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StartseiteEine WeltRapper Falz klagt an16.06.2018

Musikvideo "This is Nigeria"Rapper Falz klagt an

Korrupt, ungerecht, realitätsfremd: Der Rapper Falz zeichnet in seinem Song "This is Nigeria" ein düsteres Bild der Lebenswirklichkeit in seinem Heimatland. Der Jurist rappt über Mörder und Diebe, gegen die miserable Wirtschaftslage und Nigerias politische Klasse - und das sorgt für Aufsehen.

Von Jens Borchers

Der nigeranische Rapper Falz, hinter ihm Tänzerinnen mit Kopftuch, im Video "This is Nigeria". (FalzVEVO / YouTube)
Falz lässt in seinem Video vier junge Mädchen in traditionellen Gewändern und hellblauen Hijabs tanzen (FalzVEVO / YouTube)
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"Das ist Nigeria – schau wie ich jetzt lebe. Jeder ist kriminell!"

Um diesen Refrain dreht sich alles. Falz, the Bahd Guy, sagt seinem Land, seinen Fans, den Politikern, den selbst ernannten Predigern oder den Polizisten, wie er Nigeria sieht: Nämlich korrupt, ungerecht, realitätsfremd und verdreht:

"Der furchtbare Zustand Nigerias ist zur Normalität geworden. Die Leute erinnern sich fast nicht mehr daran, dass das eben nicht normal ist. Deshalb muss man sagen: Hey wach auf, die Dinge stehen auf dem Kopf."

Beispielsweise, wenn eine Polizeistation ein Schild raushängt, auf dem steht: "Ab 18 Uhr geschlossen – wegen Sicherheitsrisiken." – Das gab es wirklich. Falz, the Bahd Guy, hat im "This is Nigeria"-Video eine Menge Wirklichkeit seines Landes mit den Mitteln der Pop-Kultur eingefangen: Die Korruption, die glitzernde Welt der Reichen, die mörderischen Kämpfe zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern. Und – natürlich – den Terrorismus. Falz, the Bahd Guy, lässt in seinem Video vier junge Mädchen, in traditionellen Gewändern und hellblauen Hijabs, also Kopftüchern, tanzen. Sie symbolisieren die jungen Frauen, die von Kämpfern der Terrormiliz Boko Haram entführt und vergewaltigt wurden.

Als Nestbeschmutzter und Plagiator beschimpft

Prompt empörten sich manche: Junge Frauen tanzend, in traditioneller islamischer Kleidung - unmöglich! "Typisch", sagt der Rapper:

"Immer versuchen Leute, den Überbringer der Botschaft zu erschießen – damit sie die Botschaft nicht hören müssen", meint der 27-Jährige. Seine Botschaft lautet: Die Nigerianer sollen bewusst wahrnehmen, was in ihrem Land los: Geldgier, Betrug als Alltagserlebnis, Kriminalität. – Zu viele, meint Falz, the Bahd Guy, nehmen das einfach hin und sagen:

"Dann heißt es, och, der versucht doch nur, sich über Wasser zu halten. Dabei ist so was kriminell, einfach falsch. Jeder weiß das, versucht aber, es zu verdrängen."

Manche sehen ihn als Nestbeschmutzer. Manche als Plagiator, der nur die nigerianische Kopie einer US-amerikanischen Idee abgeliefert habe. In den USA gab es schon den Song "This is America" von Childish Gambino. Aber viele loben Falz als Künstler, der die Verhältnisse in Nigeria beim Namen nenne. Ein Musikkritiker schrieb, man solle Falz, the Bahd Guy, den Preis für den besten politischen Kommentar zur Lage in Nigeria verleihen. Er würde ihn allein schon deshalb bekommen, weil es keine Konkurrenz für ihn gebe in Nigeria.

Denn nigerianische Rapper-Videos sehen üblicherweise so aus: Club-Ambiente, viele, viele üppige Frauen in lasziven Posen, coole Kerle. Falz, the Bahd Guy, hat das schon vor einiger Zeit kritisiert.

"Wir lassen uns viel zu sehr von Unterhaltung ablenken: glitzernde Lichter, wackelnde Hintern – das ist ja auch okay. Aber wir müssen mal Pause machen und uns anschauen, wie es in unserer Gesellschaft aussieht. Wir Künstler haben eine Stimme. Die müssen wir für das Richtige nutzen."

Als Kind den Musiker Fela Kuti kennengelernt

Der 27-Jährige ist keineswegs ein Junge aus den Slums von Lagos. Seine Eltern, beide Rechtsanwälte, sind bekannt in Nigeria. Der Vater war lange Jahre Rechtsbeistand des Übervaters der nigerianischen Musik, Fela Kuti. Kuti hatte gegen die Militärdiktaturen des Landes musiziert, protestiert und dabei einiges riskiert. Falz, the Bahd Guy, hat Fela Kuti als Kind kennengelernt. Im Haus seiner Eltern ging es immer um wahre Demokratie, darum, sich für Schwächere einzusetzen.

Fela Kuti während eines Konzertes im Jahr 1984. (imago/Future Image/ R. Keuntje)Fela Kuti während eines Konzertes im Jahr 1984. (imago/Future Image/ R. Keuntje)

Der Vater tat das mit dem Gesetzbuch. Für den Sohn hieß es erstmal: katholische Grundschule, internationale Oberschule, später Jurastudium. Jetzt rappt Folarin Falana, wie er eigentlich heißt. Unter anderem über die miserable Wirtschaftslage und Nigerias politische Klasse:

"Das ist Nigeria – kein Ende der Wirtschaftskrise – wo Plünderer, Mörder und Diebe immer noch zu Wahlen antreten – Politiker stehlen Milliarden, sind aber nie im Knast …"

Das alles präsentiert er in einer Mischung aus kernigem Pidginenglisch und Yoruba-Dialekt – das gehört zu seinem Image. Dabei hat der Bürgersohn das Jurastudium abgeschlossen und behauptet, manchmal immer noch als Anwalt zu praktizieren. Aber eben nur manchmal. Falz, the Bahd Guy, will in Zukunft noch mehr über Politik und gesellschaftliche Realitäten rappen:

"Ich arbeite daran, mehr Sachen dieser Art zu machen. Mehr dieser Art – damit meine ich, politisches und soziales Bewusstsein zu schaffen."

Fast sechs Millionen Klicks auf YouTube

Über Mangel an Aufmerksamkeit kann er seit dem Erfolg mit seinem Song "This is Nigeria" definitiv nicht klagen. Fünf Millionen Klicks hat das Video schon seit Ende Mai - dauert gibt er Interviews – und ein Mangel an Selbstbewusstsein ist da nicht zu erkennen: Rapper Falz nennt sich "the Bahd Guy". Das englische Wort für "übler Bursche". Er schreibt das aber nicht korrekt b-a-d, sondern b-a-h-d, die Abkürzung für:
"Brilliant and highly distinct"
"Brilliant und seeeehr deutlich". Und diese Deutlichkeit hat Falz, the Bahd Guy" jedenfalls erstmal viel Prominenz eingebracht. Mal sehen, was da noch kommt.

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