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StartseiteKalenderblattMusikalisches Herzstück13.02.2010

Musikalisches Herzstück

Vor 25 Jahren wurde in Dresden die Semperoper wiedereröffnet

Architekt Gottfried Semper wurde lange Zeit vergessen, bis er vor 20 Jahren neu entdeckt wurde. In Dresden war das immer anders, wo der Architekt gleich zweimal ein Hoftheater baute. Das zweite, die berühmte Semperoper, sank am 13. Februar 1945 in Schutt und Asche. 40 Jahre später konnte die wiedererrichtete Oper neu eröffnet werden.

Von Adolf Stock

Erst nach der Wende wurde die Semperoper wieder weltweit wahrgenommen.   (AP)
Erst nach der Wende wurde die Semperoper wieder weltweit wahrgenommen. (AP)

In Dresden war es bitterkalt als etwa 200.000 Menschen auf dem Theaterplatz zusammenkamen, um die Wiedereröffnung der Semperoper, des nunmehr dritten Theaterbaus, zu feiern. Die Elbmetropole hatte ihr musikalisches Herzstück zurück, wie Kammersänger Theo Adam im DDR-Rundfunk stolz verkünden konnte.

"Es ist für mich als Künstler, der seiner Heimatstadt Dresden seit Jahrzehnten verbunden ist, ein tiefbewegender Augenblick, Sie aus der wiedererstandenen Semperoper herzlich begrüßen zu können. Mit Webers Freischütz klangvoll eröffnet, wird dieses Haus, dessen bin ich sicher, der Kunststadt Dresden und darüber hinaus unserem ganzen Land neue künstlerische Impulse geben."

Bereits die zweite Dresdner Hofoper wurde schlicht Semperoper genannt. Eine Hommage an den Architekten Gottfried Semper, der sich von der Architektur Karl Friedrich Schinkels bewusst abgrenzen wollte. Der Kunsthistoriker Henrik Karge schrieb:

"Sein Konzept der Neorenaissance wurde als Befreiungsschlag aus dem Korsett des Klassizismus empfunden."

Semper hatte schon das erste Dresdner Hoftheater im Stil der Frührenaissance entworfen. 1841 konnte es eröffnet werden. Das kräftige Halbrund des Baus erinnerte an ein antikes Amphitheater. Eine Architektur, die auch Richard Wagner gefiel, der hier am Dirigentenpult stand.

Am 21. September 1869 fiel das Haus einem Brand zum Opfer. Bald darauf wurden eine halbe Million Taler für einen Neubau bewilligt. Die Kunstfreunde der Stadt protestierten solange, bis Gottfried Semper den Auftrag erhielt. Es wurde kein Wiederaufbau. Semper legte ganz neue Pläne vor, er verschob die Oper, so dass zwischen Zwinger, Bildergalerie und Elbe ein völlig neuer Stadtraum entstand, der heute zu den eindrucksvollsten Silhouetten des 19. Jahrhunderts gehört.

1871 wurde der Grundstein gelegt. Sempers Sohn Manfred übernahm die Bauleitung. Der Vater zog es vor, nicht nach Sachsen zurückzukehren, weil er 1849 wegen der niedergeschlagenen bürgerlichen Revolution geflohen war. Sieben Jahre dauerten die Bauarbeiten, dann konnte das zweite Hoftheater feierlich eröffnet werden.

Musikalisch spielte Dresden jetzt in der ersten Liga. Die Semperoper wurde zur ersten Adresse für Uraufführungen von Richard Strauss. Berühmte Dirigenten wie Ernst Edler von Schuch, Fritz Busch oder Karl Böhm standen am Pult, und das Orchester gehörte zu den größten und besten der Welt. Im August 1944 wurde das zweite Hoftheater kriegsbedingt geschlossen. Ein paar Monate später versank Dresden im Bombenhagel: Die Semperoper war nur noch eine Ruine.

Gut 20 Jahre später begann der Wiederaufbau. Fast zwei Jahrzehnte wurde geplant und gebaut, Chefarchitekt Wolfgang Hänsch hatte viel Unterstützung bekommen. Baupläne aus Zürich, München und Wien ermöglichten eine exakte Kopie des Originals.

Das edle Eichenfurnier und der lichtgrüne Marmor waren schon zu Sempers Zeiten nicht echt. Doch das Kulissenhafte des Baus war nicht nur Sparsamkeit, es gehörte zum Selbstverständnis eines Architekten, der über die Vielfarbigkeit der Antike und den textilen Charakter der Architektur gründlich nachgedacht hatte. Kunst und Technik verschmolzen bei Semper zu einer symbiotischen Einheit, zu einem unübertroffenen Gesamtkunstwerk. Als sich am 13. Februar 1985 in der Semperoper wieder der Vorhang hob, war die gesamte SED-Prominenz angereist. Intendant Gerd Schönfelder sprach mahnende Worte.

"Da verbergen sich darin natürlich gleich einige komplizierte Aufgaben, dass Worte allein nicht genügen für den Dank an die Werktätigen, sondern dass hier die Künstler ihren Dank dadurch zum Ausdruck bringen müssen, dass sie an das, was in Stein hier vor uns steht und in bildkünstlerischer Arbeit vor uns liegt, auch musikalisch auf diesem Niveau zur Geltung bringen."

Doch gerade musikalisch begann eine schwierige Zeit. Erst nach der Wende wurde die Semperoper, dank Künstlern wie Christoph Albrecht und Giuseppe Sinopoli wieder weltweit wahrgenommen.

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