Karnevalswagen
Moskauer Gericht bestätigt Haftstrafe gegen Satiriker Tilly

Ein Berufungsgericht in Moskau hat die Strafe gegen den wegen seiner Karnevalswagen zu achteinhalb Jahren Haft verurteilten Düsseldorfer Satiriker Jacques Tilly bestätigt. Ein Richter gab die entsprechende Entscheidung des dreiköpfigen Kollegiums bekannt.

    Tilly steht vor dem Wagen und breitet mit spöttischem Lächeln beide Arme aus. Es ist dunkel. Dahinter der Wagen, in dem eine Putin-Figur den Düsseldorfer Schalk "Hoppeditz" mit einem Schwert aufspießt. Dieser schlägt Putin mit einer Klatsche auf den Kopf.
    Der Wagenbauer des Düsseldorfer Straßenkarnevals, Jacques Tilly, vor einem Mottowagen zu Russlands Präsident Putin. (dpa / Bonn.digital / Marc John)
    Pflichtverteidigerin Dudkina hatte das Revisionsverfahren vor Gericht mit Verfahrensfehlern begründet. Das lehnte das Gericht nun ab. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel.
    Ein Moskauer Gericht hatte im April in Abwesenheits Tillys geurteilt, dass sich der 62-Jährige mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte Kremlchef Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine immer wieder satirisch angeprangert.
    Die Bundesregierung kritisierte den Richterspruch als "absurdes Schauspiel" und bekannte sich gleichzeitig zur Freiheit der Kunst. Eine Auslieferung nach Russland muss Tilly nicht befürchten.
    Diese Nachricht wurde am 09.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.