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StartseiteHintergrundBürgerkrieg und ein bisschen Hoffnung19.02.2021

MosambikBürgerkrieg und ein bisschen Hoffnung

In der Provinz Cabo Delgado im Norden von Mosambik kämpfen seit Jahren islamistische Milizen gegen die Regierung. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Rohstofffunde könnten helfen, die Region aus der Krise zu führen – aber das wird Jahre dauern.

Von Stefan Ehlert

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Camp Nangua - hier leben mehr als 6000 Geflüchtete, oft ganze Dörfer gemeinsam (Stefan Ehlert / Deutschlandradio)
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Mosambik Die Wahlen und die Gewalt im Norden

Im Flüchtlingslager "25 de Junho" schlagen junge Männer im Schatten eines Baumes die Zeit tot. Sie sitzen am Boden, werfen schwungvoll ihre Würfel und schieben Figuren über ein Brett. Das Spiel sieht aus wie eine Mischung aus Halma und Mühle. Luta heißt es. Luta bedeutet Kampf. Genau davor sind die Menschen in diesem Camp geflüchtet, vor Kämpfen und Gewalt in Cabo Delgado, der nördlichsten Provinz Mosambiks.

"Ich bin vor dem Krieg geflohen. Unsere Hütten wurden angesteckt, Menschen wurden umgebracht. Die Leute, die das gemacht haben, nennen sich Al Shabaab." Fatima Omar lebt schon seit Monaten in diesem Camp bei Pemba, der Provinzhauptstadt Cabo Delgados. Sie stammt aus einem Dorf nur 120 Kilometer von Pemba entfernt. Nun wohnt sie mit vier Kindern in einer Grashütte, die keinen Schutz vor Regen bietet und auch nicht vor Malaria-Mücken. Sie hat Angst vor den grassierenden Durchfallkrankheiten. Für Essen und Wasser muss sie anstehen – angesichts der Zustände warnen die UN vor einer Katastrophe.

Portugals Staatspräsiden Marcelo Rebelo de Sousa (r) begrüßt den mosambikanischen Präsidenten Filipe Nyusi während seines Besuchs in Portugal am 2. Juli 2019  (AFP/Patricia De Melo Moreira) (AFP/Patricia De Melo Moreira)Portugal will Aufmerksamkeit auf Terror in Mosambik lenken 
Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass islamistische Terroristen mittlerweile hunderttausende Menschen aus dem Norden Mosambiks vertrieben haben. Portugal will seiner Ex-Kolonie Unterstützung zusichern.

Ob und wann Fatima Omar aus dem Camp zurückkehren kann auf ihren Acker in der Heimat, das weiß niemand, sagt Manuel Nota, der Leiter des katholischen Hilfswerks Caritas in Pemba. Er sucht nach Mitteln, um die Menschen zu ernähren, sie mit Saatgut und Werkzeug für einen Neustart auszustatten: "Ein großer Teil der Bevölkerung würde gern heimkehren. Aber weil die Angriffe nicht aufhören, sind sie hier, ihnen bleibt nichts anderes übrig."

Eine halbe Million Menschen in Camps

Jeder Fünfte der 2,5 Millionen Einwohner der Provinz Cabo Delgado ist auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg. Mehr als 500.000 Menschen drängen sich in Camps außerhalb von Pemba oder bei Angehörigen in den überlaufenen Strandquartieren.

Caritas-Chef Nota: "Wenn eine ganze Familie da ankommt – und die Familien sind für gewöhnlich groß in Mosambik – dann endet das damit, dass 12 oder 15 Menschen in einem Quartier wohnen, das für drei oder vier Menschen gedacht ist."

Was ist schief gelaufen im Norden Mosambiks, sodass inzwischen sogar die Europäische Union ihre Hilfe anbietet und auf eine Lösung der Krise drängt? Obwohl sich lange Zeit die Hoffnungen des ganzen Landes auf Cabo Delgado richteten? Mosambik im südlichen Afrika gehört zu den ärmsten Staaten der Welt, Platz 181 auf dem UN-Index der menschlichen Entwicklung. Noch. Denn Milliarden US-Dollar sollen in der Provinz Cabo Delgado investiert und verdient werden mit den Erdgasfeldern des dortigen Rovuma-Beckens. Sie zählen zu den größten der Welt.

