Dienstag, 16.10.2018
 
Seit 20:10 Uhr Hörspiel
StartseiteKommentare und Themen der WocheVon der Leyens späte Löschversuche 22.09.2018

Moorbrand im EmslandVon der Leyens späte Löschversuche

Der Auftritt von Ursula von der Leyen in der Moorbrand-Region im Emsland sei eigentlich nur peinlich, weil er offensichtlich von politischem Versagen ablenken solle, kommentiert Dietrich Mohaupt. Die Entschuldigung der Verteidigungsministerin käme zu spät - wie auch die Hilfe durch die Bundeswehr.

Von Dietrich Mohaupt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
22.09.2018, Niedersachsen, Meppen: Ursula von der Leyen (CDU), Bundesverteidigungsministerin, steht nach ihrem Besuch des Bundeswehrstandortes Meppen zwischen Stefan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen, und Bernd Althusmann, Minister für Wirtschaft in Niedersachsen vor dem Gebäude des Landkreises Emsland und gegenüber den Journalisten ein Statement ab. (picture alliance / Mohssen Assanimoghaddam)
Medienwirksamer Auftritt: Ursula von der Leyen auf dem Bundeswehr-Testgelände im Emsland (picture alliance / Mohssen Assanimoghaddam)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Keul (Grüne) zu Moorbrand der Bundeswehr "Enorme Folgen dieses Fehlers in den Griff kriegen"

Moorbrand in Meppen Löschung kann Monate dauern

Die Verteidigungsministerin war also im Emsland! Den ganzen Tag hat sie sich - begleitet von einem ganzen Schwarm Journalisten, Kamerateams und Fotografen in zwei Bussen - ein ganz genaues Bild von der Lage gemacht. Und bedankt hat sie sich, immer wieder und ganz ausdrücklich, bei allen Helfern von THW und Rotem Kreuz, bei den Feuerwehren und also eigentlich bei allen, die seit gut zwei Wochen versuchen, das Feuer im Moor bei Meppen zu löschen.

Und damit sind wir dann auch schon beim eigentlichen Problem angekommen: Das Feuer, ausgelöst durch Schießübungen mit Raketenmunition eines Tiger-Kampfhubschraubers, brennt nämlich schon seit mehr als zwei Wochen. Und weil die Bundeswehr-Feuerwehr den Moorbrand allein nicht einmal ansatzweise unter Kontrolle bekommen hat, schien es zuletzt sogar nötig zu werden, ganze Dörfer in der Nähe zu evakuieren.

Diese Gefahr ist derzeit nicht mehr so akut, aber im Landkreis Emsland gilt weiterhin Katastrophenalarm, sicherheitshalber, sagt der Landrat, weil es immer noch nicht ganz ausgeschlossen ist, dass starker Wind eventuell Funken in die Ortschaften am Rand dieses Bundeswehrareals trägt.

Politprofi im Schwelbrand

Also, die Lage ist derzeit einigermaßen unter Kontrolle, aber das Feuer, das brennt eben immer noch. Und weil der Moorbrand größtenteils unterirdisch schwelt, ist er auch nicht ganz so einfach zu löschen. Aber die Verteidigungsministerin hatte einen ganz großen Topf voll weißer Salbe dabei, also nette und lobende Worte für die erschöpften Einsatzkräfte, hübsch garniert mit Begeisterungsäußerungen über die intakte Zivilgesellschaft, die im Emsland bewiesen habe, dass sie jedes Problem anpacken und lösen kann.

Ach ja, und entschuldigt hat sie sich im Namen der Bundeswehr für den angerichteten Schaden, und zwar gleich mehrfach. Ganz Politprofi eben - die Ministerin weiß, was die Medien in dieser Situation von ihr hören wollen und das hat sie geliefert: hier ein freundliches Dankeschön und Händeschütteln beim THW, dort aufmunternde Dankesworte bei Einsatzkräften der Feuerwehr - und immer schön achtgeben, dass die Kamerateams freie Sicht haben.

Sie sagt Hilfe zu, verspricht auch materielle Unterstützung, und tatsächlich - nach mehr als zwei Wochen rückt jetzt die Bundeswehr mit schwerem Gerät an. Spezialisten von einer Pioniereinheit aus Husum stehen mit Raupenfahrzeugen und anderem Räumgerät bereit, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Es soll keiner sagen, die Bundeswehr habe im Kampf gegen das Feuer im Moor nichts zu bieten!

Dass man Anfangs das Feuer völlig unterschätzt hat, dass viel zu spät zusätzliche Kräfte angefordert wurden, dass zum Beispiel die niedersächsische Landesregierung offiziell erst nach Tagen über das Feuer und die Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten informiert wurde - kein Wort davon. Auch beim bisher so wenig eleganten Umgang mit dem Thema "Information der Öffentlichkeit" soll laut von der Leyen alles gut werden. Man glaubt es kaum, aber es soll doch tatsächlich künftig eine täglich aktualisierte Lageinformation auf den Internetseiten der Bundeswehr geben, jetzt, mehr als zwei Wochen nach Ausbruch des Feuers.

Echte Hilfe statt Ministerbesuche

Tagelang hatte es so gut wie keine oder sehr widersprüchliche Informationen über die Belastung der Luft mit Schadstoffen gegeben, jetzt stehen in der Region auch mobile Messstationen, die Ergebnisse werden regelmäßig veröffentlicht - das aber erst, nachdem unter anderem die Grünen im niedersächsischen Landtag darauf gedrängt hatten. Immerhin: Es gibt also erkennbar eine Art Lernfortschritt bei den Verantwortlichen, allerdings deutlich zu spät. 

Wenn schon Anfang September bei den Schießübungen jemand ein bisschen darüber nachgedacht hätte, ob es wirklich sinnvoll ist, mit Luft-Boden-Raketen auf ein von der langen Hitzeperiode völlig ausgedörrtes Moorgelände zu feuern, dann wären vermutlich nicht durch ein schwer kontrollierbares Feuer Unmengen von Kohlendioxid freigesetzt worden - ein Moorschutzexperte des NABU hat in einer vorsichtigen Schätzung von 500.000 bis 900.000 Tonnen CO2 gesprochen, die bereits in die Atmosphäre gelangt sind.

Daran kann nun auch die PR-Aktion der Ministerin heute im Emsland nichts mehr ändern. Sie ist eigentlich nur peinlich, weil sie so offensichtlich von politischem Versagen ablenken soll. Die Bewohner in der Region hätten vermutlich gut auf den Besuch der Ministerin verzichten können, und sich stattdessen über frühere Hilfe durch zusätzliche Einsatzkräfte der Bundeswehr gefreut.

 

Dietrich Mohaupt  (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Dietrich Mohaupt, geboren 1961 in Dannenberg an der Elbe und aufgewachsen in Salzgitter. Nach dem Abitur Studium der Politikwissenschaft in Bamberg. Es folgten ein Hörfunk-Volontariat in Bielefeld und – nach einer Zwischenstation beim privaten Hörfunk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel – der Wechsel als freier Journalist zum NDR. Seit 2011 ist er als Landeskorrespondent beim Deutschlandradio tätig - zunächst in Schleswig-Holstein und aktuell in Niedersachsen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk