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StartseiteUmwelt und VerbraucherAufruf zum Sechsbeiner-Zensus01.08.2019

Nabu-Insektensommer 2019Aufruf zum Sechsbeiner-Zensus

Die Insektenpopulation geht zurück, heißt es. Um das besser beobachten zu können, ruft der Nabu jetzt zum Sechsbeinerzählen auf. Zwischen dem 2. und 11. August sollen Interessierte eine Stunde lang an einem Ort notieren, wie viele und welche Insekten sie sehen. Beim Bestimmen helfen soll eine App.

Von Hilde Weeg

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Eine Biene im Anflug auf eine geöffnete Finger-Küchenschelle (picture alliance / Winfried Rothermel)
Bienen, Käfer, Schmetterlinge - der Nabu will möglichst viele Insekten erfassen (picture alliance / Winfried Rothermel)
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"Oh, da vorn ist sogar ein Bläuling, ein blauer Schmetterling. Der ist aber auch flott unterwegs, ja ja."

Gar nicht so einfach mit dem Zählen.

"Der sitzt zwar jetzt auf der Kamille da, aber...", keine Chance, der flattert weiter. Wir wollen eigentlich ein Foto machen, um die App zu testen, hier auf der Feuchtwiese am Ortsrand von Gehrden, die vom NABU angelegt wurde. Aber wir haben keine Chance, der Falter ist schneller als wir. Neuer Versuch.

"Da vorne ist eine Hummel. Also, ich hab jetzt auf den Bildschirm gedrückt, und jetzt drückt man auf "bestimmen", "berechnen" sagt das Ding. Ja, das dauert einen Moment."

Die Hummel war halb verdeckt von Grashalmen. Die App hatte wieder keine Chance.

"Sieht nach einem Käfer aus. Ja, man muss sich mit Geduld auf die Lauer legen."

Zweite Zählung des Nabu dieser Art

Ganz so leicht ist es also nicht, die App anzuwenden, jedenfalls nicht beim fliegenden Personal. Dabei brummt hier so einiges an Spitzwegerich und wilder Kamille vorbei:

"Also, diese schwarz-gelb-gestreiften Kleinen, das sind Schwebfliegen. Wo war sie? Da! Davon gibt es durchaus mehrere hier. Ja ja, Schwebfliegen kann man sehr gut erkennen, die können in der Luft stehen."

Zählen kann man ohne App, erklärt Gisela Wicke. Die Ortsteilbürgermeisterin, Botanikerin und Nabu-Ortsgruppenvorsitzende war 27 Jahre lang im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz beschäftigt. An der ersten Zählung im letzten Jahr hatte sie teilgenommen. Seitdem ist ihr Interesse an den sechsbeinigen Fliegern und Krabblern sehr gewachsen. Dank Zählaktion habe sie erstmals Trauerrosenkäfer bestimmt, in Niedersachsen eine Seltenheit. Und eine Wanzenart entdeckt:

"Oh, das war wirklich ein toller Erfolg, faszinierend. Und auch die verschiedenen Wanzenarten, die es gibt. Wir hatten dort im Garten auch einen Ampfer, da bin ich mal hingegangen, habe unter die Blätter geguckt, und habe die Streifenwanze gefunden, auch fotografiert, ja, und konnte sie genau bestimmen."

Blühender Beobachtungsposten

Wer mitzählen möchte, sollte folgendes beachten: Einen guten grünen Platz auswählen, wo es auch blüht - ein Blühstreifen kann es sein, der Garten oder auch eine Brache, höchstens zehn Meter lang und breit.

"Man braucht nicht stehen bleiben, sondern man geht dann in diesen zehn Metern herum und beobachtet."

Ideal ist ein warmer, windstiller Nachmittag oder Abend, an dem man sich eine Stunde Zeit nimmt und zählt. Und gern ein Ort, an dem auch was los ist, wo also viel blüht. Ein Balkon tut es auch:

"Das geht auch. Da kann ganz viel los sein, das geht sehr gut."

Bundesweite Daten, wie oft Insekten vorkommen

Wenn man ein wenig den Überblick zu verlieren droht, weil Falter und Hummeln hin und her fliegen, dann sollte man eher defensiv zählen. Also die gut sichtbaren Exemplare möglichst auf einmal erfassen, die Zahl notieren und sich dann anderen Arten zuwenden. Und zwar nur solchen, die sechs Beine haben. Spinnen gehören nicht dazu.

Es gibt übrigens nicht nur die App, sondern auch Papierbögen zum Ausdrucken. Und eine Liste der wichtigsten Arten, darunter Steinhummel, Florfliege, der asiatische Marienkäfer oder die gemeine Blutzikade. Das Ziel:

"Bundesweit Daten zu bekommen, wie häufig Insekten noch vorkommen. Und da ist es schon eine gute Information, wenn man zum Beispiel weiß, hier waren zwei blaue Schmetterlinge. Besser ist es natürlich, wenn man die Arten bestimmen kann."

Um Aussagen über Bestand und Entwicklungen zu machen, sei es noch zu früh, meint Gisela Wicke:

"Um einen Trend festzustellen, muss man schon über mehrere Jahre das machen. Und ich hoffe, dass dieses Jahr noch mehr Menschen mitmachen."

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