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StartseiteForschung aktuellRobo-Taxis als Klimaschützer07.07.2015

Mobilitätskonzept für die ZukunftRobo-Taxis als Klimaschützer

In einer Studie im Fachmagazin "Nature Climate Change" haben US-Forscher untersucht, ob der Einsatz von autonom fahrenden Roboter-Taxis die Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs reduzieren könnte. Überrascht hat sie vor allem die Eindeutigkeit ihrer Modellrechnungen.

Von Lucian Haas

Unzählige Autos fahren bei Nacht auf einer Autobahn und erzeugen rote und gelbe Lichtspuren.  (imago/McPHOTO)
Niemand weiß, wie viele Menschen in Zukunft tatsächlich bereit sein werden, sich von Maschinen ohne Fahrer kutschieren zu lassen. (imago/McPHOTO)
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Selbstfahrende Autos Mehr als eine neue Technologie

Wie kann man die Technik der Moderne klimafreundlicher gestalten? Als Forscher am Lawrence Berkeley National Laboratory widmet sich Jeffery Greenblatt seit Jahren immer wieder dieser Frage. In seiner neuesten Studie hat er einmal durchgerechnet, inwieweit der Einsatz autonom fahrender Ruftaxiflotten anstelle von privaten Pkw in Zukunft die Treibhausgasemissionen des Verkehrs senken könnte. Dabei ging er in seinem Rechenmodell von elektrisch angetriebenen Roboterfahrzeugen aus, die mit Ökostrom geladen werden.

"Wir waren wirklich überrascht, als wir im Ergebnis der Modellrechnungen auf 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zu heutigen Autos kamen. Die größten Einsparungen entstehen durch den Umstieg von Benzin oder Diesel auf Strom. Elektroantriebe sind viel effizienter. Zudem kann der Strom viel klimafreundlicher sein als Benzin."

Große Einsparungen von bis zu 50 Prozent ergeben sich aber auch durch ein geändertes Mobilitätskonzept. Wenn die Menschen nicht mehr eigene Pkw besäßen, sondern sich nur bei Transportbedarf ein Robo-Taxi riefen, ließen sich die Fahrzeuge viel besser an den tatsächlichen Bedarf anpassen.

"Der Großteil der Fahrten in den USA geschieht mit nur einer oder zwei Personen. Dafür bräuchte man nur sehr kleine Autos. Wir stellen uns einen maßgeschneiderten Service vor. Man bestellt einfach nur die Wagengröße, die man gerade braucht. Der Vorteil davon ist, dass die benötigten Autos in der Regel nicht nur kleiner sind und deshalb weniger Energie verbrauchen. Sie sind auch günstiger, und zwar sowohl für das Unternehmen, das die Taxis betreibt, als auch für die Kunden, die dafür zahlen."

Die Angst der Menschen vor fahrerlosen Autos

Elektrische Robo-Taxis haben keinen Fahrer, der bezahlt werden muss. Dafür könnten sie rund um die Uhr im Einsatz sein – bis auf die kurzen Pausen, um die Batterien aufzuladen. Selbst teure Elektrofahrzeuge, deren Anschaffung ein Vielfaches von dem heutiger Alltags-Pkw kostet, würden sich laut Jeffery Greenblatts Rechnung dann auch wirtschaftlich lohnen.

"Wenn man damit drei bis sechs Mal mehr fährt pro Jahr als mit einem herkömmlichen Auto, kehrt sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung um. Bei üblichen Autos zahlt man für die Anschaffung am meisten, der Betrieb macht dann nur einen kleineren Teil der Kosten aus. Wenn man aber mehr als 100.000 Kilometer pro Jahr fährt, dann dominieren die Betriebskosten. Das macht die effizienteren elektrischen Fahrzeuge viel attraktiver."

Die schönen Modellrechnungen der Studie beruhen auf vielen Annahmen. Die größte Unsicherheit fußt allerdings auf etwas Unberechenbarem: dem Menschen. Niemand weiß, wie viele in Zukunft tatsächlich bereit sein werden, sich von Maschinen ohne Fahrer kutschieren zu lassen. Werden sie kleine Taxis akzeptieren oder doch lieber größere Wagen bestellen – als Statussymbol. Und wenn Robo-Taxifahren so bequem ist – man braucht ja nicht einmal einen Führerschein – werden dann nicht viel mehr Menschen Auto fahren, was den Energieverbrauch wieder erhöhen würde? Jeffery Greenblatt weiß auf diese Fragen noch keine Antwort. Von einem ist er aber überzeugt: Autonome Elektrotaxis stellen ein attraktives Mobilitätskonzept für die Zukunft dar.

"Über die Verhaltensweisen der Menschen können wir nur spekulieren. Wenn man sich aber den Reiz dieser Technologie anschaut, würde ich ein großes Interesse erwarten. Verschiedene Autohersteller oder auch Google haben ja bereits angekündigt, Fahrzeuge mit zumindest einigen autonomen Eigenschaften zwischen 2017 und 2020 auf den Markt bringen zu wollen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass solche autonome Autos bis 2030 schon weit verbreitet sein werden."

Wenn es dann nach den Ergebnissen der Studie ginge und zudem die Menschen bei ihrer Mobilität auf Vernunft setzen, könnten autonome Elektrotaxis tatsächlich die Umwelt entlasten.

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