungen nicht sichergestellt sei.

Fußball: Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim - Bayer Leverkusen, 28. Spieltag in der PreZero Arena. Hoffenheims Florian Grillitsch und Leverkusens Florian Wirtz (r) in Aktion. (picture alliance/dpa | Uwe Anspach) (picture alliance/dpa | Uwe Anspach)Bundeskartellamt zu 50+1-Regel: drohende Wettbewerbsverzerrung
Das Bundeskartellamt hat erstmals offizielle Bedenken dagegen geäußert, dass die drei Bundesliga-Vereine Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und die TSG 1899 Hoffenheim von der 50+1-Regel ausgenommen sind. 

Die von den Ausnahmeregelungen profitierenden Vereine VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und TSG Hoffenheim bestehen dagegen auf ihre bisherigen Rechte und behalten sich eine Klage vor. 

Auch der FC Bayern München erwägt eine Abschaffung von 50+1, um den Einstieg von Investoren zu ermöglichen. Die Vereine sollten demnach eigenverantwortlich entscheiden können, wie viele Anteile sie abgeben.

Auch Martin Kind, Präsident von Hannover 96, ist für die Abschaffung. Er versucht seit Jahren, bei Hannover das alleinige Stimmrecht zu bekommen.

Warum entfacht die Diskussion jetzt wieder neu?

Seit Jahren wird um die Regel gestritten. 2018 hatten sich die Vereine noch einmal auf den Erhalt der Regel geeinigt: 18 Vereine stimmten dafür, vier dagegen, der Rest enthielt sich.

Danach gab es eine von einigen Vereinen als tendenziös empfundene Befragung der Vereine, wie die Regel in Zunkunft gestaltet werden soll. Nicht alle Klubs beantworteten die Fragen. Die Ergebnisse wurden bisher nicht veröffentlicht.

Präsident Herbert Hainer vom FC Bayern München mit Uli Hoeneß auf der Tribüne der Münchner Arena (picture alliance / sampics Photographie / Stefan Matzke ) (picture alliance / sampics Photographie / Stefan Matzke )Lautes Schweigen in der Fußball-Bundesliga
Die DFL hat die Profivereine schon im vergangenen Jahr zu einer möglichen Umgestaltung der 50+1-Regel befragt, die Ergebnisse werden bislang unter Verschluss gehalten.

Die Corona-Pandemie und die mit ihre einhergehenden Finanzprobleme der Vereine und drohende Insolvenzen sowie das Gutachten des Bundeskartellamts befeuern die Diskussion um eine Abschaffung von 50+1 oder um Ausnahmeregelungen. Denn nun muss die DFL ihre Überlegungen darlegen, wie sie die Probleme lösen will. 

Was fordern die Fans?

Die Fans kämpfen mit aller Macht für einen Erhalt der 50+1-Regel - fast alle Fanszenen in Deutschland haben sich dazu zusammengeschlossen. Sie befürchten die totale Kommerzialisierung, den Verlust ihrer Mitbestimmungsrechte und Wettbewerbsverzerrung. Die Klubs sollen nicht Spielball von Investoren, meist Einzelpersonen, werden. 

Wie sieht es in anderen Fußballligen aus?

In Europas großen Ligen besitzen Oligarchen, Milliardäre oder ganze Staaten viele der großen Fußball-Vereine - darunter der Russe Roman Abramovich (FC Chelsea), Scheich Monsour bin Zayed al Nahyan aus Abu Dhabi (Manchester City), der US-Amerikaner Paul Singer (AC Mailand) oder Qatar Sports Investments und sein Präsident Nasser Al Khelaifi (Paris St. Germain).

In Manchester protestierten Fans gegen die Super-League-Pläne. (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Englands Fans und Politik streben nach mehr Mitbestimmung im Fußball
Seit dem Super-League-Desaster hat in Englands Premier League die Diskussion um die Einführung einer 50+1-Regel nach deutschem Vorbild begonnen. Die Fans fordern mehr Mitbestimmung.

Die wohl kommenziellste Liga der Welt ist die Premier League - hier dominieren die Investoren. Proteste dagegen hatte es lange nur wenig gegeben, doch nun fordern die Fans vermehrt Mitspracherecht und die Politik diskutiert über neue Regeln für Investoren und Vereine im englischen Profi-Fußball.

Allerdings ist der Weg bereits gegangen. Das Zurückkaufen der Anteile durch die Vereine selbst oder durch Fanbündnisse - wie zum Beispiel bei Newcastle United - dürfte ein schwieriges Unterfangen werden und aus finanzieller Sicht kaum zu stemmen sein. 

Quellen: Thorsten Poppe, DFL, dpa, og

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