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StartseiteKalenderblattMotorsport als Schicksal24.04.2008

Motorsport als Schicksal

Vor 25 Jahren verunglückte der Autorennfahrer Rolf Stommelen tödlich

Er galt als größtes Talent des deutschen Motorsports: Zusammen mit Paul Newman fuhr er die "24 Stunden von Le Mans", 1970 gelang ihm der Sprung in die Formel 1. Am 24. April 1983 verunglückte Rolf Stommelen beim Sechs-Stunden-Rennen von Riverside in Kalifornien tödlich.

Von Thomas Jaedicke

Ein Formel-1-Rennen am Nürburgring. (AP Archiv)
Ein Formel-1-Rennen am Nürburgring. (AP Archiv)

"Das ist mit einem Wort nicht zu sagen. Das ist nicht Ruhm allein." (Rolf Stommelen)

Am Nachmittag des 27. April 1975 liegt Rolf Stommelen beim Großen Preis von Spanien in Führung. Etwa die Hälfte des Rennens ist absolviert; einige Konkurrenten sind bereits ausgefallen. Schon nach der ersten Runde hat Emerson Fittipaldi seinen McLaren-Ford abgestellt. Das ist der Protest des Formel-1-Weltmeisters gegen die schlechten Sicherheitsvorkehrungen auf dem schwierigen Montjuich-Stadtkurs von Barcelona. Falls der Grand Prix bestreikt werden sollte, hatte das Franco-Regime angedroht, alle Rennwagen zu beschlagnahmen.

"Das ist nicht Geld. Das ist alles... kommt da zusammen." (Rolf Stommelen)

In der 25. Runde bricht an Stommelens "Lola" der Heckflügel. Der Wagen hebt ab, fliegt über die Leitplanke, kracht in die Zuschauerränge. Fünf Menschen sterben. Rolf Stommelen wird aus dem Cockpit geschleudert, kommt mit Knochenbrüchen davon.

"Das ist eben Schicksal, würde ich sagen." (Rolf Stommelen)

"Haben Sie Angst vor dem Tod?" (Interviewer)

"Ja." (Rolf Stommelen)

Das Rennen in Barcelona wird nach dem fürchterlichen Unfall abgebrochen. Jochen Maas, Fittipaldis Teamkollege bei McLaren-Ford, liegt zu diesem Zeitpunkt in Front und kommt so zum einzigen Formel-1-Sieg seiner Karriere. Der Formel 1-Zirkus kehrt nach diesem Unglück nie wieder auf den gefährlichen Stadtkurs der katalanischen Hauptstadt zurück. Genauso ein schwerer Unfall wie der von Barcelona wird Stommelen acht Jahre später zum tödlichen Verhängnis werden.

Wahrscheinlich bekam der Siegener KfZ-Lehrling Rolf Johann Stommelen 1961 den Kick. Zur bestandenen Prüfung schenkte ihm der Vater einen Porsche Super 90, mit dem der Sohn seine ersten Runden auf dem Nürburgring drehte. Schnell wurde sein Talent entdeckt. 1966 nahm ihn Porsche unter Vertrag. Stommelen fuhr zusammen mit Paul Newman die "24 Stunden von Le Mans", machte sich in der Szene einen Namen. Doch immer wieder warfen ihn schwere Unfälle zurück.

"Eine Handverletzung, Schürfungen am Unterarm, die Schulter hatte ich ausgekugelt, und an der Pfanne war ein kleines Stück Knochen abgesplittert. Das Schlimmste jedoch waren die Fingerverletzungen. Die Sehnen waren ab, und die Gelenke sind sehr stark beschädigt."

Rolf Stommelen machte weiter. Von 1968 an fuhr er mit künstlichen Fingergelenken und gewann zum ersten Mal das 24-Stunden-Rennen von Daytona Beach in Florida. Diesen Erfolg wiederholte er noch drei Mal. Dann kommt die Formel 1 auf ihn zu. Die erste Saison, 1970 im Brabham Ford, verläuft verheißungsvoll. Stommelen qualifiziert sich für zehn von 13 Rennen, wird in der Gesamtfahrerwertung Elfter. Viermal fährt er in die Punkte: In Österreich wird er Dritter, in Hockenheim, Belgien und Monza Fünfter. An die Erfolge der ersten Saison kann Rolf Stommelen jedoch nie mehr anknüpfen. Bis 1978 fährt er in der Formel 1 noch 53 Rennen, kann aber nie gewinnen.

"Einen normalen Büroangestellten oder so, den würde man nie bewundern. Und eben meine Tätigkeit, finde ich, ist etwas Besonderes. Und deswegen wird man bewundert."

Nicht weit von Los Angeles, im Moreno Valley, liegt der Riverside International Raceway. Am 24. April 1983 steht Rolf Stommelen in einem Porsche 935 am Start zum Sechs-Stunden-Rennen von Riverside. Stommelen ist für Jochen Maas eingesprungen. Am Ende des Jahres will Stommelen aufhören, Rennen zu fahren. Das hat er seiner Frau versprochen.

Auf Platz zwei liegend, rast Rolf Stommelen mit knapp 300 Stundenkilometern über die zweieinhalb Kilometer lange Gerade. Er schaltet herunter, will die folgende Linkskurve ansteuern. Der Heckflügel des 935er Fitzpatrickporsche löst sich. Der Wagen bricht aus, hebt ab, fliegt über die Leitplanke und prallt gegen eine Betonwand.

Rettungskräfte befreien den 39-jährigen Rennfahrer aus dem Wrack und bringen ihn in die Klinik von Riverside. Eine Stunde später geben die Ärzte Rolf Stommelens Tod bekannt. Die offizielle Todesursache lautet: Herzversagen.

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