Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 11:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKalenderblattMusiker und Multitalent05.04.2009

Musiker und Multitalent

Vor 225 Jahren wurde der Komponist Louis Spohr geboren

Er galt als einer der besten Geiger der Welt, auch als Komponist war er international angesehen und er war einer der ersten Dirigenten der Musikgeschichte, die mit Taktstock vor das Orchester traten. Der vor 225 Jahren geborene Musiker Louis Spohr war ein musikalisches Multitalent. Heute sind seine Kompositionen weitgehend in Vergessenheit geraten.

Von Sabine Fringes

Über 200 Werke komponierte Louis Spohr. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Über 200 Werke komponierte Louis Spohr. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

"'Messieurs, le grand compositeur Spohr vient d'arriver dans votre ville, le voici!' Auf diesen Anruf erhob sich die ganze Versammlung, alles klatschte, schrie: 'Vive Spohr, le grand Spohr!' - und ein wahrer Blumenregen ergoss sich von allen Seiten über ihn."

Wie einen Fürsten empfing das Genter Konzertpublikum im Jahr 1847 Louis Spohr, und das, obwohl der 63-Jährige nur als Durchreisender in die flandrische Stadt gekommen war.

Der Applaus galt sowohl dem Komponisten als auch dem Geiger Spohr, dem Schöpfer eines eigenen, originären Violinstils. Ehrgeizige Talente aus ganz Europa und sogar den USA suchten ihn auf, um sich bei ihm den letzten Schliff zu holen. Der allseits gefürchtete Leipziger Kritiker Friedrich Rochlitz:

"Die Seele, die er seinem Spiele einhaucht, der Flug der Phantasie, das Feuer, die Zartheit, die Innigkeit des Gefühls, der feine Geschmack (…) das macht ihn zum wahren Künstler."

Louis Spohr wird am 5. April 1784 in Braunschweig als Sohn eines Arztes geboren. Schon mit 15 spielt er als Geiger in der Braunschweiger Hofkapelle, mit 20 beginnt er seine ersten Konzertreisen: Lob allerorten, nach einem Auftritt in Venedig gilt er manchen gar als ein besserer Virtuose als sein nur zwei Jahre älterer Kollege Niccolo Paganini.

Für Aufsehen sorgt Spohr bald auch im Duo mit der Harfenistin Dorette Scheidler, die er 1806 heiratet. Die zierliche Frau mit der großen Pedalharfe und der nahezu zwei Meter messende Spohr mit der vergleichsweise kleinen Geige sind die Sensation der damaligen Musikwelt. Nach einem Konzert am Weimarer Hof notiert er stolz:

"Wieland schien von den Vorträgen des Künstlerpaares ganz hingerissen zu sein und äußerte dies in seiner lebhaft-freundlichen Weise. Auch Goethe richtete mit vornehm-kalter Miene einige lobende Worte an uns."

Wie viele Virtuosen seiner Zeit komponierte Spohr zunächst für seine eigenen Auftritte: darunter Sonaten für Harfe und Violine und 15 Violinkonzerte, von denen heute noch vor allem das Achte im Konzertsaal zu hören ist. Über 200 Werke in nahezu allen Gattungen gibt es von ihm. Pionierarbeit leistete er aber vor allem im Bereich der Oper. Noch vor Richard Wagner schrieb er durchkomponierte Szenen und Leitmotive, so etwa in seiner Oper "Jessonda".

Bis 1822 reist Spohr als Violinvirtuose durch Europa. Dann beruft ihn der hessische Kurfürst Wilhelm II. nach Kassel. Der neue Hofkapellmeister ist ein Glücksgriff für das Musikleben der Stadt, denn Spohr ist nicht nur ein guter Organisator, sondern auch ein hervorragender Dirigent. Als einer der ersten Orchesterleiter brachte er einen Taktstock zum Einsatz.

In seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten treffen Spohr einige schwere Schicksalsschläge. Innerhalb von wenigen Jahren verliert er Bruder, Frau und eine Tochter. Ein großer finanzieller Druck lastet nun auf ihm, denn Louis Spohr übernimmt nicht nur den Unterhalt der Familie seines verstorbenen Bruders, er sucht auch Rücklagen zu bilden für seine neue, wesentlich jüngere Frau. Selbstkritik, die ihn in früheren Jahren dazu bewog, viele seiner Kompositionen zu verwerfen, kann oder mag er sich nun nicht mehr leisten. Den meisten seiner späten Werke mangelt es an der Originalität früherer Jahre.

Doch den Großen seiner Zunft ist er auch lange Zeit nach seinem Tod am 22. Oktober 1859 in Kassel ein Vorbild: Robert Schumann, Johannes Brahms, Richard Strauss und Gustav Mahler verehrten ihn.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk