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StartseiteHintergrundNach dem Terror von Madrid01.04.2004

Nach dem Terror von Madrid

Muslime in Spanien verunsichert

<em> Wenn die Leute "Islam" hören, denken sie an Bin Laden, Saddam Hussein, Gaddafi – das ist aber nicht der Islam. Ich bin gegen jede Form des Fanatismus, gegen die Selbstmordattentäter und das, was sie "Jihad" nennen. Die Muslime hier in Spanien glauben an Demokratie und an ein friedliches Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen. </em>

Bettina Ambach

Kleiner Junge mit islamischen Frauen (AP)
Kleiner Junge mit islamischen Frauen (AP)
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Der Marokkaner Mustafa Bougrine lebt seit 19 Jahren in Spanien, ist mit einer Spanierin verheiratet und betreibt ein Restaurant. Er drückt genau dieses Gefühl der "Islamophobie" aus, das nun droht, sich in der spanischen Bevölkerung zu verbreiten.

Ein paar Tage nach den Bombenanschlägen tritt ein junger Mann mit arabischen Gesichtszügen in einen Madrider Vorortzug. Er hat einen weiten Mantel an und eine Tasche in der Hand. Die Blicke der Mitreisenden wandern alle in seine Richtung. An der nächsten Haltestelle steigen alle Passagiere aus – der arabisch aussehende Mann steht auf einmal alleine im Zugwaggon.

Die Moschee an der M30, dem Autobahnring rund um Madrid, ist die größte in ganz Spanien. Seit den Bomben vom 11.März ist sie auffallend leer. Wo sich sonst bis zu 1000 Menschen versammeln, knien jetzt nur ungefähr 50 Gläubige nieder, um gen Mekka zu beten.

Im Madrider Viertel Lavapiès ist es fast still geworden - dort, wo viele Immigranten leben und wo mehrere der mutmaßlichen Täter einen Telefon- und einen Kleiderladen betrieben haben. Viele Muslime bleiben zur Zeit lieber in ihren Häusern. Sie haben Angst. Angst vor rassistischen Übergriffen. Die Fahndung konzentriert sich mittlerweile auf Marokkaner. Es gilt als sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Terroranschlag im marokkanischen Casablanca im Mai 2003 und dem in Madrid gibt.

Der Marokkaner Mohamed Chouirdi ist von Beruf Übersetzer und lebt seit 10 Jahren in Madrid. Das Treffen findet auf seinen Wunsch in einem kleinen Park statt. Er wirkt ehrlich und zugleich niedergeschlagen:

Wirklich, das sind ganz schwere Zeiten für mich. Ich bin verwirrt, unruhig, schäme mich, weiß nicht, was ich tun soll. Ich schlafe schlecht, hänge am Radio oder im Internet, um die neuesten Ermittlungsergebnisse zu hören. Ich schäme mich, dass einige meiner Landesgenossen an diesem Attentat beteiligt waren. Nein, wirklich, mir geht es gar nicht gut.

Von den 600.000 in Spanien lebenden Muslimen stellen die Muslime aus den nordafrikanischen Maghreb-Ländern – allen voran Marokko – die große Mehrheit dar. Sie kamen in den achtziger, verstärkt in den neunziger Jahren und arbeiten vorrangig in der Landwirtschaft, in der Bauwirtschaft, im Gaststättengewerbe oder als Hausangestellte. Sie sind die stumme Mehrheit unter den Muslimen in Spanien, sind es doch eher die zum Islam konvertierten Spanier und einige von Saudi-Arabien finanzierte islamische Kulturzentren, die an die Öffentlichkeit treten und mit dem Staat über ihre Rechte und Pflichten verhandeln.

In unzähligen kleinen Vereinen organisiert, kämpfen sie hauptsächlich ums wirtschaftliche Ueberleben – und für die Errichtung einer Moschee in ihrem Wohnviertel.

Akdelkhalak El-Kamouni kam vor 25 Jahren aus Marokko nach Madrid. "Gelernter Schuhmacher”, sagt Akdelkhalak stolz. Als in den 90er Jahren immer mehr Immigranten nach Spanien kamen, eröffnete er sein Restaurant "Al-Aman".

