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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie sauber wird die WM?14.06.2018

Mülltrennung in RusslandWie sauber wird die WM?

Der Fußball-Weltverband FIFA will es so: In Stadien, Presse-Zentren und Fan-Zonen soll während der Weltmeisterschaft der Müll getrennt werden. Doch ansonsten steckt das Sortieren, getrennte Entsorgen und Recyceln von Müll in Russland noch in den Kinderschuhen.

Von Thielko Grieß

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Entsorgung von Haushaltsabfällen Blick in eine gelbe Wertstofftonne am Straßenrand (imago stock&people)
Vor einem Jahr klappte es beim Konföderationspokal in Russland nur bedingt mit der Mülltrennung. (imago stock&people)
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Für viele Russen ist das ein vertrauter Klang: Abfall verschwindet im Müllschlucker, der Müll fällt aus den Etagen der oft vielgeschossigen Wohnhäuser hinunter ins Erdgeschoss und wird auf eine Deponie gekippt. Mülltrennung und -aufbereitung existieren in Russland längst nicht flächendeckend.

Die Weltmeisterschaft soll nun aber mit gutem Beispiel vorangehen, sagt Milana Werchunowa, die beim russischen WM-Organisationskomitee für Nachhaltigkeit zuständig ist. "Wir stellen je zwei Behälter, die mit wenig Nachdenken zu verstehen sind: Der eine ist gelb und der andere grün. In einem Behälter wird alles entsorgt, was recycelt werden kann, in einem anderen Behälter der Restabfall. Müll aus dem ersten Behälter wird an jedem Stadion weiter sortiert und zur Verarbeitung geschickt."

Vor einem Jahr beim Konföderationspokal sind allerdings nachweislich, etwa am Stadion von Sankt Petersburg, auch verschiedenfarbige Müllbehälter aufgestellt worden, doch Müllmänner haben deren Inhalte bei der Abholung gleich wieder zusammen gekippt. Aber nun gebe es ja Sortieranlagen, die garantiert genutzt würden, heißt es zum Beispiel bei der Stadt Moskau. Die Mülltrennung ist eine Anforderung des Fußball-Weltverbands FIFA. Sie gilt nur in wenigen Gebieten der WM-Städte: Stadien, Pressezentren, Fan-Zonen. Weite Teile Russlands haben von den WM-Bemühungen also erst einmal nichts.

Mülltrennung noch lange kein Standard in Russland

Eine ganz andere Welt, jedenfalls was die Müllsammlung, -trennung und -entsorgung betrifft, ist die Stadt Saransk, gelegen rund 600 Kilometer südöstlich von Moskau. Julia, eine Mutter, die mit ihren Kindern im Viertel wohnt, nimmt auf dem Weg nach draußen ihre Müllsäcke mit und entsorgt sie in drei verschiedenen Mülltonnen: getrennt nach Verpackungsmüll, PET-Flaschen und Restmüll. "Die Flaschen dorthin und da Papier", sagt eine Tochter. Und die Mutter selbst erklärt: "Wir haben den Kindern erzählt, woraus Papier gemacht wird, haben erzählt, dass sonst keine Bäume mehr übrig bleiben. Das ist vielleicht extrem, aber diese Schritte haben wir unternommen. Zusätzlich haben wir Lehrmaterial, ein Kinderbuch, in dem erzählt wird, was woraus gemacht wird."

Das Material stammt von dem deutschen Unternehmen Remondis, das auch in Schulen und im örtlichen Fernsehen erklärt, wie Mülltrennung funktioniert. Die Müllbehälter hat das Unternehmen an Dutzenden Standorten im Stadtgebiet aufgestellt, nach eigenen Angaben auf eigene Kosten. Remondis ist in Saransk seit sieben Jahren tätig. Von vielen angesprochenen Städten habe nur diese Stadt Interesse an Abfalltrennung gezeigt, berichtet Swetlana Bigesse, Leiterin der russischen Niederlassung des Abfallentsorgers. "Das war für uns wichtig, mit diesem Beispiel den russischen Städten zu zeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, auch in einer russischen Stadt eine Abfalltrennung aufzubauen."

Wertstoffe bringen noch keinen Gewinn

Nicht alle, aber viele Anwohner, die im Verlauf einer Stunde zu diesen Tonnen kommen, haben ihren Müll auseinander sortiert. Die Müllgebühren seien in den Jahren um gut ein Drittel gestiegen, wovon etliche Prozente aber durch Inflation ausgeglichen worden seien. "In dem Zustand, wie es jetzt in Russland ist, werden natürlich die kompletten Kosten nur teilweise durch den Vertrieb von verkauften Wertstoffen gedeckt." Gewinn, so Bigesse, erziele Remondis in Saransk mit dem Haus- und Gewerbemüll, der ungetrennt auf einer jahrzehntealten Deponie entsorgt werde. Sortieranlagen gebe es bislang auch nicht, was bedeutet: Trennen die Bürger den Müll nicht selbst, macht es niemand an ihrer Stelle.

Das gilt auch für den Müll, den in Saransk die WM-Fans hinterlassen – in der Stadt werden vier Spiele ausgetragen. In den nächsten Jahren wolle das Unternehmen in Sortieranlagen investieren, wenn die Gesetze, die es schon gebe, angewendet würden und dadurch Verlässlichkeit entstehe. "Bis jetzt reden viele Politiker nur über die Notwendigkeit der Wertstofftrennung", aber in vielen Regionen Russlands sei noch gar nichts passiert. Das alles zeigt: Ein Anfang ist gemacht. Aber er ist zäh.

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