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StartseiteKalenderblattMonumentale Revolte16.12.2010

Monumentale Revolte

Der Film "Spartacus" von Stanley Kubrick hatte vor 50 Jahren Deutschlandpremiere

1960 verfilmte Stanley Kubrick die Geschichte der von Spartacus angeführten Sklavenrebellion, die im Jahre 73 v. Chr. das Römische Reich erschütterte. Anders als die christlich geprägten Monumentalfilme seiner Zeit steht bei Kubrick eine soziale Revolution im Mittelpunkt. "Spartacus" wurde zum Durchbruch für den jungen Regisseur, der später mit Filmen wie "2001 - Odyssee im Weltraum".

Von Christian Berndt

Kirk Douglas (links) als Gladiator im Film "Spartacus" (AP)
Kirk Douglas (links) als Gladiator im Film "Spartacus" (AP)

Filmausschnitt "Spartacus": "Rom will uns nicht erlauben, wieder in unsere angestammte Heimat zu ziehen. Der Ausweg, der für uns übrig bleibt, heißt, Rom selbst anzugreifen und diesen Kampf auf die Weise zum Ende zu bringen, die uns allein möglich ist. Mit dem Ziel vor Augen, die Unfreiheit der Sklaven auszulöschen."

Spartacus, der Anführer der Sklaven, schwört seine Leute auf die Entscheidungsschlacht gegen die Römer ein. Stanley Kubricks Monumentalfilm "Spartacus" zeigt einen charismatischen Revolutionsführer, der seine Anhänger für das große Ziel begeistert: das Ende der Sklaverei. Spartacus ist selbst ehemaliger Sklave, den die jahrelangen Demütigungen zum Widerstand gebracht haben. Schon als Kind wird er ins Bergwerk, später in die Gladiatorenschule von Capua verkauft. Zunächst ergeben in sein Schicksal, begehrt er schließlich auf - letzter Funke ist die Liebe zu einer Sklavin:

"Schau sie dir noch einmal an, Spartacus. Sie fährt nach Rom, sie ist verkauft worden. - Sie ist verkauft worden! - Sklaven ist es nicht gestattet, in der Küche zu reden."

Die Revolte beginnt. Dass ein Hollywoodfilm diese Geschichte erzählt, ist ungewöhnlich: "Spartacus" ist nicht nur der einzige Antiken-Monumentalfilm dieser Zeit ohne religiöse Anklänge, sondern auch gedreht nach dem Roman eines kommunistischen Autors, Howard Fast. Und Drehbuchautor Dalton Trumbo steht auf der sogenannten Schwarzen Liste Hollywoods, weil er sich geweigert hat, vermeintlich kommunistische Kollegen zu denunzieren. "Spartacus" ist der erste Film, der im Abspann den unter Pseudonym schreibenden Trumbo mit echtem Namen nennt. Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas geht damit im politischen Klima der 50er-Jahre ein bemerkenswertes Risiko ein - es gibt Boykottdrohungen gegen den Film. Und auch Anspielungen auf die Kommunistenhatz der McCarthy-Ära finden sich, etwa wenn der römische Konsul Crassus den Kampf gegen die Sklaven nutzt, um eine Diktatur zu errichten:

"Die Feinde des Staates sind bekannt. Mit ihrer Verhaftung ist begonnen worden. Die Gefängnisse fangen an sich zu füllen, in sämtlichen Städten und Provinzen wurden Listen dieser Verräter aufgestellt. Sie werden erfahren, dass es sehr teuer ist, mit dem Staat ein gefährliches Spiel zu treiben."

Der Film geht sehr frei mit der Historie um, weder wurde Rom während des Sklavenaufstandes zur Diktatur, noch war der reale Spartacus ein humaner Idealist, der die Abschaffung der Sklaverei im Sinn hatte - so wie ihn Douglas als sehr amerikanischen Freiheitskämpfer spielt. Regisseur Stanley Kubrick schwebte dagegen ein weniger moderner Held vor, wie er in einem Zeitungsinterview später meint:

"In Spartacus versuchte ich mit nur geringem Erfolg, den Film so authentisch wie möglich zu drehen - und das war gegen ein ziemlich dumpfes Drehbuch, das nichts mit dem echten Spartacus zu tun hatte, nahezu unmöglich."

Kirk Douglas engagierte den 31-Jährigen, noch wenig bekannten Kubrick, nachdem er sich mit Regisseur Anthony Mann überworfen hatte. Obwohl Kubrick nur begrenzte Kontrolle über den von Douglas maßgeblich bestimmten Film erhielt, war seine Handschrift doch sichtbar. In den Schlachtenszenen zeigte er die für seine Filme typische, sinnliche Ambivalenz von Gewalt als schrecklichem wie ästhetischem Erlebnis. Und dem im Drehbuch idealisierten Spartacus standen nunmehr komplexer gezeichnete Figuren der römischen Politiker gegenüber, für die der Sklavenaufstand letztlich Spielball im Machtpoker blieb. Laurence Olivier als Crassus ist so brutal wie brillant - etwa wenn er mit diabolischer Raffinesse seinen Leibsklaven verführen will.

"Isst du Austern?- Wenn ich welche habe, Herr. - Isst du Schnecken? - Nein, Herr. - Findest du, dass Austern zu essen moralisch, Schnecken zu essen dagegen unmoralisch ist? - Nein, Herr. - Das ist nur eine Geschmacksfrage, nicht wahr? - Ja, Herr. - Und Geschmack hat nichts mit Appetit zu tun, und ist daher keine Frage der Moral, nicht wahr? - So könnte man es darlegen, Herr. - Ich mag im Gegensatz zu dir beides, Schnecken und Austern."

Die homoerotische Szene wurde damals herausgeschnitten, erst in den 90er-Jahren kam sie wieder in den Film. "Spartacus" erlebte einen spektakulären Kassenerfolg. Am 16. Dezember 1960 kam der Film in der Bundesrepublik ins Kino, wo er zu einem der populärsten Filme des Jahres wurde. Trotz des Erfolgs verließ Kubrick enttäuscht von den Drehbedingungen in Hollywood die USA und zog nach England. Der Film aber bedeutete seinen Durchbruch als einer der wichtigsten Filmregisseure. Und "Spartacus" blieb bis heute der interessanteste und politischste Antikenfilm Hollywoods.

Anm.: In der Radiofassung dieses Beitrags wurden Ausschnitte aus der bei Universal Pictures erschienenen Doppel-DVD "Spartacus - Special Edition" verwendet.

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