2685894752_IMG_1815.JPG (Stefan Ehlert / Deutschlandradio)Entwurzelte Kinder im Camp 25. de Junho (Stefan Ehlert / Deutschlandradio)

Das Gas soll Mosambik aus der Armutsfalle befreien – gefördert von einem Konsortium unter Führung des französischen Total-Konzerns, 2024 soll es losgehen. Das Investment in die Förderung und Verflüssigung des Erdgases im Norden Cabo Delgados war mit rund 24 Milliarden US-Dollar die größte ausländische Direktinvestition in ganz Afrika. Weitere Investitionen sollen folgen.

Eine der größten Notlagen in ganz Afrika

Gleichzeitig ist dort ein Konflikt eskaliert, der zu einer der größten Notlagen in ganz Afrika geführt hat. Der mosambikanische Soziologe João Feijó – mit weichem DJ] in der Hauptstadt Maputo beschäftigt sich im Auftrag der "Beobachterstelle für ländliche Entwicklung" seit langem mit Cabo Delgado. Die Lage, sagt Feijó, habe sich dramatisch verschlechtert:

"Wie geht es Cabo Delgado? Dort haben wir einen Konflikt, der in den vergangenen dreieinhalb Jahren immer intensiver wurde, vor allem im vergangenen Jahr erreichte er das maximale Niveau an Gewalt, ganze Städte und Distrikthauptstädte wurden besetzt und dazu kam natürlich der Exodus der Bevölkerung."

Seit mindestens zehn Jahren gibt es Anzeichen für eine islamistische Mobilisierung. Seit Oktober 2017 terrorisieren radikale Muslime die Menschen in Cabo Delgado mit Angriffen. Die Bevölkerung nennt sie "Al Shabaab", wie die islamistische Miliz in Somalia. Doch ist es mehreren Studien zufolge eine lokale Gruppierung aus perspektivlosen, radikalisierten jungen Männern unter Führung von einflussreichen Einheimischen. Dass sie auch ausländische Unterstützer haben, ist nicht ausgeschlossen. Unklar ist, ob Mosambiks Islamisten zur Terrormiliz IS Verbindungen haben, und wenn ja, welche. Propaganda-Videos zufolge geht es ihnen im Norden Mosambiks um ein Kalifat, um die Einführung strenger Scharia-Regeln und um die Entmachtung der Regierungspartei Frelimo.

Der inzwischen verstorbene Präsidentschaftskandidat und Oppositionsführer Afonso Dhlakama spricht am 15. Oktober in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, vor Journalisten. (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)Medien in Mosambik - Viel Idealismus, wenig Freiheit 
Mosambik ist reich an Ressourcen und doch eines der ärmsten Länder der Welt. Journalisten wie Oswaldu Madede würden gerne kritischer über die Missstände berichten – aber die Regierung zahlt ihre Gehälter.

Die Islamisten haben hundertfach Städte und Dörfer zwischen Palma und Pemba angegriffen. Die strategisch wichtige Hafenstadt Mocimboa da Praia ist seit Monaten in ihrer Hand. Viele ihrer Opfer enthaupten sie. Inzwischen werden der Gruppe auch Entführungen von Frauen und Kindern zur Last gelegt. Die Zahl der Todesopfer wird auf mehr als 2000 geschätzt.

Tina Hennecken Andrade leitet seit fünf Jahren das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Maputo. Sie glaubt, Staatschef Filipe Nyusi habe die Gefahr in Cabo Delgado lange falsch eingeschätzt und zu stark auf eine militärische Lösung gesetzt – dafür seien sogar Söldner unter Vertrag genommen worden:

"Er hat Cabo Delgado am Anfang unterschätzt. Man hat ganz lange von diesen Malfeitores, von diesen individuellen Bösewichten geredet. Man hat immer wieder betont, dass das Leute ohne Gesicht und ohne Agenda sind und dass man mit denen ja nicht verhandeln könne und darauf gehofft, dass man die mit entsprechenden militärischen Mitteln und auch mit der entsprechenden professionellen Unterstützung von diesen private military companies unter Kontrolle bekommt und musste sich jetzt sich eingestehen, dass das nicht funktionieren wird."

Mehr Macht für die Streitkräfte

Hennecken Andrade vermutet, dass der Terror in Cabo Delgado und seine Folgen eine Belastung für Nyusi geworden sind. Dessen Präsidentschaft läuft 2024 ab. Um sich und seinen Besitz für die Zeit danach abzusichern, vermuten Experten, ist er aber auch weiterhin auf eine Machtbasis in der Frelimo angewiesen.

