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StartseiteMusik-PanoramaTod, Verzweiflung, Hoffnung19.04.2019

Musik von Bach und TschaikowskyTod, Verzweiflung, Hoffnung

Zwei neue Aufnahmen aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal erkunden existenzielle Erfahrungen. In den Kompositionen von Tschaikowski, Juon, Bach und Pierini geht es tatsächlich um Leben und Tod. Das Delian Quartett und das Boulanger Trio gehen also aufs Ganze.

Am Mikrofon: Oliver Cech

Die lächelnden Musikerinnen des Boulanger Trio im Halbporträt mit einem Flügel im Hintergrund: Ilona Kindt, Karla Haltenwanger und Birgit Erz. (Felix Broede/Ultraschall)
Die Musikerinnen des Boulanger Trio: Ilona Kindt, Karla Haltenwanger und Birgit Erz. (Felix Broede/Ultraschall)

"Vor vielen Jahren", erinnerte sich der russische Komponist Paul Juon, "trat ich einmal in die Frauenkirche in München. Es waren nur wenige Leute darin. Vor einem Seitenaltar sah ich einen Mann stehen und blieb gebannt stehen; in seinem Antlitz spiegelte sich so unendlicher Schmerz wieder!" Die wortlose Begegnung mit dem Betenden hat Juon 1918 inspiriert zu der Ton­dichtung "Litanae" für Klaviertrio. Auf seiner neuen CD stellt das Trio Boulanger dieses zarte, selten zu hörende Stück an die Seite des Klaviertrios von Peter Tschaikowski. Komponiert in Erinnerung an seinen Freund und Förderer, den Pianisten Nikolai Rubinstein; die Erschütterung über den jähen Tod des Freundes prägt und trägt Tschaikowskis Musik.

"Einst sang ich. Ich singe das Lied. Schweigen werde ich" - In "Cantai un tempo", einem berühmten Madrigal des italienischen Komponisten Claudio Monteverdi, geht es wiederum um das Verstreichen der Zeit. Monteverdis Landsmann Stefano Perini (*1971) hat dieses Madrigal rund 400 Jahre später zum Ausgangs­punkt genommen für einen eigenen Zyklus. Pierinis "Cantai un tempo", entstanden 2017, gibt den affektgeladenen mehr­stimmigen Sätzen Monteverdis ein völlig neues Leben für Solostimme und Streichquartett. Diesen Epochensprung verbindet das Delian Quartett auf seiner neuen CD mit einer Musik, die jenseits der Epochen zu stehen scheint – zeit-lose Musik, reine Mathematik, mystischer Klang: "Die Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach, hier in einer Fassung für Streichquartett.

Paul Juon
Litanae, Tondichtung für Klaviertrio

Peter Tschaikowski
Klaviertrio a-Moll Op. 50

Boulanger Trio
Karla Haltenwanger, Klavier
Birgit Erz, Violine
Ilona Kindt, Violoncello

Stefano Pierini
Cantai un tempo

Johann Sebastian Bach
Die Kunst der Fuge BWV 1080

Delian Quartett
Adrian Pinzaru, Violine
Andreas Moscho, Violine
Georgy Kovalev, Viola
Miriam Prandi, Violoncello

Claudia Barainsky, Sopran

Die CDs sind erschienen bei den Labels Oehms (Delian Quartett) und Cavi (Boulanger Trio)

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