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StartseiteAtelier neuer MusikVon "Arms" zu "Arts"20.02.2016

Musikalische Umnutzung von HeeresgerätenVon "Arms" zu "Arts"

"Rock Musik", so brachte es der Medientheoretiker Friedrich Kittler auf den Punkt, sei "ein Missbrauch von Heeresgerät." Das Bonmot gilt insbesondere für die Avantgarden: Die Futuristen besangen den Krieg in abstrakter Verehrung der Gefahr und der Maschine.

Von Anna Schürmer

Ein Tonbandgerät steht in einem Tonstudio des deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig (picture alliance / dpa / Foto: Jan Woitas)
Wichtiges "Instrument" der Avantgarde nach 1945: das Tonband (picture alliance / dpa / Foto: Jan Woitas)

Die elektronische Musik nach 1945 basierte auf elektroakustischen Technologien, die für Kriege entwickelt und nun ästhetisch umgenutzt wurden: Pierre Schaeffers "musique concrète" und Edgard Varèses "'son organisé" wurden durch Manipulation von Tonbändern geschaffen. Diese waren ebenso eine elektroakustische Kriegsinnovation, wie die Sinustongeneratoren, die Karlheinz Stockhausen zu Musikinstrumenten umfunktionierte. Die geräuschhaften und wummernden Lautsprecherklänge erinnern nicht zufällig an detonierende Katerakte: Ob Magnettonband, HiFi-Technik, Stereofonie, Synthesizer oder Vocoder: Jede einzelne dieser Techniken geht auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Auch die Technologien der heutigen Kriege erfahren in der experimentellen Musik eine Ästhetisierung. Autorin Anna Schürmer zeichnet klingend nach, wie "Arms & Technology" zu "Arts & Technology" wurden.

 

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