"Das zweite und letzte Mandat des Präsidenten bereitet dann natürlich auch wieder die neuen Wahlen vor, da ist einiges im Fluss innerhalb der Partei, das bedeutet für ihn einfach, dass er das jetzt schnell unter Kontrolle bringen muss, um eben für Mosambik, für sich selbst, und für seine Gruppe in der Partei, dann eben auch die Weichen zu stellen."

Nyusi berief erst vor kurzem einen neuen Armeechef und übertrug den Streitkräften mehr Macht in Cabo Delgado. Offiziellen Meldungen zufolge sollen den Militärs seitdem einige Erfolge im Kampf gegen die radikalen Islamisten gelungen sein. Doch ist der neue Kommandeur nach wenigen Wochen im Amt gestorben, an Covid-19, wie es in einigen Berichten heißt.

In this image made from UNTV video, Filipe Jacinto Nyusi, President of Mozambique, speaks in a pre-recorded message which was played during the 75th session of the United Nations General Assembly, Wednesday, Sept. 23, 2020, at UN headquarters. (UNTV via AP) (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited)Mosambiks Präsident Nyusi (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited)

Abgesehen vom offensichtlichen humanitären Desaster ist Cabo Delgado für die meisten Beobachterinnen und Beobachter eine Blackbox. Viele Meldungen von dort lassen sich nicht oder nur schwer überprüfen, lokale Medienvertreter werden bedroht, Auslandsjournalisten können selten hinreisen. In den Weltnachrichten blieb Cabo Delgado lange eine Randnotiz.

Doch die südafrikanische Staatengemeinschaft SADC zeigt sich inzwischen beunruhigt. Und selbst die 10.000 Kilometer entfernte Europäische Union mahnt dringend eine Lösung für Cabo Delgado an. Sie hat dafür auch Unterstützung angeboten in den Bereichen Nothilfe, Sicherheit und langfristige Entwicklung.

"Mais Emprego" – mehr Jobs, heißt ein Programm, das die EU im November mit angeschoben hat, um der Rekrutierung junger Männer durch die Terrorbrigaden etwas entgegenzusetzen. Der Leiter der EU-Delegation in Mosambik, der öffentlich sehr präsente Botschafter Antonio Sánchez-Benedito Gaspar, erläutert das europäische Vorgehen.

"Warum sollte die Europäische Union in Cabo Delgado engagiert sein? Nun, ich denke darüber gibt es einen großen Konsens. Und den hat auch das Europäische Parlament mit seiner sehr klaren Resolution zu Cabo Delgado ausgedrückt, in der steht, dass die Europäische Union nach Wegen für eine stärkere Kooperation suchen soll. Wir haben es hier mit dem Kampf gegen Terrorismus zu tun, und das ist eine globale Bedrohung, die jeden betrifft, auch uns Europäer. Wir mögen denken, dass Cabo Delgado sehr weit von unseren Grenzen entfernt ist, aber Tatsache ist, dass auch unsere eigene Sicherheit eines Tages bedroht sein könnte durch die weltweite Ausbreitung dieses Terrors."

Die Rolle der EU

Im Moment verhandeln verschiedene Gremien der EU und Mosambiks darüber, was die EU zur Beilegung des Konflikts in Cabo Delgado zusätzlich beitragen kann, doch noch ist wenig spruchreif. In den vergangenen sieben Jahren hat Brüssel schon etwa eine Milliarde Euro für Mosambik bereitgestellt, als Entwicklungshilfe. Der EU-Botschafter in Maputo will nicht ausschließen, dass der Betrag künftig noch steigen könnte.

2685894761_IMG_2386.JPG (Stefan Ehlert / Deutschlandradio)Der Leiter der EU-Delegation in Mosambik, Botschafter Antonio Sánchez-Benedito Gaspar (Stefan Ehlert / Deutschlandradio)

Er schließt jedoch kategorisch aus, dass europäische Truppen entsandt werden. Die Ausbildung mosambikanischer Streitkräfte wiederum - dazu könne es kommen. Den Beginn solcher Trainings hat die einstige Kolonialmacht Portugal, die aktuell die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, bereits für April in Aussicht gestellt. Die Verhandlungen seien aber erst am Anfang, sagt EU-Botschafter Sánchez-Benedito Gaspar, über technische Aufrüstung etwa sei noch nicht gesprochen worden:

"Weder Hubschrauber, noch Lastwagen – diese Art der Ausrüstung war nicht Teil der Diskussionen, soweit ich weiß. Wir haben gerade erst Kommunikationskanäle eröffnet, um zu versuchen, die Fähigkeiten der mosambikanischen Streitkräfte zu verbessern, aber diese Art Ausrüstung war nicht Teil der Diskussionen."

