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StartseiteZwischentöneDer Dokumentarfilmer Valentin Thurn22.10.2017

Musik und Fragen zur PersonDer Dokumentarfilmer Valentin Thurn

"Taste the waste" - dieser Kinofilm machte den Filmemacher und Journalisten Valentin Thurn im Jahr 2011 weit über Deutschland hinaus bekannt. Dass ein Film über den Umgang der Menschen mit Lebensmittelabfall ein internationaler Erfolg wurde, hat manchen überrascht.

Im Gespräch mit Klaus Pilger

Der Filmemacher und Autor Valentin Thurn in Köln (Imago)
Der Filmemacher und Autor Valentin Thurn in Köln (Imago)
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Über Lebensmittelverschwendung hatte Thurn zunächst eine kleine Reportage gemacht. "Ich wollte verstehen, wie es kommt, dass so viel weggeworfen wird." Aus der weiteren Recherche wurde schließlich die Doku "Taste the waste": "Ich bin kein Ernährungsspezialist, aber das ist mein Lebensthema geworden", sagt Thurn. Beim Thema Essen gehe es um viel mehr als nur darum, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. "Da geht es um Soziales, da geht es um Gerechtigkeit. Es ist ein Kosmos, der uns Menschen verbindet."

In Deutschland werde fast die Hälfte aller Lebensmittel weggeschmissen, weltweit sei es ein Drittel. "Ich habe den klaren Verdacht, die Ernährungsindustrie will nicht, dass wir weniger wegwerfen, weil dann würde sie weniger verdienen", sagt Thurn. Der Dokumentarfilmer plädiert aber dafür, diese enorme Verschwendung als eine Art Reserve zu begreifen: Statt mehr anzubauen, sollten die Menschen lieber weniger wegwerfen. In diesem Kontext steht auch Thurns zweite Kinodokumentation "10 Milliarden" von 2015, in der er sich Gedanken darüber macht, wie eine ständig wachsende Weltbevölkerung mit Nahrung versorgt werden kann.

Foodsharing und Ernährungsrat Köln

Der studierte Geograph und Ethnologe Valentin Thurn, Jahrgang 1963, arbeitet mit deutlichen Botschaften und starken Bildern, aber er vermeidet dabei den anklagenden Zeigefinger. Mehr als 40 Fernsehdokumentationen zu sozialen, entwicklungs- und bildungspolitischen Themen hat er produziert. Er gründete die Online-Plattform foodsharing.de, die Verbrauchern, Herstellern und Händlern die Möglichkeit gibt, überschüssige Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.

In Köln hat er auf regionaler Ebene einen Ernährungsrat gegründet, der sich um Themen wie besseres Schulessen, Landwirtschaft in der Stadt und Direktvermarktung kümmert. 2014 erschien Thurns Buch "Harte Kost: Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt".

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