Dienstag, 21.05.2019
 
Seit 19:05 Uhr Kommentar
StartseiteInformationen am MorgenNächste Niederlage für Bayer14.05.2019

Monsanto-ProzesseNächste Niederlage für Bayer

Bayer muss im Streit um die Frage, ob der umstrittene Wirkstoff Glyphosat krebserregend ist, vor einem US-Gericht eine weitere Niederlage einstecken. Die Bayer-Tochter Monsanto wurde zur Zahlung von fast zwei Milliarden Dollar Schadenersatz verurteilt, der Konzern kündigte Widerstand an.

Von Marcus Schuler

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Das Logo der Bayer AG auf dem Dach eines Bürogebäudes in Berlin. (picture alliance / Hauke-Christian Dittrich)
Erneute Niederlage für Bayer im Streit um Glyphosat (picture alliance / Hauke-Christian Dittrich)

Die Summe ist gewaltig, in den USA aber durchaus üblich. Umgerechnet 1,78 Milliarden Euro soll die Bayer-Tochter Monanto an Straf-Schadenersatz zahlen. Damit soll im US-Recht ein Täter bestraft und davon abgehalten werden, eine Tat zu wiederholen.

Hinzu kommen nochmals 55 Millionen Dollar als Schadenersatz für das Paar. Deren Rechtsanwalt Brent Wisner sagt:

"Monsanto leugnet weiter, dass das Mittel Krebs verursacht. Diese zwei rechtschaffenen Menschen sind Opfer dieser Annahme geworden. Das geht so lange, bis endlich Monsanto beziehungsweise Bayer Verantwortung für ihr Produkt übernehmen."

Klage eines krebskranken Ehepaars

Geklagt hatte ein Renterehepaar aus Livermore, einer Kleinstadt 70 Kilometer östlich von San Francisco. Er ist 76, sie 74. Beide ware in den vergangegen Jahren mehrfach an Krebs erkrankt, erzählt Rechtsanwalt Michael Miller.

"1982 haben sich beiden ein Haus gekauft und wollten vor der Garagenheinfahrt das Unkraut fernhalten. Sie haben RoundUp versprüht. Später haben sie weitere Immobilien gekauft. Niemand hat ihnen gesagt, dass es gefährlich ist. Sie haben die TV-Werbung gesehen und gedacht, sie könnten der Firma vertrauen."

Das Paar ist nach Darstellung seiner Anwälte am sogenannten Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt, einer bösartigen Krebsform des lympahtischen Systems.

"Alva hatte Non-Hodgkin-Lymphome im Jahr 2011. Sie haben aber weitergesprüht. Bei Alberta traten 2015 im Gehirn Non-Hodgkin-Lymphome auf. 2016 ist sie ein weiteres Mal daran erkrankt. Erst als sie eine Anzeige eines Rechtsanwalts sagen, wurde ihnen klar, dass es da eine Verbindung zwischen Non-Hodgkin und RoundUp gibt. Alberta braucht jeden Monat Medikamente im Wert von 21.000 Dollar - oder sie stirbt."

Dritter Schuldspruch gegen Monsanto

Die Jury des Obersten Gerichts in Oakland hatte nicht einmal zwei Tage für seine Beratungen gebraucht. Es ist bereits der dritte Schuldspruch innerhalb weniger Monate für Monsanto. Weitere Prozesse werden folgen. Mehr als 13.000 Klagen gegen Monsanto liegen inzwischen in den USA vor.

Rechtsanwalt Bret Wisner appelierte heute an den Bayer-Konzern in Deutschland:

"Das heutige Urteil hätte nicht deutlicher ausfallen können. Sie müssen ihr Verhalten ändern, sie können so nicht weitermachen. Ich hoffe in Gottes Namen, dass ich hier nicht nochmal in sechs Monaten oder einem Jahr mit einer anderen Person stehen muss, die ein Opfer dieses Betrugs wurde. Monsanto muss sich ändern. Drei Urteile sind gesprochen.

Bayer will Urteil anfechten

"Man sei von der Entscheidung enttäuscht, erklärte das Monsanto-Mutter-Unternehmen Bayer in einer Stellungnahme. Das Urteil der Jury stehe in direktem Widerspruch zu der Einschätzung der US-Umweltbehörde EPA, die erst im vergangenen Monat im Rahmen der vorläufigen Zulassungsüberprüfung veröffentlicht worden sei. Deshalb wolle man dieses Urteil anfechten.

Unterstützung erhält Bayer von Juraprofessor David Levine von der Universität von Kalifornien. Levine glaubt, dass das Urteil revidiert wird: Der Strafschadenersatz in Höhe von zwei Milliarden und der Schadenersatz in Höhe von 55 Millionen stünden in keinem Verhältnis.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk