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StartseiteForschung aktuellNach dem Rekordsommer 200330.04.2004

Nach dem Rekordsommer 2003

Klimaforscher ziehen Schlüsse aus der Hitzewelle

<strong>Klimaforschung. - 2003 stöhnten wir unter einer Hitzewelle – ein Jahrtausendsommer War dies schon Folge der Klimaerwärmung? Wird 2004 genauso heiß? Auf der Europäischen Geophysikertagung in Nizza werden die Ergebnisse mehrere Studien vorgestellt, in denen Forscher langjährige Klimabeobachtungen zusammengetragen und dann modelliert haben, was wir Europäer in der Zukunft von den Sommern zu erwarten haben. </strong>

Von Dagmar Röhrlich

Rekordhitze und Sonne prägten den Sommer 2003 (AP)
Rekordhitze und Sonne prägten den Sommer 2003 (AP)

Der Sommer 2003 war in Mitteleuropa außergewöhnlich: Ein heißer Sommertag mit mehr als 30 Grad folgte auf den anderen. Da wurden die Temperaturrekorde regelrecht pulverisiert, stellt Christoph Schär von der ETH Zürich fest:

Wenn man das mit einem Sportereignis vergleicht: Das wäre vergleichbar mit einem 100-Meter-Läufer, der plötzlich den Rekord von 9,8 auf 9.2 reduziert, und das müsste man sich fragen, was ist hier eigentlich los?

Nur, dass es für das Klima keinen Dopingtest gibt. Die Ursachen der extremem Hintzewelle 2003 sind unklar

Es ist sehr selten, dass man über drei Monate hinweg so viele Tage mit mehr als 30 Grad Celsius hat. Aber weltweit gesehen, unter dem Aspekt der globalen Klima-Erwärmung, war 2003 etwas kühler als 2002. Die Hitzewelle von 2003 ist also ein isoliertes Ereignis, das zwar mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, es ist aber sehr schwer, das statistisch einwandfrei nachzuweisen.

erklärt Martin Beniston von der Universität aus Fribourg in der Schweiz. Sicher ist: Im vergangenen Jahr hielt uns ein ungewöhnlich stabiles Hoch über Westeuropa die Tiefdruckgebiete vom Leib. Aber es dazu kam ein zweiter, wichtiger Faktor:

Es gab in Teilen Europas bereits seit Januar 2003 Niederschlagsdefizite. In den folgenden Monaten fielen auch zu wenig Niederschläge, so dass die trockenen Böden vollends austrockneten. Das hat die Hitze noch gesteigert, denn feuchte Böden kühlen, weil das Wasser aus ihnen verdunsten kann.

Und Hitzewellen abmildern. Die staubtrockene Erde facht die Gluthitze weiter an.
Ohne den Klimawandel wäre der vergangene Sommer ein ungewöhnlicher Ausreißer, über den man für Jahrhunderte nicht weiter nachzudenken brauchte. Aber mit dem anthropogenen Treibhauseffekt zeigen die Modellrechnungen, dass gegen Ende des 21. Jahrhundert jeder zweite Sommer mindestens so heiß und trocken wird wie der vergangene. Und neue regionale Klimamodelle für Europa zeigen, dass außerdem die Schwankungen zwischen den einzelnen Sommern zunehmen. Das heißt: Auf einen extrem heißen Sommer kann ein sehr kühler folgen.

Die Schwankungen, die wir jetzt haben, die könnten sich grob etwa verdoppeln, das heißt in 100 Jahren, wenn wir wirklich extreme Sommer sehen könnten, ist es durchaus möglich, dass wir alle paar Jahre wieder einmal einen durchschnittlichen Sommer erleben könnten, einen Sommer, den wir aus heutiger Sicht als durchschnittlich kennzeichnen würden, und der dann aus der Sicht vom Ende des Jahrhunderts ein sehr kalter Sommer wäre.

Das Problem: Solche Schwankungen machen die Anpassung der Ökosysteme an die neuen Bedingungen extrem schwierig. Und auch die landwirtschaftliche Produktivität Europas wird stark betroffen sein: Ein Landwirt kann sich dann nicht mehr auf das Klima verlassen, wenn er entscheidet, was er im kommenden Jahr anbauen will. Missernten dürften sich häufen. Die Modelle sagen diese Entwicklung für West- und Mitteleuropa bis hinein nach Russland voraus, nicht aber für den Mittelmeerraum und Skandinavien. Die Ursache dafür liegt – in den Böden:

Das kommt daher, dass der physikalische Mechanismus, der dahintersteckt, der kann nicht in einem semiariden Klima stattfinden, z B. im Mittelmeerklima, weil dort die Böden schon jetzt in jedem Sommer eigentlich weitgehend austrocknen. Er kann auch nicht stattfinden in einem skandinavischen Klima, weil dort genügend Wasserreserven vorhanden sind, und es dort nicht möglich ist, die Böden vollständig auszutrocknen. Das heißt, die Austrocknung der Böden ist eine Komponente in diesem Szenario. Eine ... zusätzliche Erwärmung kann also nur stattfinden, an einem Ort, wo das Wasserreservoir den Bodens weitgehend verdunstet werden kann.

Bleibt noch die Frage, wie der Sommer 2004 wird.

Ich wäre sehr überrascht, wenn 2004 genauso heiß würde wie 2003.

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