Sonntag, 28.02.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteKommentare und Themen der WocheEin flammendes NATO-Bekenntnis von Joe Biden19.02.2021

Münchener SicherheitskonferenzEin flammendes NATO-Bekenntnis von Joe Biden

Bei seinem Online-Auftritt auf der Münchener Sicherheitskonferenz klang Joe Biden fast wie ein transatlantischer Romantiker, kommentiert Bettina Klein. Während der US-Präsident damit einen Wendepunkt markierte, klangen die Reden von Angela Merkel und Emmanuel Macron wenig feierlich.

Ein Kommentar von Bettina Klein

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
French President Emmanuel Macron, right on screen, attends a video-conference meeting with U.S. President Joe Biden and German Chancellor Angela Merkel, center, ahead of 2021 Munich Security Conference at the Elysee palace in Paris, Friday Feb. 19, 2021. (Benoit Tessier/Pool via AP) (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Benoit Tessier)
Die Münchener Sicherheitskonferenz fand in diesem Jahr als Online-Konferenz statt (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Benoit Tessier)
Mehr zum Thema

Digitale Münchner Sicherheitskonferenz "Die Pandemie hat zu einer Lähmung der internationalen Diplomatie geführt"

Europa und die USA Trumps schwieriges transatlantisches Erbe

Transatlantische Beziehungen "Grundlage für engere Zusammenarbeit ist gegeben"

"Wir werden zurückkommen", rief Joe Biden vor zwei Jahren den Gästen der Münchener Sicherheitskonferenz zu. Sie sogen seine Worte begierig auf im Saal des Hotels Bayrischer Hof, wenn auch ungläubig. In der Mitte der Amtszeit von Donald Trump schien ein Ende dieses Albtraums kaum vorstellbar. Und Biden wie ein Relikt einer anderen, vergangenen, besseren Zeit im transatlantischen Verhältnis.

US-Präsident Joe Biden telefoniert im Oval Office des Weißen Hauses.  (imago / ZUMA Wire / Adam Schultz) (imago / ZUMA Wire / Adam Schultz)Münchener Sicherheitskonferenz: Joe Biden – mehr als nur ein Gast
Es ist das erste internationale Gipfeltreffen, an dem Joe Biden nach seiner Vereidigung als US-Präsident teilnimmt. Doch unbekannt ist er bei der Münchner Sicherheitskonferenz nicht. Bei seinem Auftritt dürfte der Schwerpunkt auf dem Neuanfang der Beziehungen zwischen den USA und ihren europäischen Partnern liegen.

Er konnte nicht ahnen, dass er nur 24 Monate später selbst zurück sein würde – als Präsident der Vereinigten Staaten. Rückblickend betrachtet erscheint es immer noch wie ein Wunder. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur durch eine Pandemie, die auch diese Veranstaltung in den Online-Modus zwingt.

Europa möchte sich selbständig machen

Europa scheint zu sehr durch die letzten vier Jahre gelitten zu haben, die Wunden sind nicht verheilt, das Vertrauen in die Demokratie der USA massiv gesunken, die Sorge das ähnliches wiederholen könnte nicht ausgeräumt. Europa möchte sich selbständig machen. Und auch autoritäre Staaten wie Russland und China nicht als Partner ausschließen.

Die sich an Biden anschließenden Reden von Angela Merkel und Emmanuel Macron klangen gemessen an dem Kontrast zu den letzten vier Jahren im Weißen Haus wenig feierlich, eher rational, orientiert an konkreten Aufgaben aus europäischer Sicht. Oder sollte man sagen aus deutscher und französischer Sicht.

Das Wort eines US-Präsidenten

Die Pandemie und die Krisen in Afrika standen bei Merkel im Vordergrund. Macron wiederholte seinen Punkt der Reformbedürftigkeit der NATO und des notwendigen Dialogs mit Russland. Strategische Autonomie Europas im Focus - es drückte das deutlich gewachsene Selbstbewusstsein gegenüber den USA aus.

Dagegen klang Joe Biden fast wie der transatlantische Romantiker als der er manchmal beschrieben wird. Amerika ist zurück, das transatlantische Bündnis ist zurück. Es ist der Grundpfeiler der US-Außenpolitik, so Biden. Wir sind an einem Wendepunkt an dem sich historisch die Zukunft unserer Demokratien entscheidet. Ein flammendes Bekenntnis zu Artikel 5, der Beistandserklärung der NATO. Am Ende zählt noch immer das Wort eines amerikanischen Präsidenten. Und dieses Wort ist zurück, und nicht nur das. Europa sollte sich nicht täuschen. Und nicht vergessen, wie viel das Wert ist.

Bettina Klein (Bettina Fürst-Fastré)Bettina Klein (Bettina Fürst-Fastré)Bettina Klein ist Korrespondentin des Deutschlandradio im Studio Brüssel. Zuvor war sie seit 2004 Moderatorin und Redakteurin der aktuell-politischen Sendungen im Deutschlandfunk, davor im Deutschlandradio Kultur. Korrespondentenvertretungen in Washington. Recherche-Jahr in den USA. Volontariat im RIAS Berlin und Studium der Fächer Religionswissenschaften, Geschichte und Politik.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk