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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWirtschaftsgeschichte wiederholt sich18.03.2019

Mögliche Fusion der GroßbankenWirtschaftsgeschichte wiederholt sich

Die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank haben durchaus historische Vorläufer. Ein Blick in die letzten Jahrzehnte Bankgeschichte zeigt: Diese hängen eng zusammen mit den aktuellen Entwicklungen. Wie genau, erklärte Dlf-Wirtschaftsredakteur Klemens Kindermann.

Klemens Kindermann im Gespräch mit Ursula Mense

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Die Zentralen von Deutscher Bank (l) und Commerzbank sind durch ein Teleobjektiv zusammengezogen.  (Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk )
Eine "Fusion unter Gleichen"? Es wäre nicht das erste mal, dass solche Pläne in der Bankenbranche geschmiedet werden. (Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk )
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Deutsche Bank und Commerzbank Die riskante Großfusion

Ursula Mense: Die Deutsche Bank und die Commerzbank nehmen offiziell Fusionsgespräch auf. Wir wollen diese Pläne - unabhängig davon wie aussichtsreich sie zum jetzigen Zeitpunkt sind - zum Anlass nehmen und ein wenig zurückblicken in die Historie der Deutschen Bank und auch der versuchten Fusionen. Denn davon hat es jede Menge gegeben. Und so manche blieb erfolglos. Aber eine Bankenhochzeit solchen Kalibers? Klemens Kindermann, der Leiter unserer Wirtschaftsredaktion, ist ins Studio gekommen, den ich danach jetzt gern fragen möchte: Hat es so einen Fusionsplan schon einmal gegeben unter deutschen Banken?

Klemens Kindermann: Oh ja, hat es. Und zwar fast in einer von der Ausgangslage vergleichbaren Konstellation: Zwischen der Deutschen Bank und der damaligen Dresdner Bank sollte es eine sogenannte "Fusion unter Gleichen" geben. Das war im Jahr 2000, also noch lange vor der Finanzkrise. Eine fusionierte Bank hätte mehr als 120.000 Mitarbeiter gehabt, davon sollten 16.000 wegfallen. Schon damals also war dieser - von Unternehmensberatern gerne als Synergieeffekt bezeichnete - Arbeitsplatzabbau ein Grund für die Fusion, mit der man hätte Kosten sparen können. Aber: damals stemmten sich innerhalb der Deutschen Bank die einflussreichen Investmentbanker gegen die Fusion, weil sie sich nicht mit denen von der Dresdner Bank zusammentun wollten - Unternehmenskulturen sind oft das Haupthindernis bei Fusionen.

Was geschah? Schon ein paar Wochen nach der Ankündigung wurde die ganze Sache wieder abgesagt. Der damalige Chef der Dresdner, Bernhard Walter, musste gehen - mit Blick auf die Fusionsgespräche heute kann man sagen: So eine versuchte Fusion ist für Vorstandschefs kein ungefährliches Terrain - der Chef der Deutschen Bank blieb noch, das war damals Rolf Breuer, den kennen Sie noch von dem legendären TV-Interview mit einer kritischen Äußerung zur Kirch-Gruppe, das die Deutsche Bank Millionen kostete. Wahrscheinlich das teuerste Fernseh-Interview der Wirtschaftsgeschichte.

An der Spitze dieser Investment-Protestler damals übrigens ein gewisser Josef Ackermann.

Schlüsselfigur Josef Ackermann

Mense: Sie nennen den Namen Josef Ackermann - der wurde ja dann selbst Chef der Deutschen Bank und steht wie kaum ein Manager für die jüngere Geschichte der Deutschen Bank.

Kindermann: Josef Ackermann war zehn Jahre lang die prägende Gestalt der Deutschen Bank - von 2002 bis 2012, erst als Vorstandssprecher, dann als alleiniger Vorstandschef. Das ist die Zeit der großen Finanzkrise 2008, der Lehman-Pleite. Ackermann ist der Manager, der aus der Deutschen Bank ein Geldhaus von internationalem Rang machen wollte - also genau das, was jetzt Bundesfinanzminister Scholz offenbar mit dem fusionierten Institut von Deutscher Bank und Commerzbank vorhat. Ackermann hat das Investmentbanking vorangetrieben, also den Wertpapierhandel, den Handel mit Anleihen, die Vermögensverwaltung und die Bankdienstleistungen für Börsengänge. Aber er hat den Investmentbankern praktisch freie Bahn gelassen, die haben alles Mögliche - auch in Grauzonen - getan, was dann zu Milliardenstrafen und Belastungen für die Deutsche Bank führte. Daran leiden der Kurs der Aktie, der Börsenwert und die Bilanzen der Deutschen Bank bis heute - weshalb man sich nicht wirklich vorstellen kann, wie diese Altlasten durch eine Fusion mit der Commerzbank besser werden sollen.

Commerzbank schluckt Dresdner - seither spielt der Staat mit

Mense: Die Dresdner Bank gibt es heute nicht mehr: sie ist aufgegangen in der Commerzbank. Das war aber keine Fusion?

Kindermann: Nein, das war eine lupenreine Übernahme. Die Dresdner wurde von der Commerzbank geschluckt, das war mitten in der Finanzkrise 2008/2009. Eine höchst heikle Angelegenheit. Da musste der Staat einspringen und der Commerzbank mit Milliardenspritzen und Garantien helfen. Das ist der Grund, warum der Bundesfinanzminister heute bei der aktuellen Fusion so eine wichtige Rolle spielen kann: weil er seit der Aktion damals heute immer noch eine Beteiligung in Höhe von 15 Prozent an der Commerzbank hält.

"Zusammengehen von Banken immer äußerst schwierig"

Mense: Wird die aktuelle Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank gelingen? Wie ist ihre Einschätzung?

Kindermann: Ich habe da große Zweifel. Wenn man eines aus diesem historischen Rückblick lernen kann: Das Zusammengehen von Banken war immer äußerst schwierig. Wir haben es hier mit stets sehr unterschiedlichen Unternehmenskulturen zu tun. Das eigentliche Kapital der Banken ist Vertrauen. Das muss man lange aufbauen, das ist nichts, was man hin- und herschieben kann. Die Commerzbank hat die Integration der Dresdner nur mit größter Mühe hinbekommen, drei Jahre lang war man damit zugange. Die Deutsche Bank hat die Integration der Postbank fast zehn Jahre nach der Übernahme bis heute nicht bewältigt. Das wirft schon Fragen auf, ob in einer Situation, wo die Banken wegen der niedrigen Zinsen nicht viel Geld verdienen und sich die Wirtschaft eintrübt, so ein Projekt von Erfolg gekrönt sein kann.

Der erste Schritt für eine Fusion wäre wahrscheinlich eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe für Sozialpläne, für die Bilanzbereinigungen vor einer Fusion. Aber ob da die Eigentümer, ja unter anderem auch der Staat, mitziehen, ist unklar. Und das ist nur der erste Schritt.

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