Donnerstag, 21.10.2021
 
Seit 01:30 Uhr Tag für Tag
StartseiteKommentare und Themen der WocheFür die Union geht es jetzt um grundsätzliche Fragen27.09.2021

Nach dem WahldebakelFür die Union geht es jetzt um grundsätzliche Fragen

Die Union habe die Wahl verloren, in jeder Hinsicht, meint Chefkorrespondent Stephan Detjen im Dlf. CDU und CSU müssten nun grundsätzlich klären, wie sie sich im 21. Jahrhundert aufstellen wollen. Die entscheidende Abwanderung von Wählern hätte schließlich nicht am rechten Rand stattgefunden.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Paul Ziemiak, Armin Laschet, Silvia Breher und Angela Merkel bei der Wahlparty der CDU zur Bundestagswahl 2021 im Konrad-Adenauer-Haus. Berlin, 26.09.2021 (images / Futur Image)
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet: Der Gegenwind wird nach der Wahlniederlage stärker - auch aus den eigenen Reihen (images / Futur Image)

24 Stunden nachdem Armin Laschet das Wahlergebnis kühn als Auftrag zur Regierungsbildung interpretiert hatte, sieht die Welt für die CDU ganz anders aus. Am Sonntag (26.09.2021) um kurz vor sieben Uhr hatten Meinungsforscher der Union noch signalisiert, dass sie dank bayerischer Überhangmandate der CSU möglicherweis noch stärkste Fraktion im Bundestag werden könne. Tags darauf konnte auch Armin Laschet nicht mehr verbergen: Die Union hat die Wahl verloren, in jeder Hinsicht.

Freundschaft zu Lindner wird Laschet nicht nutzen

Und dennoch ist damit nicht klar, wer Deutschland künftig regieren wird. Anders als in manchen anderen Demokratien regelt die Verfassung nicht, dass als erstes nur die stärkste Partei den Auftrag für eine Regierungsbildung erhält. Jamaika unter Führung Armin Laschets bleibt eine Möglichkeit. Die persönliche Freundschaft mit Christian Lindner und manche Sympathien in der Spitze der Grünen allein aber werden für Laschet und die CDU nicht genügen, sich in Kanzleramt zu retten. Wie Annalena Baerbock und Robert Habeck ihrer Basis sowie einer größeren, jüngeren und tendentiell linkeren Fraktion der Grünen erklären könnten, warum sie dem in der Klimabewegung zum Teil verhassten Laschet an die Macht verhelfen sollten, ist nicht erkennbar. Die Karten für den CDU-Chef sind nicht gut.

Die Farben Schwarz und Gelb liegen in einem Malkasten zusammen zwischen den Farben Rot und Grün  (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand)Rechnerisch sind mehrere Koalitionen möglich, inhaltlich nicht unbedingt (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand)Nach der Bundestagswahl 2021 - Welche Koalitionen sind denkbar?
Die SPD hat die Bundestagswahl gewonnen. Dennoch werden wohl zunächst FDP und Grüne gemeinsam ihre Regierungsoptionen ausloten - eine Neuheit in Deutschland. Eine wahrscheinliche Koalitionsoption ist ein Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP - es gibt aber auch andere. Ein Überblick.

Das ist für seine Partei deswegen besonders schwierig, weil die Frage nach den Ursachen ihrer Niederlage nicht mehr so einfach zu beantworten ist, wie es für Teile der Union in den vergangenen Jahren lange erschien. Ein Kursschwenk nach rechts, wie ihn der am Wahltag gescheiterte Hans Georg Maaßen als einer der letzten in der CDU propagiert hatte, kann nach dieser Wahl keine ernsthafte Option mehr für die Christdemokraten sein. Die entscheidende Abwanderung von Wählerinnen und Wählern fand nicht an den rechten Rand statt. Das starke Abschneiden der AfD im Osten bleibt ein erschreckender Beleg für eine mentale Spaltung des Landes. Bundesweit aber sind für die Union von der AfD keine erheblichen Stimmenanteile mehr zurückzugewinnen. Die Wahl wurde in der Mitte verloren.

Überkommene Funktionärs- und Gremienherrschaft

Umso schwieriger ist die Lage der CDU. Die Partei muss sich jetzt mit ihrer Altersstruktur beschäftigen, mit dem geringen Frauenanteil auf allen Ebenen und besonders mit ihrer Jugendorganisation, die sich in eine renitent konservative Ecke verrannt und den Anschluss an die Mehrheit ihrer Generation verloren hat. Die härteste Auseinandersetzung aber steht der Union über die Frage der Führung von Parteien im 21. Jahrhundert bevor. Markus Söder hat die CDU im harten Kampf um die Kanzlerkandidatur mit einem ganz auf seine Person, Charisma, Umfragen und Stimmungen gegründeten Führungsanspruch konfrontiert.

  (IMAGO / Andre Germar) (IMAGO / Andre Germar)Streitgespräch zum Klimastreik - Grüne Jugend versus Junge Union
Die Bundesvorsitzende der Grünen Jugend Anna Peters und Wiebke Winter, Landesvorsitzende der Jungen Union in Bremen, berichten von ihrem Engagement für Klimaschutz und streiten über das ihrer jeweiligen Partei.

Auch in der CDU wird Laschets Kanzlerkandidatur dagegen nun wieder als Ergebnis einer überkommenen Funktionärs- und Gremienherrschaft kritisiert werden. Aus dem Lager Norbert Röttgens wurden bereits erste Pfeile auf den Vorsitzenden gefeuert. Jens Spahn macht auffällige Aufwärmübungen am Rande des Spielfelds. Die CDU wird mit sich selbst beschäftigt sein. Keine gute Ausgangslage, um sich bei Grünen und FDP um die Führung eines Zukunftsbündnisses zu bewerben.

  (picture alliance / dpa / Soeren Stache)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio (picture alliance / dpa / Soeren Stache)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk