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StartseiteCampus & Karriere"Ich fühle mich sehr gut aufgehoben" bei der Feuerwehr22.10.2019

Moritz Collum, Feuerwehrmann"Ich fühle mich sehr gut aufgehoben" bei der Feuerwehr

Moritz Collum ist seit anderthalb Jahren Brandmeister bei der Berufsfeuerwehr Lübeck. Auf die Einsätze wurde er in der Ausbildung gut vorbereitet, emotional sind sie dennoch teilweise belastend. Im Umgang damit helfen ihm seine Kollegen.

Von Astrid Wulf

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Moritz Collumsteht vor einem Feuerwehrauto. (privat)
Moritz Collum ist gerne Feuerwehrmann - nervig findet er höchstens, wenn er nach einer Alarmfahrt keinen Notfall vorfindet, sondern ein übergelaufenes Klo (privat)
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Was verdienen Sie?

Im Schnitt habe ich im Monat 2.400 Euro bis 2.600 Euro auf dem Konto. Ich finde, das ist ein angemessenes Gehalt als Berufsanfänger nach anderthalb Jahren. Ich komme damit gut zurecht und bin sehr zufrieden, muss ich sagen.

Wurden Sie für den Joballtag gut ausgebildet?

Es gab einmal eine Situation, auf die ich nicht gut vorbereitet war. Da wurde die Mutter von einem kleinen Jungen reanimiert, und wir waren als Löschfahrzeug als Unterstützung vor Ort, und der kleine Junge saß auf der Couch und hat das alles mit angesehen, bis ich ihn auf den Arm genommen habe, mit ihm runter ins Feuerwehrauto gegangen bin, versucht habe, abzulenken, von dem, was da gerade passiert – bis er mich gefragt hat, ob Mama gerade stirbt. Da habe ich ihm dann versucht, mit Engeln zu erklären, dass Mama gerade dazwischen schwebt und wir versuchen, dass sie wieder auf die Erde kommen kann, aber wenn sie zu den Engeln soll, darf sie auch zu den Engeln gehen.

Jemand geht eine Treppe hinauf und wirft Schatten (imago images / alimidi)In der Reihe „Karrierestart“ erzählen junge Menschen, wie sie den Start in den Beruf erlebt haben (imago images / alimidi)

Was an Ihrem Job macht Spaß?

Dass man viele neue Kollegen und vor allem Freunde trifft, dass man zusammen die ungewöhnlichsten Situationen immer irgendwie bewältigt und dass man eigentlich jeden Tag zur Arbeit geht und immer was anderes kommt, nie das Gleiche. Man hat hin und wieder auch mal Leid und hat auch mal Anblicke, die man nicht unbedingt jeden Tag hat, aber durch das gute kollegiale Umfeld und durch die Freundschaft, die in der Truppe herrschen, kann man auch das sehr gut verarbeiten und zusammen bewältigen. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben, auch bei schwierigen Situationen bei den Kollegen.

Was an Ihrem Job nervt manchmal?

Gestern wurden wir zu einer übergelaufenen Toilette alarmiert. Wo man sich fragt: Da muss ich keine Feuerwehr für rufen, da kann der Klempner kommen und das erledigen. Was nervt noch – das sind die Leute, die immer die Handys rausholen in jeder Situation und filmen, im Weg stehen, und dann noch fragen wollen, was los ist. Das nervt ziemlich.

Was war beim Berufseinstieg anders als erwartet?

Gar nicht so viel. Wir haben in der Berufsausbildung sehr viele praktische Anteile. Das heißt – neben der Schule sind wir eigentlich kontinuierlich in den Wachen und fahren als Kollegen auf den Fahrzeugen mit und haben einen guten Einblick ins Berufsleben. Von daher ist der Umstieg von Auszubildender zum fertigen Brandmeister gering. Geändert hat sich eigentlich nur, dass man jetzt Situationen selbst entscheiden muss und man eventuell einen Anwärter an seiner Seite hat und für den mitentscheiden muss.

Und sonst so?

Ich kann mir schon vorstellen, bis zum Ende meines Feuerwehrlebens bei der Feuerwehr zu arbeiten. Und ich hoffe, wenn ich irgendwann mal genug Berufserfahrung hab, dass ich die Zukunft der Berufsfeuerwehr auch verändern kann und auch meine persönliche Note mit einbringen kann und junge Kollegen anleiten kann, besser zu werden und aus meinen Fehlern auch zu lernen.

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