Bilaterale Absprachen müssen davon aber nicht unbedingt betroffen sein. Was bietet der enge Partner Portugal seiner ehemaligen Kolonie an? Und wie wird Frankreich das Investment des französischen Total-Konzerns in Cabo Delgado absichern? Geht der Terror so weit, dass die Unternehmen ihn als Bedrohung sehen für die Gas-Förderung, die 2024 starten soll?

"Absolut. Natürlich. Die Firmen müssen in einem stabilen Umfeld operieren, auch wenn sie bisher nicht direkt angegriffen wurden. Und es gibt Onshore- und Offshore-Operationen, das ist ein großer Unterschied, aber schon die Störung des Transports und der Mobilität in der ganzen Region, und die Situation des Hafens von Mocimboa da Praia – das bedeutet Extrakosten. Die Unternehmen sind sehr beunruhigt, soviel steht fest."

Extrem korruptes System

Nicht wenige sagen, für das extrem korrupte Mosambik wäre keine Erdgasförderung besser, als dem Fluch des Rohstoffreichtums zu erliegen. Der Reichtum käme möglicherweise nur einer kleinen Elite zu Gute.

Der Soziologe João Feijó meint, für die Menschen im vermeintlichen Erdgas-El-Dorado seien bislang nur Luftschlösser errichtet worden. Gut bezahlte Jobs in Cabo Delgado gingen in der Regel an Fachkräfte von außerhalb:

"Die lokale Bevölkerung hat von der Angelegenheit nichts gehabt. Die Ungleichheit zwischen Einheimischen und Fremden ist gewachsen. Das frustriert die einheimische Jugend, der versprochen worden war, alles wird gut, es wird Beschäftigung geben und so weiter. Viele sind sehr enttäuscht, und das haben sich die gewalttätigen Gruppen geschickt zu Nutze gemacht."

Die weltweit zu erwartende Energiewende verbessert die Aussichten nicht. Generell gilt Erdgas als Brücken-Technologie auf dem Weg hin zu erneuerbaren Energien. Für Mosambik bedeutet das: Je später diese Brücke gebaut und je später das Gas gefördert wird, desto größer ist das Risiko, dass sich die Investition nicht mehr lohnt. Angesichts des Klimawandels wenden sich Investoren zunehmend ab von klimaschädlichen, fossilen Brennstoffen. Erdgas zählt dazu.

Auch in Mosambik ist eine Absetzbewegung zu beobachten. Das Energieunternehmen Shell zog sich vergangenes Jahr aus Mosambiks Gasprojekten zurück. ExxonMobil verschob seine Investitionsentscheidung und macht sie von der Preisentwicklung beim Gas abhängig. Der norwegische Düngemittelhersteller Yara, der Mosambiks Erdgas im Land für die Produktion von Dünger nutzen wollte, sprang ebenfalls ab. Eine der letzten Meldungen: Der brasilianische Energiekonzern Vale gibt seine Kohleförderung in Mosambik auf. Während die Bevölkerung stetig wächst, auf derzeit rund 30 Millionen, bleibt das Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen zurück.

Wie sollen die jungen Menschen dann Arbeit finden? In Cabo Delgado ist das, angesichts des islamistischen Terrors, eine Schlüsselfrage. Hinzu kommt: Die Region wurde lange vernachlässigt und die wirtschaftlichen Perspektiven haben sich durch den Konflikt massiv verschlechtert. Davon kann Amorani Aruni erzählen:

"In meinem Büro gab es Computer, Fotokopierer, Scanner, alles, und jetzt habe ich nichts mehr." Der 33-jährige Wirtschaftsprüfer sitzt im Konferenzzimmer der Unternehmensvereinigung in der Provinzhauptstadt Pemba. Aruni ist wie so viele geflüchtet. Sein Besitz wurde niedergebrannt, als Al-Shabaab-Terroristen im Juni die Hafenstadt Mocimboa da Praia angriffen.

