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StartseiteKalenderblattMusik zum Anschauen01.08.2006

Musik zum Anschauen

Vor 25 Jahren ging MTV auf Sendung

Als am 1. August 1981 der amerikanische Musiksender MTV auf Sendung ging, war "Video Killed The Radio Star" von den Buggles das erste Video, das rund 800.000 Haushalte in den USA sahen. Musik wurde zu einem visuellen Medium. Heute wird MTV von mehreren hundert Millionen Haushalten auf der ganzen Welt gesehen.

Von Michael Kleff

Eingang zur Sendezentrale von MTV in Berlin. (AP Archiv)
Eingang zur Sendezentrale von MTV in Berlin. (AP Archiv)
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"”Alright, I am J.J. Jackson and I am sitting in with the latest music video performances the way they were meant to be. It´s in stereo on MTV music television. You never look at music the same way again.”"

So kündigte J.J. Jackson eine der ersten Sendungen von MTV-Music Television an. Jackson gehörte zu den fünf Anfangs-VJs, Video-Jockeys, die statt Platten aufzulegen, Videos abspielten. Als am 1. August 1981 MTV auf Sendung ging, war "Video Killed The Radio Star" von den Buggles das erste Video, das rund 800.000 Haushalte in den USA sahen. Musik wurde zu einem visuellen Medium.

Die Idee zu einem Fernsehprogramm, dessen Inhalt sich ausschließlich auf Musikvideos konzentrierte, hatten Michael Nesmith, einst Mitglied der Gruppe "The Monkees", und John Lack, damals Manager bei einem gemeinsamen Musikunternehmen von American Express und Warner Brothers.

Einige heute berühmte Künstler wurden durch ihre Auftritte bei MTV bekannt - wie Duran Duran, Michael Jackson und Madonna. Für Danny Goldberg, als Artemis-Labelchef ein führender Vertreter der Plattenindustrie, unterstützten die Videos die Karriere der Musiker, weil sie ihnen eine ganz eigene Identität verschafften:

"Viele Künstler, mit einer theatralischen oder visuellen Komponente ihrer Auftritte, konnten das über einen nationalen Fernsehsender viel schneller vermitteln als es vorher möglich war. Auch Jimi Hendrix oder Janis Joplin besaßen diese dramatischen Seiten. Aber es brauchte Hunderte von Konzerten und Presseberichten, um dieselbe intensive Verbindung zum Publikum zu bekommen, die durch die Ausstrahlung von Videos auf MTV in nur wenigen Tagen entstand."

Jim DeRogatis, Buchautor und Musikkritiker der "Chicago Sun-Times", widerspricht. Für ihn hat MTV die einst intime Beziehung zwischen Musik und ihrem Publikum zerstört. Und um Rock´n´Roll - die erste Sendung hatte John Lack mit den Worten eröffnet, "Ladies and gentlemen, rock´n´roll" - ginge es bei den Musikvideos schon gar nicht:

"Rockmusik hat etwas mit Rebellion, Individualität und wilder Energie zu tun. MTV ging es von Anfang an aber um Pop für den "Mainstream" - um Geschäfte für den Massengeschmack. MTV hat sich immer gerne als radikaler Vorreiter neuer Musik betrachtet. Fakt ist jedoch, dass der Sender sich wie jedes andere globale Großunternehmen auch, nur dafür interessiert, was unter dem Strich herauskommt."

1984 wurden die "MTV Video Music Awards" ins Leben gerufen. Sie entwickelten sich schnell zu einer der wichtigsten Bühnen der Musikindustrie - neben den "Grammy Awards". Und Anfang der 90er Jahre wurde mit der Unplugged-Musik - ohne elektrische Verstärkung - eine neue Modewelle geschaffen. Als Reaktion auf Vorwürfe, man zeige fast ausschließlich Videos mit hellhäutigen Stars, kamen dann verstärkt Rapvideos ins Programm. Allerdings - so Jim DeRogatis - nur die dümmste und kommerziellste Version dieser Musik:

"MTV hat den 'Gangsta Rap' populär gemacht - Machogehabe, simpelste und monotone Grooves - Texte, die vor Sexismus und Rassismus nur so strotzen. Auf Kosten der Wurzeln - 'Roots'-Musik wird auf MTV nicht gespielt. Es wird alles auf den kleinsten gemeinsamen und sensationslüsternen Nenner reduziert. Auf das, was sich am leichtesten verkaufen lässt."

MTV wird heute von mehreren hundert Millionen Haushalten auf der ganzen Welt gesehen. Seit 1987 gibt es MTV Europe. Und seit 1997 können die Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch ein deutschsprachiges Programm empfangen. In den USA hat MTV längst eine absolute Monopolstellung. Der dem Viacom-Konzern gehörende Sender gibt dort vor, was im Radio gespielt wird in Sachen Pop, "Alternative Music" und "Rhythm & Blues". Noch einmal der Musikkritiker Jim DeRogatis:

"Wenn du Musik im Fernsehen haben willst, kommst du an Viacom nicht vorbei. Viacom gehört auch MTV2, die beiden Country-Musikprogramme CMT und TNN, Nickelodeon und und und. Es gibt keine nationale Kabelprogramm-Alternative für Musik im Fernsehen. Das ist das schlimmste Monopol in der Welt des Rock´n´Roll. Schlimmer als die Clear-Channel-Kette, der heute über 80 Prozent aller Konzerthallen in Amerika gehören."

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