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StartseiteCorsoSo gut wie ein Roman30.01.2019

Moderne TV-SerienSo gut wie ein Roman

Aktuelle Serien haben mit klassischer Literatur viel gemeinsam. Mittlerweile profitierten aber auch Buchautoren von filmischen Stoffen, sagte Medienforscher Vincent Fröhlich im DLF, der die Wechselwirkung untersuchte. Selbst Bestsellerautoren wie Jonathan Franzen inspiriert das Dauerglotzen.

Vincent Fröhlich im Corsogespräch mit Juliane Reil

Zwei unmoralische Helden: Walter White (Bryan Cranston) and Jesse Pinkman (Aaron Paul) aus der Serie "Breaking Bad" (imago stock&people)
In "Breaking Bad" werden mehrere Handlungsstränge von Walter White and Jesse Pinkman gleichzeitig erzählt - wie in einem Roman. (imago stock&people)
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"Breaking Bad", "Mad Men" oder "Bloodline": Neue Serien sind oft klug, komplex und schön wie große Literatur. Nicht selten werden sie deshalb mit dem Roman des 21. Jahrhunderts verglichen. Früher galt Serienglotzen als Verblödung, heute ist die Serie als "kunstvoll" nobilitiert.

Zum Beispiel "Breaking Bad": In der Serie wird der Werdegang der Hauptfigur Walter White episodenübergreifend mit mehreren parallelen Erzählsträngen entwickelt. In dieser Breite ist die Serie viel näher an der Literatur als am Film: "Breaking Bad" ließe sich mit einem Fortstzungsroman vergleichen, sagte der Medienwissenschaftler Vincent Fröhlich, der zur Beziehung von Fernsehserien und Literatur forscht. "Denn das, was 'Breaking Bad' darstellt, ist auch eine Veränderung, die Zeit braucht." Dafür böten sich Serie an, fügte Fröhlich hinzu.

Wir haben noch länger mit Vincent Fröhlich gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Serien sind zwischenzeitlich aus dem Programmschema der Fernsehstationen verschwunden, weg vom Quotendiktat. Die Veränderung in der Produktion, Distribution und Rezeption sei eine Grundlage für die Veränderung der Serie gewesen, meint Fröhlich. Der Bezahl-Sender HBO habe zum Beispiel als erster Sender angefangen, komplexere, längere Narrative zu gestalten. "Das konnte er, weil er nicht so von den Einschaltquoten abhängig ist, sondern mehr davon, dass die Leute das Programm als wertvoll erachten."

Viele Wechselbeziehungen

Es gäbe auch viele Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Serie, sagte Fröhlich im Dlf. Wer "Game of Thrones" schaue, wolle oftmals dann auch die Romane zur Serie lesen. Die Verfilmung von Stoffen könne manchmal auch Inspiration für Schriftsteller sein, erklärte Fröhlich, etwa im Fall von Elmore Leonard. Die Serie "Justified" beruht auf seinen Büchern. Leonard habe seine Geschichte umgeschrieben, weil die Darstellung der Figuren in der Serie ihm so gut gefallen hätte.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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