Im Madrider Viertel Lavapiès leite ich in der Moschee Buda das Freitagsgebet. Naja, Moschee ist vielleicht zu viel gesagt, das ist eine Garage von 100 Quadratmetern, wo wir an den Wochenenden auch Arabisch- und Koran-Unterricht geben. Da wir kein Geld haben, einen richtigen Imam zu bezahlen, mache ich das. Ich hab´ zwar keinen Doktortitel, aber den Koran kenne ich schon ganz gut - so halbwegs zumindest.

Die meisten der nordafrikanischen Immigranten fühlen sich in den beiden großen Moscheen von Madrid nicht wohl. Sie werden im Volksmund nur die Moschee der Saudis und die der Syrer genannt. Aber oft bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, wo sollen sie sich sonst mit ihren Freunden treffen. Entweder gehen sie also in eine der beiden Moscheen, oder sie gründen selbst eine kleine Moschee in ihrem Viertel und ernennen ihre Vorbeter selbst – ohne jegliche Kontrolle durch den Staat.

Mohamed Chouirdi findet es bedenklich, unter welch ärmlichen Umständen seine Landesgenossen ihre religiösen Pflichten erfüllen. Denn die Gefahr, einen finanzstarken Retter zu akzeptieren, ist groß:

Wir vermuten, dass die kleinen marokkanischen Wohnzimmermoscheen, die es in den Randbezirken Madrids gibt, bereits saudi-arabisches Geld bekommen. Damit versucht Saudi-Arabien, seinen Islam und seine Praktiken, nämlich die des fundamentalistischen Wahhabismus, zu verbreiten. Das Problem ist, dass die marokkanischen Immigranten einen sehr geringen Bildungsstand haben und so die Gefahr dieser religiösen Praktiken nicht erkennen. Für sie bedeutet Islam fünf Mal am Tag beten und viele Regeln befolgen. Was immer von außen kommt - in diesem Fall von Saudi-Arabien - wird ohne kritische Prüfung akzeptiert.

(Vor der Moschee, arabische Stimmen)

Auch die Moschee an der M30 wurde mit saudischem Geld gebaut. Es ist ein beeindruckendes Gebäude, 1000 Quadratmeter groß und vollständig aus hellem Mamorstein. Neben dem großen Haupteingang führt eine kleine bescheidene Tür zum 1.Stock. Hier beten die Frauen in einem langen Raum mit Lautsprechern. Durch ein Holzgitter schaut man auf die reich verzierte, mit feinen Teppichen ausgelegte Gebetshalle für die Männer.
Der Imam der Moschee ist ein Ägypter, er predigt auf Arabisch. In den letzten Wochen hat er die Terroranschläge aufs Schärfste verurteilt und den Gläubigen geraten, auf Provokationen nicht zu antworten oder in der Metro nicht laut zu reden.

Allerdings bleibt der Verdacht, dass einige der Islamisten diese Moschee nicht nur zum Beten, sondern eben auch als Treffpunkt Gleichgesinnter benutzen. In einem Mülleimer direkt neben der Moschee wurde nach den Terroranschlägen eine Video-Kassette gefunden, die die Ermittler in Madrid für echt halten. Darauf stellt sich eine arabisch sprechende Person mit marokkanischem Akzent als militärischer Sprecher des europäischen al-Qaida-Netzwerkes vor und bekennt die Urheberschaft des Bombenattentats.

Die Moschee ist Teil des "Islamischen Kulturzentrums”. Sprecher dieses Zentrums ist Mohamed El Afifi, ebenfalls ägyptischer Herkunft. Seit 28 Jahren lebt Afifi in Spanien, ist mit einer Spanierin verheiratet und fühlt sich vollkommen integriert. Freundlich geht er allen brenzligen Fragen aus dem Weg:

Die Kosten für die 1992 eingeweihte Moschee - 20 Millionen Euro - hat damals das saudische Königshaus übernommen. Aber das Zentrum gehört einer internationalen Organisation, der "Liga der Islamischen Welt”. Nur weil der Sitz dieser Organisation in Saudiarabien ist, kann man doch nicht sagen, dass diese Organisation saudisch ist. Der Sitz der Unesco ist in Paris - kann man deshalb vielleicht sagen, dass die Unesco französisch ist?

Im Islam-Lexikon steht: "Die Liga der Islamischen Welt wird von Saudi-Arabien finanziert und dient als Sprachrohr saudischer Interessen. Eines ihrer Hauptziele ist die islamische Mission; die vom richtigen muslimischen Glauben Abgefallenen sollen wiedergewonnen werden.”

Am Ende des Interviews greift Afifi in eine große Kiste mit schön gebundenen rot-goldenen Büchern; zum Abschied gibt´s eine Koran-Ausgabe in spanischer Übersetzung – veröffentlicht in Saudiarabien.

Der Islam aus Saudi-Arabien mit seinen fundamentalistischen Zügen breitet sich in Spanien immer mehr aus. Er ist zwar sichtbar - alle großen repräsentativen Moscheen in Spanien wurden mit saudischem Geld gebaut - aber die Verantwortlichen treten nicht offen auf. Als Hauptquartier gilt die Madrider Moschee an der M30. Die wenigsten Muslime in Spanien kommen aus Saudi-Arabien. Aber von dort kommt das Geld, mit dem Moscheen und Kulturzentren gebaut werden. Oft wird der Imam, der den Koran in ihrem Sinne auslegt, gleich mitgeschickt.

Seit den achtziger Jahren haben sich wahhabitische Kräfte aus Saudi-Arabien daran gemacht, mit Hilfe von Petro-Dollars ihr mittelalterliches Islam-Konzept in alle Welt zu exportieren. Sie haben ein besonderes Religionsverständnis: Aufklärerische und innovative Reformbewegungen im Islam werden als ketzerisch verschrien. Sie fordern eine buchstabengetreue Auslegung des Koran und rigorose Sittenstrenge. Muslime, die den Wahhabismus ablehnen, werden als Ungläubige verurteilt.

Damit ist der Wahhabismus der Ziehvater aller Varianten des militanten Islamismus: Sowohl die Muslimbruderschaft aus Ägypten als auch die Taliban sind Bewunderer von Mohammed Ibn Abd Al Wahhab, seinem Begründer.

Hier wurde möglicherweise in den letzten Jahren ein Nährboden für radikale Ideen geschaffen. Denn sowohl die Attentäter von Casablanca als auch die mutmaßlichen Täter von Madrid gehören Terrorgruppen an, die von wahhabitischen Ideologen beeinflusst wurden. Die "Gruppe marokkanischer Islamkämpfer", wahrscheinlich verantwortlich für beide Terroranschläge, gehört zu den Salafisten, ursprünglich eine Hilfsorganisation für al Qaida. Sie kümmerte sich vor allem um gefälschte Pässe für nicht-marokkanische Terroristen. Mit dem Terroranschlag von Casablanca im Mai 2003 bewiesen die marokkanischen Salafisten, dass sie nun selber aktionsfähig waren – und ihre Fühler bereits nach Europa ausgestreckt hatten.

Ja, es gibt einen Fundamentalisten-Kern in Spanien, aber zuerst fand diese Entwicklung in unseren Herkungsländern statt. In den letzten 20 Jahren wurden religiöse Werte nach Marokko importiert, die nichts mit unserem toleranten Islam zu tun hatten. Plötzlich machten sich frauenfeindliche, reaktionäre Positionen breit, und einige Muslime hielten es auf einmal für das Größte, in Afghanistan gegen die Sowjetunion zu kämpfen. So wurden einige Marokkaner von dieser Ideologie angesteckt.

Mustapha El M´Rabet ist Vorsitzender des "Vereins der marokkanischen Arbeiter und Immigranten" - ein seit dem 11.März heiß-umworbener Gesprächspartner der Medien und wahrscheinlich auch des spanischen Geheimdienstes.

Denn nun fragen sich aufeinmal alle entsetzt, wie es möglich ist, dass sich auch in Spanien ein Al-Qaida-Netzwerk etablieren konnte.
Wie konnte eine Minderheit der muslimischen Gemeinde für islamistische Propaganda anfällig werden? Was für Menschen werden zu Attentätern?

