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StartseiteMikrokosmos - Die KulturreportageAuch Nonnen essen Schokolade19.04.2019

Modernes KlosterlebenAuch Nonnen essen Schokolade

Sechs Gottesdienste am Tag und jede Menge Arbeit. Im Kloster Helfta leben elf Nonnen des Zisterzienserordens. Ora et labora - Arbeit und Gebet sind nach wie vor Taktgeber des klösterlichen Lebens. Wer entscheidet sich heute noch für einen so entbehrungsreichen Lebensweg?

Von Maria Antonia Schmidt

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Schwester Gertrud beim Gemüseschneiden in der Küche des Klosters Helfta (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)
Schwester Gertrud in der Klosterküche (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)
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Der Klosteralltag ist streng geregelt: Die Vigil, das frühmorgendliche Stundengebet, beginnt um 5.30 Uhr. Gefolgt von der Laudes, dem Lobgesang um 6 Uhr. Um halb acht beginnt die Messe, danach gibt es Frühstück. Gegessen wird im Schweigen. Im Anschluss beginnt die Arbeit.

Die Nonnen von Helfta

Die elf Nonnen von Helfta haben alle unterschiedliche Aufgaben. Schwester Pauline ist für die administrativen Dinge zuständig. Sie beantwortet das Telefon, schreibt E-Mails, kümmert sich um Rechnungen und Buchungen. Mit 33 Jahren gehört sie zu den jüngsten Nonnen Deutschlands. Immerhin sind inzwischen 84 Prozent der Nonnen hierzulande über 65 Jahre alt.

Schwester Pauline bei der Arbeit im Büro (Deutschlandradio/ Maria Antonia Schmidt)Schwester Pauline bei der Arbeit im Büro (Deutschlandradio/ Maria Antonia Schmidt)

Eigentlich wollte Schwester Pauline immer eine Familie mit vielen Kindern. Sie wollte Astronautin werden und studierte auch zunächst Physik "Dann, während des Studiums, ist die Sinnfrage aufgebrochen", erzählt sie. Die Antwort fand sie im Kloster.

Kein Nachwuchsproblem

Im Gegensatz zu anderen Klöstern macht man sich in Helfta nicht viele Sorgen um den Nachwuchs. Auch Schwester Sandra ist noch im Noviziat. Diese Probezeit kann bis zu neun Jahren dauern. Erst danach dürfen die Nonnen ihren weißen Schleier gegen einen schwarzen eintauschen.

Schwester Sandra war in ihrem früheren Leben Anästhesieärztin. In Helfta hat sie ihre Leidenschaft zum Handwerk entdeckt und sich eine kleine Holzwerkstatt eingerichtet. Auch wenn sie einräumt, dass man sich nie ganz sicher sein könne, ob die Entscheidung fürs Kloster die richtige war, sagt sie doch, das Helfta nun ihr Zuhause sei und der Ort, an dem sie begraben werde.

Das Kloster als Bauernhof

Das Kloster St. Marien zu Helfta liegt direkt an der Hauptstraße mitten in der Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt. Im 13. Jahrhundert trug es den Beinamen "Krone der deutschen Frauenklöster". Drei wichtige Mystikerinnen hatten hier ihre Wirkungsstätte: Gertrud von Helfta, Mechthild von Hackeborn und Mechthild von Magdeburg.

Unter ihnen entwickelte sich das Kloster zu einem Zentrum theologischer und humanwissenschaftlicher Studien. Dann allerdings stand es 450 Jahre lang leer. In der DDR wurde die Klosteranlage zur Massentierhaltung und Landwirtschaft genutzt und erst 1999 wieder zum Ort des Glaubens. "Es hat so gestunken auf dem Gelände!", erinnert sich Schwester Klara Maria. "Wie wenn das ganze Gebäude, die Betten, der Boden, alles, so nach altem Urin riechen." Obwohl sie skeptisch war, ist sie in Helfta geblieben und hat geholfen, das Zisterzienserinnenkloster wieder aufzubauen.

Offen für alle

Heute steht das Kloster auch Besuchern, sowohl weiblichen als auch männlichen, offen. Es werden Kurse angeboten zu den Themen "Achtsamkeit und Meditation" oder "Christliche Spiritualität und Qi Gong". Die Teilnehmenden kommen im Gästehaus auf dem Gelände unter. Im Klosterladen, wo Schwester Maria Gratia arbeitet, können sie sich ein Andenken an ihre Zeit im Kloster kaufen.

Sieben der insgesamt elf Nonnen von Helfta (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)Sieben der insgesamt elf Nonnen von Helfta (Deutschlandradio / Maria Antonia Schmidt)

Der Verkaufsschlager ist der Klosterlikör, verrät die Nonne, die Anfang der 1990er-Jahre aus Rumänien nach Deutschland kam und ebenfalls am Wiederaufbau des Klosters beteiligt war. Wie alle Schwestern hat auch sie beim Eintritt ins Kloster einen neuen Namen erhalten. "Ich habe mich ziemlich schnell an den neuen Namen gewöhnt, aber ich bleibe für meine Familie natürlich Felicitas", verrät sie lächelnd.

Kirche außerhalb des Klosters

Um gläubig zu leben, muss man natürlich nicht gleich ins Kloster eintreten. Gerade für junge Menschen ist es oft wichtig, ihr weltliches Leben mit Social Media und Popkultur nicht aufgeben zu müssen. Das weiß auch die katholische Kirche. Paul Metzlaff war bis vor kurzem Referent bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz und als solcher für die "Glaubensbildung" zuständig.

Er meint, dass insbesondere die Internationalen Weltjugendtage der katholischen Kirche attraktive Angebote für Jugendliche sind, um zusammenzukommen, andere Kulturen kennenzulernen und ihren Glauben gemeinsam zu leben. Auch digital will die Kirche Jugendliche erreichen. Zum Beispiel über eine App, die sowohl bei der Talente- und Berufsfindung helfen soll, als auch mit einem Programm, das an Fitness-Apps erinnert und Jugendliche zum Gebet animieren soll.

Auch sieht er die Kirche nicht in Konkurrenz mit anderen Angeboten zur Selbstfindung. Denn im Gegensatz zu Yogakursen und Schamanenzeremonien sei der christliche Glaube umsonst zu haben.

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