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StartseiteTag für TagEine neue islamische Stimme05.10.2015

Muslimisches Forum DeutschlandEine neue islamische Stimme

Der Islam in Deutschland ist bunt. Das spiegelt das neue "Muslimische Forum Deutschland" wider. Es ist ein Zusammenschluss überwiegend liberaler intellektueller Muslime. Sie haben nun 17 Berliner Thesen vorgelegt. Sie treten für eine klare Trennung von Staat und Religion sowie das Selbstbestimmungsrecht von Frauen ein. Und sie warnen vor "falsch verstandener Toleranz" gegenüber islamischen Fanatikern.

Von Christiane Habermalz

Mouhanad Khorchide (l) und Ahmad Mansour vom "Muslimischen Forum Deutschland" (picture alliance / dpa / Foto: Michael Kappeler)
Mouhanad Khorchide (l) und Ahmad Mansour vom "Muslimischen Forum Deutschland" auf einer Pressekonferenz am 2. Oktober in Berlin. (picture alliance / dpa / Foto: Michael Kappeler)
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Der erste Auftritt des "Muslimischen Forum Deutschland" nach seiner Gründung im April ließ aufhorchen. Der Zusammenschluss liberaler Intellektueller um den Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und den Psychologen Ahmad Mansour war im April mit viel Medienecho an die Öffentlichkeit gegangen – mit dem Versprechen, künftig die Islamdebatte in Deutschland mitgestalten zu wollen. Dann wurde es zunächst still um das Forum. Jetzt meldete es sich mitten in der Flüchtlingsdebatte zurück: Mit der Warnung, die Willkommenskultur nicht blauäugig nur Ehrenamtlichen zu überlassen. Die Gefahr, dass Salafisten ihre Chance nutzten, sei groß.

"Die Flüchtlingsunterbringung und natürlich auch Begleitung muss professionalisiert werden. Das kann nicht nur ehrenamtlich passieren. Es dürfen auch nicht diejenigen, die verantwortlich dafür sind, dass Teile der Jugend in Deutschland, 2. und 3. Generation von Migranten, wo wir immer wieder bestimmte Geschlechterrollen haben, Jugendliche haben, die anfällig sind für Salafimus und Islamismus und andere, diese Menschen dürfen nicht die Aufgabe der Betreuung der Flüchtlinge übernehmen."

Mahnt Ahmad Mansour. Er muss es wissen, er arbeitet seit Jahren in der Salafimus-Prävention mit muslimischen Eltern und Jugendlichen. Damit sprach das Forum ein Thema an, das bislang noch kaum eine Rolle spielt: Wie wird sich unsere Gesellschaft durch den Zuzug von mehr als einer Million Muslime verändern?  Und welcher Form des Islams werden sich die Neuankömmlinge zuwenden? Viele fliehen vor dem IS-Terror, sind daher wenig anfällig für Extremismus. Doch die Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan seien anders sozialisiert und mit anderen Werten aufgewachsen, mahnt das Forum. Die Politik müsse nachhaltige Konzepte entwickeln, wie den Neuankömmlingen demokratische Grundwerte und Normen vermittelt werden könnten. Klare Worte. Wer oder was aber ist eigentlich das "Muslimische Forum Deutschland", das von sich sagt, es sei offen für Schiiten und Sunniten, Aleviten, Yesiden und sogar Christen? Schon wegen dieser Vielfalt sahen die bestehenden Islamverbände die Neugründung mit Skepsis. Was solle das sein, eine neue Religionsgemeinschaft?  Das Forum repräsentiere nicht die Mehrheit der Muslime in Deutschland, so der Vorwurf. Das allerdings tun auch die Islamverbände nicht. Man sehe sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Verbänden, versuchte Mouhanad Khorchide die Wogen zu glätten.

"Wir vertreten allerdings einen Islam, der klar und unmissverständlich ohne Wenn und Aber sich für die demokratischen Grundwerte unserer Gesellschaft bekennt, wir vertreten einen Islam, der ohne Wenn und Aber hinter den Menschenrechten steht, als universelle Normen, die ihre Gültigkeit haben für alle Menschen."

Wofür sie darüber hinaus stehen, stellten sie nun in "17 Berliner Thesen" vor: Für Religionsfreiheit, eine klare Trennung von Staat und Religion, für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Die Teilnahme an Schwimmunterricht und Klassenfahrten sehen sie als klaren Bestandteil des Bildungsauftrags und nicht verhandelbar. Den Behörden unterstellte Mansour hier oft falsch verstandene Toleranz.

"Ich bin tagtäglich in Schulen unterwegs und merke, dass manche Schulen sogar den Schwimmunterricht aufgegeben haben, weil die Mehrheit der Schülerinnen mit muslimischem Hintergrund nicht teilnehmen werden. Wenn die Lehrer anfangen darüber zu reden, werden sie ganz schnell als populistisch bezeichnet."

Mit dem "Muslimischen Forum Deutschland" hat die Islamdebatte einen neuen Player. Mit einem Projekt: Ein aufgeklärter Islam deutscher Prägung. Schaden kann das nicht. Denn Deutschland wird islamischer werden, soviel steht fest. Welcher Islam das sein wird – das ist noch offen.

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