Die mutmaßlichen Attentäter von Madrid sind zum großen Teil Marokkaner, die seit 10 oder 15 Jahren in Spanien leben – entweder als Gemüsehändler, Maurer oder Ladenbesitzer, aber auch zwei Universitätsabsolventen sind darunter. Sie führten ein unscheinbares, abgekapseltes Leben und wurden von den Nachbarn als freundlich und zuvorkommend beschrieben. Was sie letztendlich zu islamistischen Terroristen werden ließ, ist noch unklar. Andere Verdächtige sind junge Araber, die bereits als Passfälscher und Drogendealer aufgefallen waren. Vielleicht haben sie irgendwann in ihrer Perspektivlosigkeit den radikalen Islam als sinnstiftenden Anker gesehen.

In Lavapiès, dem wohl multikulturellsten Viertel von Madrid, trifft man auf junge Muslime, die marokkanische Eltern haben, aber selbst in Spanien geboren sind. Sie fühlen sich weder marokkanisch, noch werden sie in der spanischen Gesellschaft voll akzeptiert. Mohamed Chouirdi hat jahrelang im Erziehungswesen gearbeitet, wo er sich ausschließlich um die marokkanische Jugend gekümmert hat:

Hier herrscht ein kulturelles Vakuum. Wo soll ein Marokkaner nach der Arbeit oder am Wochenende hingehen? Es gibt keine kulturellen Zentren, es gibt kein marokkanisches "Goethe-Institut". Außerdem haben die meisten Immigranten keinen hohen Bildungsstand. Wo geht er also hin? In die Moschee an der M30, wo er Einflüssen aus aller Herren Ländern ausgesetzt ist.

Oft helfen diesen entwurzelten jungen Immigranten die strengen religiösen Regeln, die ihnen Halt geben. Dazu kommt das Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Glaubensgenossen.
Und was sie alle vereint, ist die totale Verurteilung der israelischen Politik im Palästina-Konflikt. Hier staut sich ungeheure Wut auf, es ist ein Reizthema und selbst Mustapha El M´Rabet, der besonnene Vertreter des marokkanischen Arbeitervereins, wird bei diesem Thema lauter:

Nun haben sie Scheich Yassin ermordet. Wird so der Konflikt gelöst, oder ist das eine Steigerung in Sharon´s Kriegsführung? Für Sharon gelten weder die Resolutionen der Vereinten Nationen noch die des Gerichthofs in Den Haag. Für ihn gibt es also nur die Sprache der Gewalt. Dann kommt der Moment, wo die Antwort auf extreme Gewalt ebenfalls Gewalt ist: Bomben. Mit Gewalt wird dieses Problem nie gelöst; es ruft nur auf beiden Seiten noch mehr Extremisten hervor.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis Spanien aus diesem Terrorschock erwacht; noch werden Gedenkfeiern für die Toten abgehalten, rote Kerzen im Atocha-Bahnhof angezündet. Aber dann muss man anfangen, sich Gedanken zu machen: dass der Islamisten-Terror nun auch in Europa angekommen ist.

Víctor Morales Lezcano, Universitätsprofessor für zeitgenössische Geschichte in Madrid, beschreibt die neue Situation mit krassen Worten:

Der islamistische Terrorismus hat dem Westen den Krieg erklärt; sowohl al-Qaida als auch alle anderen islamistischen Gruppen haben es sich zum Ziel gemacht, den Westen, insbesondere Amerika und Israel, zu bestrafen. Jedes Mal, wenn es in der Geschichte eine neue Art von Krieg gegeben hat, war die große Frage: Wie können wir den Gegner bekämpfen? Aber wie bekämpfen wir die Gegner in einem Krieg ohne Grenzen? Wie weit werden sie gehen? Schließlich haben sie gerade in Spanien eine Regierung aus dem Sattel gehoben.

Ohne Zweifel muss die gerade gewählte Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero sich ernsthaft um einen neuen Umgang mit der muslimischen Gemeinschaft bemühen. Die vorherige Regierung schien sich nicht für die ausländische Einflussnahme auf die Muslime in Spanien zu interessieren. Schließlich galt der reiche Ölstaat Saudi-Arabien als politischer Verbündeter. Und die Warnungen des marokkanischen Geheimdienstes, dass es zwischen marokkanischen und spanischen Islamisten Kontakte gebe, wurden nicht ernst genug genommen.

