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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Monsanto zieht sich überhaupt nicht zurück"10.06.2013

"Monsanto zieht sich überhaupt nicht zurück"

EU-Kommission berät über die Zulassung einer umstrittenen Maissorte

Der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto wird sich nicht vom europäischen Markt zurückziehen, sagt Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin beim Umweltverband BUND. Ganz im Gegenteil: Die EU-Kommission berät derzeit über die Zulassung einer weiteren genmanipulierten Maissorte von Monsanto.

Heike Moldenhauer im Gespräch mit Britta Fecke

Bei der neuen Maissorte "SmartStax" geht es zunächst um eine Zulassung für den Import und die Weiterverarbeitung, nicht für den Anbau. (AP)
Bei der neuen Maissorte "SmartStax" geht es zunächst um eine Zulassung für den Import und die Weiterverarbeitung, nicht für den Anbau. (AP)
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Britta Fecke: Die gentechnisch veränderte Maissorte MON810 aus den Laboren des US-Agrarriesen Monsanto ist derzeit die einzige in der EU zugelassene genmanipulierte Maissorte. Innerhalb der EU haben aber einige Mitgliedsländer ein Anbauverbot erlassen, unter anderem Deutschland. Spanien ist im Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen, kurz GVO, weniger kritisch, und so wächst auf einem Viertel der Mais-Anbaufläche Mais von Monsanto. Heute will die EU-Kommission über die Erstzulassung einer weiteren Maissorte aus den Laboren Monsantos mit den Vertretern der Mitgliedsländer verhandeln. Ich bin jetzt verbunden mit Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin bei der Umweltschutzorganisation BUND. Frau Moldenhauer, welche gentechnisch veränderte Maissorte wird denn möglicherweise bald in Europa zugelassen?

Heike Moldenhauer: Die gentechnisch veränderte Maissorte, die zugelassen werden soll, heißt SmartStax, ist von Monsanto und produziert sechs verschiedene Insektengifte und ist außerdem resistent gegen zwei verschiedene Unkrautvernichtungsmittel. Aber um das ganz klar zu machen: Bei dieser Pflanze geht es nicht um Anbau, anders als bei MON810, sondern es geht erst mal um Import und dann um Verarbeitung als Lebens- und Futtermittel.

Fecke: Das heißt also, man muss diesmal nicht befürchten, dass sich die Pflanze auskreuzt?

Moldenhauer: Jedenfalls nicht in Europa. Sie wird in den USA angebaut auf ein paar Millionen Hektar. Aber ob sie jemals in der EU zugelassen wird zum Anbau, das steht in den Sternen. Und ich würde es nicht hoffen, weil diese Pflanze etwas ganz Besonderes ist, weil keine andere gentechnisch veränderte Pflanze auf der Welt eine derartige Vereinigung von Eigenschaften aufweist, sechs Insektengifte, Insektengifte gegen Schmetterlinge und gegen Käferlarven und gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel. Das ist sozusagen alles, was Gentechnik jetzt kann und in einer Pflanze vereinigt.

Fecke: Ich sage mal provokant dagegen: Das ist doch wunderbar, dann muss man nicht mehr so viele Pestizide auf den Acker schmeißen.

Moldenhauer: Ja, schön wäre es. Aber es ist ja leider nicht so. Die Unkrautvernichtungsmittel, gegen die dieser SmartStax resistent ist, das ist einmal Glyphosat und das andere ist Glufosinat. Glyphosat ist das Unkrautvernichtungsmittel, was in unendlichen Mengen auf den jetzigen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen ausgebracht wird, und dass Monsanto als Hersteller von Glyphosat jetzt in seiner Pflanze eine Resistenz gegen Glufosinat, gegen ein Produkt von Bayer, also von einer Konkurrenzfirma hat, das ist dem zuzuschreiben, dass diese gentechnisch veränderten Pflanzen, die glyphosatresistent sind, jede Menge Resistenzen gegen Unkräuter entwickelt haben, sodass die Firmen jetzt schauen, noch mal ein anderes Unkrautvernichtungsmittel in großen Mengen auf den Acker zu bringen, um diese resistenten Unkräuter überhaupt noch bekämpfen zu können.

Fecke: Wenn in Brüssel heute verhandelt wird, dann wird ja nur mit den Vertretern der Länder gesprochen. Kann das sein?

Moldenhauer: Es ist genau so, und zwar gibt es seit anderthalb Jahren neue Regeln, dass Repräsentanten der Länder, also Beamte, in den Gremien sitzen und nicht mehr die Minister. Und das heißt natürlich auch, dass Beamte immer weniger angreifbar sind, als wenn wir jetzt sagen könnten, Ministerin Aigner muss verbieten. Es ist natürlich überhaupt nicht so klug oder so publikumswirksam zu sagen, es muss ein Beamter dagegen stimmen. Da ist leider die Verantwortung von der Politik auf die administrative Ebene gewechselt.

Fecke: Es war ja vor zehn Tagen ungefähr vom Rückzug Monsantos von den europäischen Äckern die Rede. Das sieht jetzt aber gar nicht danach aus, oder?

Moldenhauer: Nein. Das war wirklich eine unendliche Zeitungsente, wo dann ein Monsanto-Mitarbeiter eine vage Aussage gemacht hat. Das haben einige Journalisten aufgegriffen. Dann haben einige Aktivisten sich euphorisiert geäußert, aber es steckte nichts dahinter. Monsanto zieht sich überhaupt nicht zurück. Monsanto hat ja auch gar keinen Grund, sich von so einem lukrativen Markt wie dem EU-Markt zurückzuziehen, und Monsanto ist in der Zulassungs-Pipeline, also mit dem, was noch kommen soll an Pflanzen, mit elf Pflanzen für den Anbau vertreten und mit 46 für den Import in die EU. Ein Rückzug sieht wirklich anders aus.

Fecke: Nehmen wir mal an, dass die EU-Kommission mit den Vertretern heute übereinkommt, diese neue Pflanze nicht zuzulassen. Dann haben wir sowieso in Deutschland dieses MON810-Verbot. Kann der deutsche Verbraucher dann sicher sein, dass er keinen genmanipulierten Mais zu sich nimmt?

Moldenhauer: Der Verbraucher kann insofern sicher sein, wenn er Lebensmittel wie Cornflakes zu sich nimmt, dass er dann keinen gentechnisch veränderten Mais zu sich nimmt, weil dort auf der Packung die gentechnische Veränderung ausgewiesen sein müsste. Wo der Verbraucher leider nicht sicher sein kann, das sind tierische Produkte wie Milch, Fleisch und Eier, wo das Tier möglicherweise dann mit gentechnisch verändertem Futtermittel gefüttert worden ist, aber dann leider auf dem Produkt, was der Verbraucher kauft, keine Kennzeichnung draufsteht.

Fecke: Vielen Dank für diese Einschätzung. Heike Moldenhauer war das, Gentechnik-Expertin beim BUND.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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