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StartseiteKultur heuteFotohistoriker: "Er hat die weite Welt nach Deutschland geholt"25.07.2021

Mode-Fotograf F. C. Gundlach gestorbenFotohistoriker: "Er hat die weite Welt nach Deutschland geholt"

"Er war ein großer Inszenierer und in seinen Bildern ist die Grenze zwischen Fotografie und Film immer berührt", sagt Steffen Siegel, Professor für Fotokunst an der Essener Folkwang Universität, im Dlf. Der Sammler und Fotograf F. C. Gundlach ist im Alter von 95 Jahren in Hamburg gestorben.

Steffen Siegel im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

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Der Fotograf F.C. Gundlach in seiner Hamburger Wohnung am 1. Juli 2016 (dpa / Axel Heimken)
Der Fotograf F. C. Gundlach 2016 in seiner Hamburger Wohnung (dpa / Axel Heimken)

Zu seinen Schauplätzen zählten die Berliner Siegessäule oder die ägyptischen Pyramiden von Gizeh. "Er war jemand, der in seine Fotografien, in Serien oft, eigentlich schon die Welt immer mit eingefangen hat und die Reportagefotografie, so ganz nebenbei, immer mit hineingeholt hat", sagt Fotoexperte Steffen Siegel.

Fotogeschichte geprägt

Franz Christian Gundlach wurde 1926 im hessischen Heinebach geboren und galt als einer der bedeutendsten Modefotografen der deutschen Nachkriegszeit. Gundlach arbeitete nach seiner Ausbildung bis 1952 als Assistent, ließ sich dann als freischaffender Fotograf nieder. Er hat weit über ein halbes Jahrhundert Fotogeschichte erlebt und geschrieben. Nicht nur Mannequins und Models traten vor seine Kamera, sondern auch zahlreiche Filmstars wie Cary Grant, Romy Schneider oder Zarah Leander. "Ich denke, was Gundlachs Karriere wirklich so besonders macht, ist, dass, durch sein sehr hohes Alter, das er erreichen durfte, er sehr viele Phasen der jüngeren Fotogeschichte, nicht nur durchlaufen hat, sondern wirklich mitgeprägt hat."

Welt im Bild

Eines der besonderen Dinge, die man mit ihm in Verbindung bringen müsse, so Siegel, sei "die Tatsache, dass er nach dem Krieg nicht einfach ein Atelierfotograf war, der an einem bestimmten Ort - relativ bald dann in Hamburg - gearbeitet hat, sondern der die weite Welt nach Deutschland geholt hat in seinen Fotografien", sagt Siegel. Gundlach arbeitete für die damals auflagenstraken Zeitschriften "stern" oder "Brigitte". Nahbarkeit und Stilisierung zählen zu seinen fotografischen Ausdrucksmitteln, meint Fotohistoriker Siegel.

Der Sammler und Ausstellungsmacher

Ende der 1960er Jahre wechselte Gundlach die Seiten und gründete in Hamburg das Dienstleistungsunternehmen "Professional Photo Service". Später kam seine "PPS-Galerie F.C. Gundlach" dazu, die erste reine Fotogalerie in Deutschland. Anfang der 1990er Jahre verkaufte Gundlach seine Firma. Er wurde zum leidenschaftlichen Sammler und Ausstellungsmacher. "Wenn wir auf das große Lebenswerk von F.C. Gundlach zurückschauen, dann müssen wir unbedingt sehr dankbar sein für die sehr vielen und nachhaltigen Initiativen, die er ins Leben gerufen hat," betont Steffen Siegel. Das mündete unter anderem in ein Haus der Fotografie, die Hamburger Deichtorhallen. Im Jahr 2000 übertrug Gundlach seine umfangreiche Sammlung in eine Stiftung. Sie hat als Dauerleihgabe in den Hamburger Deichtorhallen ihre Heimat  gefunden.

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