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StartseiteComputer und KommunikationMitmach-Suche im ersten Gang12.01.2008

Mitmach-Suche im ersten Gang

Wikipedia-Gründer Wales startet mit neuer Suchmaschine

<strong>Platzhirsch Google bekommt neue Konkurrenz: Jimmy Wales, der Gründer der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, stellte jetzt die offene Suchmaschine Wikia-Search vor. Dabei setzt das unabhängige Projekt auf Technologien, die schon Google zum Erfolg verhalfen. Doch der Start lief eher verhalten.</strong>

Von Achim Killer

Jimmy Wales setzt mit dem Neuling unter den Suchmaschinen auf die Mitarbeit der Nutzer. (Wikimedia)
Jimmy Wales setzt mit dem Neuling unter den Suchmaschinen auf die Mitarbeit der Nutzer. (Wikimedia)
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Seit Montag dieser Woche also ist sie endlich online: Wikia-Search, die Site, die die Internet-Suche revolutionieren soll. Wer vorbeisurft, dürfte allerdings enttäuscht sein. Wikia liefert nur wenige Suchergebnisse, die sich zudem kaum von jenen unterscheiden, die man von anderen Sites bekommt. Auf die Frage, was denn bei Wikia Aufsehenerregendes zu sehen ist, räumt Jimmy Wales denn auch ein:

"Zurzeit wenig. Wir beginnen ja erst damit, die Suchmaschine zu bauen. Der Index, den wir freigeschaltet haben, dient nur Demonstrationszwecken. Jetzt arbeiten wir an den notwendige Software-Werkzeugen, um es der Anwender-Gemeinde zu ermöglichen, mitzumachen und Einfluss auf die Suchergebnisse zu nehmen."

Mit Hilfe dieser Software-Werkzeuge sollen die Surfer einmal die Suchergebnisse bewerten, interessante Seiten im Ranking nach vorne heben und Spam aussortieren. Suchmaschinenoptimierer, Dienstleister, die die Web-Seiten von Kunden mit kommerziellen Interessen so aufbereiten, dass sie in der Ergebnisanzeige ganz vorne stehen, hätten dann keine Chance mehr. Denn Suchmaschinen-Software lässt sich relativ leicht austricksen, Menschen nicht. Und nicht nur die Reihenfolge der Suchergebnisse sollen die Surfer festlegen. Sie sollen auch Rechenzeit ihrer PCs zu Verfügung stellen, um Seiten zu indexieren. Allerdings ist auch diese Funktion noch nicht freigeschaltet.

"Das ist ein sehr großes Projekt mit vielen verschiedenen Teilbereichen. Zurzeit durchsuchen wir das Web mit dem Crawler Nutch von unseren eigenen Servern aus. Aber wir haben auch den verteilten Crawler Grub gekauft, den die Leute bei uns herunterladen können, um uns dabei zu helfen. Wenn man unsere Site lediglich für die Suche nutzen will, dann wird man das sicherlich nicht tun. Aber wer es möchte, der kann uns später auch dabei unterstützen, indem er dieses quelloffenen Programm benutzt."

Das alles hört sich doch sehr nach Wikipedia an, der Enzyklopädie, die von einer großen idealistischen Internet-Gemeinde getragen wird. Wikia allerdings ist ein kommerzielles Projekt. Wales will damit Werbe-Dollars verdienen. Er ist dennoch davon überzeugt davon, dass das, was Wikipedia groß gemacht hat, auch seiner Suchmaschine zugute kommen wird. Denn das zentrale Motiv der Surfer sei nicht Altruismus, sondern Spaß:

"Die Herausforderung für uns besteht darin, eine Plattform zu bauen, die die Leute nützlich finden, weil es Spaß macht, mitzutun, weil es hilfreich ist, seine eigenen Bookmarks zu speichern oder Web-Sites zu bewerten. Das alles muss da sein, oder die Sache ist nicht interessant. Der Erfolg von Wikipedia beruht darauf, dass es den Nutzern Freude bereitet, mitzumachen, auch wenn das nicht die Mehrheit ist. Aber das ist entscheidend für ein Projekt im Web."

Mit dem ersten Interesse der Surfer an seiner Suchmaschine jedenfalls ist Jimmy Wales äußerst zufrieden.

"In den ersten 24 Stunden haben sich 13.000 Leute registriert, um bei dem Projekt mitzumachen, um Teil dieses Netzwerks zu werden. Und dann hatten wir noch über eine Million Suchanfragen. Also wir sind sehr zufrieden. So weit, so gut."

Allerdings räumt er ein, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern werde, bis Wikia-Search einigermaßen erfüllen könne, was man heutzutage von einer ordentlichen Suchmaschine erwartet. Und auch was seine in Zahlen gefassten Geschäftsziele anbelangt, ist er sehr zurückhaltend.

"Wir wäre begeistert, wenn wir fünf Prozent vom Suchmarkt bekommen könnten. Aber wir haben keine Ahnung, wie viel es wird. Wir haben diese Zahl auch nur genannt, weil man uns dauernd danach gefragt hat. Wir werden tun, was wir können. Und dann werden die Leute die Site hoffentlich nutzen."

Wikia-Search ist also kein Herausforderer von Yahoo und erst recht keiner von Google, dem Unternehmen, das den wahrscheinlich größten Rechnerpark der Welt unterhält und etliche Milliarden Seiten indexiert hat. Diese Konzerne spielen in einer ganz anderen Liga. Sehr wohl aber könnte Jimmy Wales Suchmaschine eine Nische besetzen und Surfer bedienen, die nicht ins Web gehen, um etwas zu kaufen, sondern um etwas zu erfahren. Aber auch bis dahin muss die Internet-Gemeinde, die da gerade im Entstehen ist, noch sehr viel Aufbauarbeit leisten.

Wikia

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