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StartseiteSternzeitEin Knick in der Optik15.04.2018

Moritz Löwy 185 JahreEin Knick in der Optik

Das Fernrohr wurde vor gut vierhundert Jahren von einem holländischen Brillenmacher zum Patent angemeldet. Als "holländisches Fernrohr" fand es in Mitteleuropa rasch Verbreitung und ist bis heute Vorbild für klassische Operngläser.

Von Hermann-Michael Hahn

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Der Beobachtungsplatz am Équatorial befand sich in einem besonderen Messraum  (OdP)
Der Beobachtungsplatz am Équatorial befand sich in einem besonderen Messraum (OdP)
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Der aus Weil der Stadt stammende Astronom Johannes Kepler schuf wenig später das nach ihm benannte Keplersche Fernrohr, das bis heute Grundlage für astronomische Linsenteleskope geblieben ist. Jahrzehnte später stellte Isaac Newton einen ganz anderen Teleskoptyp vor, der statt durchsichtiger Glaslinsen reflektierende Spiegel benutzte. Mit diesem Newtonteleskop erhielt man zwar farbreine Ansichten der Beobachtungsobjekte, handelte sich aber im Gegenzug manch andere Abbildungsfehler ein.

Der Équatorial-Coudé am Observatoire de Paris (OdP)Der Équatorial-Coudé am Observatoire de Paris (OdP)

Im Laufe der Zeit kamen weitere Varianten der Strahlungsführung hinzu, vom Cassegrain-Teleskop über Ritchey-Chrétien-Teleskope bis zum sogenannten Schmidt-Spiegel. Sie alle wurden nach ihren "Erfindern" benannt. Lediglich bei Fernrohren mit einem geknickten Strahlengang – den Coudé-Teleskopen – leitet der Name den nach einer geistigen Vaterschaft Suchenden in die Irre: Einen "Herrn Coudé" gibt es nicht; er bleibt gleichsam das Phantom des Observatoriums.

Das ist nicht wirklich verwunderlich, denn der Begriff coudé bedeutet im Französischen "geknickt". Aber es gibt sehr wohl einen "Herrn der Coudés": Moritz Löwy, der heute vor 185 Jahren in Wien geboren wurde. Als späterer Direktor der Pariser Sternwarte hat Löwy die Entwicklung dieses Teleskops mit dem Knick vorangetrieben.

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