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StartseiteMusikjournalKlöckner: Rückgang von Qualität und Quantität26.11.2018

Musikwissenschaftler über KirchenmusikerKlöckner: Rückgang von Qualität und Quantität

Nicht nur die Zahl der Bewerber für den Beruf des Kirchenmusikers nehme ab, so der Musikwissenschaftler Stefan Klöckner im Dlf. Es würden sich auch nicht mehr unbedingt die besten dafür melden. "Wir haben in der Kirchenmusik lange versäumt, eine Qualitätsdebatte zu führen."

Stefan Klöckner im Gespräch mit Jochen Hubmacher

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Hände eines Orgelspielers spielen am 12.10.2015 in München-Neuaubing (Bayern) in der Kirche St.Konrad die Tasten einer Orgel.  (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)
Der Bewerberzahl im Bereich Kirchenmusik geht zurück (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)
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Qualitative Stellen für Kirchenmusiker seien aktuell schwer zu besetzen. Das sei allerdings eine Tendenz, "von der man nicht unbedingt ausgehen kann, dass sie lange anhält", so Klöckner. "Es ist sicherlich ein gewisser Mangel festzustellen, weil wir im Augenblick, wenn wir von der Zahl der Bewerber sprechen, nur von der Quantität sprechen, da ist nicht mal was über die Qualität der Bewerber und Bewerberinnen gesagt. Die ist ja inzwischen auch ein Thema geworden, dass das tatsächlich eben nicht immer die besten sind, die sich da vorstellen."

Keine automatische Jobgarantie

Der Arbeitsmarkt für Kirchenmusiker werde sich umschichten, so Klöckner weiter. Wer jetzt Kirchenmusik studiere, habe später keine automatische Jobgarantie. "Pfarreien werden zusammengelegt, wir haben einen gravierenden Priestermangel und an der Zahl der Priester hängen dann die Gottesdienste und das wird dramatisch zurückgehen." Unklar sei, welche Art von Kirchenmusikern dann überhaupt noch gebraucht würden, "ganz bestimmt kaum hauptamtliche." In der überregionalen Tätigkeit - Regionalkantoren, Bezirkskantoren, Dekanatskantoren, die nebenamtlich schulen und ausbilden würden, bliebe wohl ein solider Markt übrig.

Imageproblem der Kirche

Der Beruf des Kirchenmusikers selbst habe eher kein Imageproblem bei jungen Leuten, wohl aber die Kirche als Arbeitgeber. Dafür sei laut Stefan Klöckner der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche verantwortlich. Es sei heute beispielsweise sehr schwierig, einen Kinderchor zu gründen, weil Eltern ihre Kinder nicht dort hinschicken wollten.

"Aber ich glaube, wenn es eine richtige künstlerische Herausforderung ist, dass dafür junge Leute zu gewinnen sind. Sie müssen nur davon ausgehen, dass sie sehr flexibel sein müssen. Sie müssen hochqualifiziert sein. Der Rückgang der Qualität ist fast noch dramatischer als der der Quantität.

"Wir haben in der Kirchenmusik lange versäumt, eine Qualitätsdebatte zu führen." Diese müsse geführt werden mit Blick auf die Struktur der Gottesdienste, auf die Kultur des erklingenden Wortes, auf das, was Feierkompetenz betreffe und musikalisches Handwerk betreffe. "Da muss die Kirche deutlich machen, welche Art von Qualität sie braucht. Ich weiß nicht, ob sie da im Augenblick die richtigen Signale gibt."

Nachwuchs mit Qualität gewinnen

Die Versuche, mit Popkantoren oder anderen Musikangeboten im Gottesdienst junge Leute zu erreichen, ärgerten ihn sehr, so Klöckner. Damit werde so getan, als sei das bisherige Musikangebot nicht vielfältig. Man arbeite schon lange an einer großen stilistischen Vielfalt. Daher sei es nicht sicher, ob solche neuen Modelle für die Zukunft tragfähig seien. "Wir können nicht ein Repertoire isolieren und sagen, damit gewinne ich jetzt Jugendliche." Diese seien aus den elektronischen Medien ohnehin eine ganz andere Qualität gewohnt, als jene, die live in der Kirche hergestellt werden könne.

Um für diesen Beruf Nachwuchs zu gewinnen, müsste mit gutem Beispiel vorangegangen werden - mit qualitativ guter Arbeit, stilistischer Vielfalt und großer künstlerischer Präsenz. "Ich glaube nicht, dass es hilft, das Schild auszuwechseln, die Etikette neu zu bekleben und dann im Grunde den Laden so weiterlaufen zu lassen, wie er bis jetzt ist." Studierende sollten sich heute breit aufstellen und sich nicht allein auf die Kirche als späteren Arbeitgeber verlassen.

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