Selbst von in Spanien lebenden Marokkanern kommen Ratschläge, wie die Islamisten aus den eigenen Reihen zu kontrollieren seien. Mustapha El M´Rabet:

Beim Bau der Moscheen müsste mehr Transparenz herrschen. Ich will wissen, woher das Geld kommt. In den kleinen Wohnzimmermoscheen taucht manchmal ein Imam auf, der weder schreiben noch lesen kann, Hetzreden verfasst und von irgendwelchen anderen Mächten kontrolliert wird.

Aber auch Selbstkritik ist zu hören; Mohamed Chouirdi gesteht allerdings ein, dass er mit der Kritik an seinen marokkanischen Landsleuten und an den Arabern im allgemeinen eher alleine dasteht:

Die Muslime, die in Europa leben wollen, sollen willkommen sein, aber dann müssen sie auch die Regeln des Zusammenlebens respektieren. Auch wir sind an der gescheiterten Integration Schuld. Dieser übertriebene Stolz auf die islamische Kultur verhindert, sich selbst mal in Frage zu stellen. Was bietet unsere Kultur zur Zeit eigentlich der Welt? Das ist ein Tabu, darüber darf nicht gesprochen werden. Denn wir, die Muslime wollen nicht einsehen, dass auch wir uns ändern müssen und dass der Glauben, die Religion, etwas Privates ist.

Angesichts der neuen Sicherheitslage, in der jedes europäische Land von Terroristen heimgesucht werden kann, wird auch Spanien seinen Weg finden müssen: Wie viel Liberalität einerseits und wie viel Sicherheitsgesetze andererseits verträgt ein Rechtsstaat? Wie geht man mit seiner muslimischen Minderheit um?

Mit der gesetzlichen Anerkennung des Islam spielte Spanien schon vor 12 Jahren eine Vorreiterrolle: 1992 beschlossen die Regierung und die Islamische Kommission Spaniens ein für ganz Europa beispielhaftes Kooperationsabkommen. Erstmalig wurden alle Religionen gesetzlich gleichgestellt. Damit bekamen die Muslime das Recht zugesprochen, Moscheen zu bauen, Islamunterricht in den Schulen einzurichten, sowie muslimische Feiertage zu begehen, die vom Arbeitgeber als solche anerkannt werden müssen. Auf den Friedhöfen muss es seitdem spezielle Bereiche für die Muslime geben, in den Krankenhäusern, Kasernen und Gefängnissen müssen Muslime ihre religiösen Praktiken ausüben können. Aber bei der Umsetzung dieser frommen Vorhaben haperte es: es fehlte die Finanzierung durch den spanischen Staat und auf Seiten der Muslime die nötige organisatorische Geschlossenheit, um Entscheidungen treffen zu können.

Der Islam-Experte Javier Valenzuela von der spanischen Tageszeitung El País warnt bereits seit Jahren vor einer Fanatisierung. Die könne noch weiter um sich greifen, wenn der Staat nicht endlich die eigenen, moderaten Muslime fördere:

Entweder wir integrieren den Islam in Spanien und entwickeln einen spanischen, europäischen Islam, oder die anderen machen unsere Muslime zu Fundamentalisten. Wir müssen endlich akzeptieren, dass der Islam nicht nur vorübergehend hier ist, sondern ein Bestandteil der europäischen Kultur ist. Spanien sollte einen Teil seiner Steuergelder dazu verwenden, einen europäischen Islam zu fördern. Es geht doch so viel Geld an die katholische Kirche, warum nicht auch an andere Religionsgemeinschaften? Unser Erziehungsministerium sollte Lehrer in Islamwissenschaft ausbilden, die den Immigrantenkindern auf Spanisch (!) einen europäischen Islam näher bringen, der mit unserem Demokratieverständnis und den Menschenrechten vereinbar ist.

Denn der Islam ist hier in Europa, um zu bleiben, es handelt sich nicht um eine Immigrationswelle, die plötzlich gekommen ist und wieder geht. Ein Islam, der sich in säkularen, liberalen Gesellschaften akklimatisieren muss und so als Bestandteil der europäischen Kultur verstanden wird.

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