In this handout photo provided by the World Food Program on Tuesday, Sept. 22, 2020, a woman carries a child on her back after collecting a monthly food voucher in Cabo Delgado Province, Mozambique, Thursday, Aug. 27, 2020. The WFP says the escalating extremist insurgency in northern Mozambique has displaced 310,000 people, creating an urgent humanitarian crisis. (Falume Bachir/World Food Program via AP) (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Falume Bachir)Eine Frau mit ihrem Kind, nachdem sie den monatlichen Lebensmittelgutschein abgeholt hat (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Falume Bachir)

Der 40-jährige Mamudo Irache, der ebenfalls in dem Konferenzraum sitzt, führte ein Mischunternehmen in Muidumbe, etwas weiter im Inneren von Cabo Delgado: Transport, Schreibwaren, Restaurant mit Bierausschank. Die Bar hat Irache als erstes geschlossen, um den Zorn der Islamisten nicht zu provozieren. Offiziell mögen sie nicht, dass Alkohol ausgeschenkt wird:

"Eu tinha 35 empregados. – E agora? - Agora: Dois." Nur noch zwei Angestellte hat er statt 35. Ein Teil seiner Transportfahrzeuge ist verbrannt, erzählt er, außerdem sein Lager, sein Büro.

Irache und seine Kolleginnen und Kollegen hoffen auf Unterstützung vom Staat, den Banken oder von ausländischen Gebern, um neu anfangen zu können. Ob das in Cabo Delgado sein wird, wissen sie nicht.

Der Chef des Unternehmensverbandes, Gulamo Abobakar, konstatiert, dass die Beschäftigungssituation schon vorher schwierig war: "In dieser Provinz gibt es im Wesentlichen nur die Landwirtschaft. Schon jetzt haben wir eine sehr hohe Arbeitslosigkeit in Pemba."

Um Jobs zu schaffen und potentiellen Rekruten der Terroristen eine Alternative zu bieten, hat die Regierung eigens eine Entwicklungsagentur für den vernachlässigten Norden gegründet. Aber Resultate ihrer Arbeit lassen bisher auf sich warten.

Beobachterin: Langer Atem ist nötig

Ohne Unterstützung aus dem Ausland, da sind sich alle befragten Expertinnen und Experten einig, werden die Terrorkrise und ihre Folgen für Mosambik nicht zu bewältigen sein. João Feijó von der "Beobachterstelle für ländliche Entwicklung":

"Ohne konzertierte internationale Hilfe, ohne eine Agentur für Entwicklung – die effektiv ist und die institutionelle Macht hat, um wirklich etwas umzusetzen – werden wir weiterhin ein humanitäres Drama erleben. Die Armut wird größer. Und diese Armut ist der Nährboden für die radikalen und gewalttätigen Gruppen."

Feijó fordert, endlich die Führung des Terrors in seinem Land zu entlarven. Gleichzeitig warnt er davor, in erster Linie auf militärische Lösungen zu setzen. Die Regierung müsse sich bemühen, die Bevölkerung für sich zu gewinnen und die sozialen und politischen Ursachen des Terrors bekämpfen. Viele Expertinnen und Experten rechnen damit, dass es zehn Jahre dauert, bis Cabo Delgado wieder zur Ruhe kommt.

Ein langer Atem sei nötig, meint auch die Mosambik-Analystin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Melanie Müller. Bevor Europa Zusagen mache, etwa im Hinblick auf militärische Trainings für mosambikanische Sicherheitskräfte, müsse es Bedingungen stellen: "Wir sollten uns erstmal angucken, was die Mosambikaner da genau vorhaben und das ganzheitlich bewerten. Und was nicht passieren sollte, – und das ist glaube ich, eine große Lektion, die man aus dem Sahel lernen kann – ist, dass man einseitig auf militärische Lösungen setzen kann."

Ebenso wichtig wie eine bessere Schulung des Militärs ist nach Auffassung von Melanie Müller, Institutionen, Verwaltung und Wirtschaft zu stärken und die lokale Bevölkerung noch mehr in die Friedensbemühungen einzubinden:

"Es geht darum auch mit der Zivilgesellschaft vor Ort eine wirklich gemeinsame Lösung zu finden, wo verschiedenste Akteure, religiöse Akteure, soziale Akteure, ökonomische Akteure einbezogen werden. Sowas dauert halt."

Bürger-Beteiligung statt Durchgreifen – das war bislang nicht der Stil der seit Jahrzehnten regierenden Frelimo-Partei. Nahezu alle Posten, die der Staat zu vergeben hat, gehen an ihre Parteigängerinnen und Parteigänger. Die jüngsten Wahlen 2019, rügten Wahlbeobachter der USA und der EU, waren manipuliert. Die Krise in Cabo Delgado wurde dagegen von der Regierung lange ignoriert. Bis sie so groß wurde, dass selbst das ferne Europa sie nicht länger übersehen kann.

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