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StartseiteKalenderblattMusizieren als Dienst an den großen Meistern26.03.2012

Musizieren als Dienst an den großen Meistern

Vor 25 Jahren starb der Dirigent Eugen Jochum

Er galt als einer der großen Dirigenten der Nachkriegszeit: Eugen Jochum baute das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf und leitete die großen Orchester Europas. Als Bruckner-Apostel wurde er weltweit bekannt.

Von Wolfgang Schreiber

Eugen Jochum während einer Probe 1977. (picture alliance / dpa)
Eugen Jochum während einer Probe 1977. (picture alliance / dpa)

Die Welt Anton Bruckners, das ist sein Leben. Der Dirigent Eugen Jochum lässt das symphonische Te Deum mächtig durchatmen. Jochum galt als /der/ Bruckner-Dirigent seiner Zeit, man nannte ihn einen Bruckner-Apostel – im Sinne gläubigen Bekennertums. Dazu fühlte er sich auch berufen: musikalisch und religiös, lebensgeschichtlich.

Anton Bruckners Klangkathedralen als künstlerisches Credo eines Dirigentenlebens. Die Musikerkarriere Eugen Jochums, der am 26. März 1987 in München starb, ist geprägt von musikalischer Urwüchsigkeit, der festen Verankerung in der katholischen Tradition seiner bayerischen Landschaft. Im Ort Babenhausen nahe Augsburg wurde Jochum am 1. No-vember 1902 geboren. Der Vater war Lehrer, Organist, Dirigent des lokalen Orchestervereins - mit vier Jahren erhielt Eugen den ersten Klavierunterricht, mit sechs saß er an der Orgel der Pfarrkirche. Schon während des Musikstudiums in Augsburg und München betätigte sich Jochum an der Münchner Oper als Korrepetitor. Die berühmte deutsche Kapellmeisterlaufbahn wurde zum Weg, den viele Dirigenten vor und nach ihm gegangen sind: ob Furtwängler oder Karajan, Sawallisch oder Thielemann – der Weg von den Stadttheatern in die Metropolen. Zähe Arbeit am Orchesterklang, die Eroberung des großen Repertoires, Suggestivität bestimmen diesen Weg.

"Wir bleiben einfach im Tempo, bis zum … Bei diesen ganzen Stellen dürfen die Hörner und Posaunen nie so stark sein, dass die Trompete nicht mühelos durchkommt …. Darf ich noch mal bitten, ja, ... also streng im Tempo bleiben!"

Eugen Jochum begann als Fünfundzwanzigjähriger am Theater Kiel, wechselte nach Lübeck, nach Mannheim, wurde Generalmusikdirektor in Duisburg, dirigierte an der Städtischen Oper Berlin – und bald in der Berliner Philharmonie. 1934 wechselte Jochum als Chefdirigent an die Hamburgische Staatsoper, 1936 ernannte ihn Hitler zum "Staatskapellmeister". Jochum dirigierte im Zweiten Weltkrieg Propagandakonzerte in den von den Deutschen besetzten Städten, Paris und Brüssel, aber anders als Karajan war er kein Parteimitglied – ein so genannter Mitläufer, der sogar Komponisten zu dirigieren wagte, die die Nazis verfemt hatten, Bartok, Strawinsky, Hindemith.

Eugen Jochum dirigierte nach dem Krieg Wagner bei den Bayreuther Festspielen: Tristan, Lohengrin, Tannhäuser, später auch den Parsifal. Doch seine Hauptaufgabe ab 1949 in München war der Aufbau des neuen Symphonieorchesters beim Bayerischen Rundfunk. Elf Jahre lang leitete er das Orchester. Aber Jochum dirigierte daneben die großen Orchester weltweit, er ging in die Schallplattenstudios, bewahrte sich Vitalität.

Jovial, lebensbejahend, ein deutscher Traditionalist, ein Konservativer bayerischer Prägung - Eugen Jochum betrachtete seine Begabung als ein "Geschenk von oben", wie er einmal sagte, und sein Musizieren als ein Dienen, Dienst an den großen Meistern Haydn, Mozart und Beethoven, Brahms, Wagner - und Bruckner mit seinen Bekundungen symphonischer Gläubigkeit. Aber auch für den erotomanen Geist des Don Juan von Richard Strauss hatte er durchaus eine starke Ader.

"Also, wollen wir mal sehen, ob Sie was von Liebesspielen verstehen, am besten nehmen wir noch einmal, zum letzten Mal, die Hornstelle, gell."

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