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StartseiteWirtschaft am MittagMünchner Rück legt Naturkatastrophen-Bilanz 2012 vor03.01.2013

Münchner Rück legt Naturkatastrophen-Bilanz 2012 vor

Allein Hurrican Sandy verursachte Schäden in Höhe von 25 Milliarden Dollar

Dürre und Wirbelstürme haben 2012 einen Gesamtschaden von 160 Milliarden Dollar verursacht. So die Bilanz der weltgrößten Rückversicherung. Eine Tendenz zeichnete sich dabei erneut ab: Durch den Klimawandel nehmen Unwetter zu und werden heftiger. Versicherungen könnten deshalb teurer werden.

Von Lisa Weiß

Zerstörtes Haus nach dem Hurrikan "Sandy" in New Jersey (dpa / picture alliance / Saed Hindash)
Zerstörtes Haus nach dem Hurrikan "Sandy" in New Jersey (dpa / picture alliance / Saed Hindash)

Die gute Nachricht zuerst: Die Schadensbilanz 2012 fällt deutlich glimpflicher aus als im Vorjahr. 2011 war ein Rekordjahr – im negativen Sinn: Erdbeben und Atomkatastrophe in Japan, Erdbeben in Neuseeland, Überschwemmungen in Thailand. Trotzdem – für Ernst Rauch von der Munich Re war auch 2012 kein ruhiges, also schadensarmes Jahr.

"Das ist ein leicht verzerrter Eindruck, die Versicherungswirtschaft hat 2012 für Naturkatastrophen weltweit 65 Milliarden US-Dollar bezahlt. Das ist kein Rekordwert, aber immerhin die drittgrößte Schadenszahlung jemals"

Das liegt vor allem an Hurrican Sandy, der im November über die Ostküste der USA hinwegzog – der allein kostet die private Versicherungswirtschaft nach jetzigem Stand 25 Milliarden Dollar. Auch sonst haben vor allem Wetterkatastrophen in den USA die Schäden in die Höhe getrieben, sagt Ernst Rauch. Tornados, Unwetter, die Dürre im Sommer und andere Katastrophen machen 90 Prozent der versicherten Schäden und zwei Drittel der Gesamtschäden aus.

"Die Dürre USA war übrigens meteorologisch dadurch gekennzeichnet, dass die Temperaturen in den USA im Jahr 2012 Rekordmaße erreicht haben, das war das wärmste Jahr seit 100 Jahren. Und die Folge war, dass in der Ernteausfallversicherung Schäden in der Größenordnung von 15 bis 17 Milliarden Dollar zu bezahlen sein werden"

Zum Vergleich: Normalweise sind es nur Schäden in der Höhe von etwa neun Milliarden. Der Grund dafür - mit großer Wahrscheinlichkeit: der Klimawandel. Der spielt in einigen Regionen, zum Beispiel den USA, aber auch in Europa offenbar schon heute eine große Rolle: Unwetter nehmen zu und werden heftiger, bei den Erdbeben, die nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, ändert sich nichts. Das hat Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft – und auch auf die Kunden:

"Nun, bei den Wettergefahren, wenn sie denn versichert sind und wenn sie in einer Region sind, in der sich diese Entwicklungen so negativ darstellen, werden auch die Prämien nachgeführt werden müssen"

Im Klartext heißt das: Versicherungen könnten teurer werden. Natürlich sollte auch der Klimawandel möglichst gestoppt werden. Der ist für den Rückversicherer eines der größten Risiken. Zwar spielt auch die Finanzkrise eine Rolle. Die Munich Re hat im letzten Jahr hohe Verluste erlitten, weil sie griechische Staatspapiere abschreiben musste. Aber bei der Finanzkrise erkennt man die Auswirkungen wenigstens relativ schnell - anders als bei den Auswirkungen des Klimawandels:

"Wenn man hier die Zeitskala aufmacht, geht es nicht um ein oder zwei oder fünf Jahre, sondern um die Dimension 20 Jahre und darüber hinaus. Und mit dieser langen Zeitskala gehen wir davon aus, dass Veränderungen vor allem mitgetrieben durch den Klimawandel und die Naturkatastrophen, dass das eine mindestens so große Rolle spielen wird wie der Finanzsektor insgesamt"

Für die Versicherungsbranche ebenfalls schwierig: 2012 war ein Jahr, in dem es relativ viele Naturkatastrophen in Industrieländern gab. Dort haben viele Menschen Versicherungen abgeschlossen. Das heißt, wenn dort etwas passiert, müssen die Versicherer auch einen größeren Teil der Schäden bezahlen als in Entwicklungsländern. Aus humanitärer Sicht hat das allerdings einen großen Vorteil: Weil es relativ wenige Katastrophen in Entwicklungsländern mit schlechter Infrastruktur und schlechter medizinischer Versorgung gab, haben die Katastrophen auch weniger Todesopfer gefordert.

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