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StartseiteKommentare und Themen der WocheDa geht noch was in Sachen Homeoffice05.10.2020

Mobile-Arbeit-GesetzDa geht noch was in Sachen Homeoffice

Homeoffice spart Zeit, Wege, Stress, und die Leute wollen es, kommentiert Carolin Born den Vorschlag von Hubertus Heil (SPD), einen Anspruch aufs Arbeiten von zu Hause aus zu schaffen. Allerdings ist es nur ein vorsichtiger Entwurf. Weitere Erleichterungen für Arbeitnehmer müssen folgen.

Von Carolin Born

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Eine Frau sitzt zu Hause an einem Tisch und arbeiten an ihrem Laptop  (imago images / Julien Marsault)
Gut zwei Drittel derer, die während der Coronakrise von zu Hause gearbeitet haben, wollen das auch in Zukunft einige Tage pro Woche tun (imago images / Julien Marsault)
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Ja, es muss. Aber nicht nur deshalb, weil es im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, mobile Arbeit zu fördern und zu erleichtern. Sondern vor allem, weil die Zahlen für sich sprechen: Gut zwei Drittel derer, die während der Coronakrise von zu Hause gearbeitet haben, wollen das auch in Zukunft einige Tage pro Woche tun.

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Ein Gesetz böte Arbeitnehmern eine Handhabe

Denn Corona hat gezeigt, dass beim mobilen Arbeiten viel mehr geht, als so manche Chefin oder mancher Chef vorher gedacht hätte. Mit dem Gesetz wäre ein Nein aus Prinzip nicht mehr möglich. Es bietet stattdessen den Arbeitnehmerinnen und -nehmern eine Handhabe, wenn ihre Vorgesetzten sich partout gegen die Heimarbeit weigern.

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Gleichzeitig ist es keine Verpflichtung der Arbeitgeber- und Arbeitgeberinnen, das Arbeiten von zu Hause aus zu erlauben. Der Titel "Recht auf Homeoffice" ist etwas irreführend: Heils Vorhaben ermöglicht den Beschäftigten lediglich, mit dem Arbeitgeber darüber zu verhandeln. Dieser kann das Gesuch auf mobile Arbeit weiterhin ablehnen – sofern organisatorische oder betriebliche Gründe dagegensprechen.

Für das Arbeiten von zu Hause spricht: Es spart Zeit, und es erspart Stress, beispielsweise auf dem Arbeitsweg. So wirbt auch Arbeitsminister Heil für sein Gesetzesvorhaben. Hinzu kommt – das haben Studien gezeigt: Viele arbeiten zuhause deutlich effizienter als im Büro. Die Befürchtung, dass die Angestellten das Homeoffice lediglich für ein verlängertes Wochenende oder zum Wohnungsputzen nutzen, hat sich nicht bestätigt.

Entwurf wird noch für Debatten sorgen

Gleichzeitig muss aber auch gesagt werden: Heil hat nur einen vorsichtigen Entwurf vorgelegt. Mehr hätte vor allem sein Kollege im Wirtschaftsministerium Peter Altmaier nicht akzeptiert. Und es sind noch viele Fragen offen, die die Bundesregierung im Zusammenhang damit angehen muss.

Erstens: Wie lässt es sich vermeiden, dass das Homeoffice nicht zu einer Doppelbelastung führt, also, dass neben der Arbeit noch die Kinder betreut werden? Denn Homeoffice und Homeschooling gehen nicht zusammen – auch wenn es in der Praxis leider oft anders aussieht. Hier braucht es mehr Betreuungsmöglichkeiten in Kitas und Grundschulen.

Zweitens: Wie wird garantiert, dass Beschäftigte auch zu Hause angemessen ausgestattet sind – und nicht mit einem alten Privatlaptop auf einem unbequemen Stuhl sitzen? Das Homeoffice darf keine bloße Hintertür für Unternehmen sein, sich Bürokosten zu sparen. Und schließlich: Es braucht eine steuerliche Anpassung beim Absetzen von Arbeitszimmern. Das muss auch für Menschen möglich sein, die in der Küche arbeiten – statt wie bisher nur im Arbeitszimmer.

Heils Gesetzentwurf wird wohl noch für viele Debatte in der Großen Koalition sorgen, aber es ist richtig und wichtig, dass er ihn nun vorgelegt hat.

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