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StartseiteKultur heuteDeutsch-britische Kunstbande sind "enger geworden"20.10.2019

Nach der Brexit-VerschiebungDeutsch-britische Kunstbande sind "enger geworden"

Die größte Retrospektive des Malers William Turner in Deutschland seit 20 Jahren eröffnet am 8. November in Münster. Von den Brexit-Irrungen seien die Leihgaben aus Großbritannien nicht betroffen: "Alle Bilder werden vor dem 31.10. da sein", sagte Hermann Arnhold, Direktor des LWL Museums, im Dlf.

Hermann Arnhold im Gespräch mit Michael Köhler

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William Turners Bilder in der Tate Gallery in London. (picture alliance / dpa / EPA/ANDY RAIN)
William Turners Bilder in der Tate Gallery in London. (picture alliance / dpa / EPA/ANDY RAIN)
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Michael Köhler: Das britische Unterhaus verschiebt die Brexit-Abstimmung. Es hat nach sechsstündiger Sondersitzung die Entscheidung blockiert. Premier Johnson hat in Brüssel um Fristverlängerung gebeten. Er will trotzdem alles tun, um die EU am 31.10. zu verlassen. Einen Aufschub des Austritts soll es nicht geben, sagte er. Was bedeutet das für deutsch-britische Zusammenarbeit im Ausstellungswesen  und Museumsbetrieb? Das haben wir Hermann Arnhold gefragt, Direktor des LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster, der in Kürze eine Schau mit Gemälden von William Turner eröffnet. Die meisten Leihgaben dafür kommen aus London.

Die Ausstellung "Turner, Horror And Delight" startet am 8. November 2019. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Britischen Botschafters. Werden Sie am 8.November eine William Turner Ausstellung eröffnen?

Hermann Arnhold: Auf jeden Fall! Also die Eröffnung selber wird am 7.11. sein, wir freuen uns alle sehr darauf. Wir haben es nicht so gewollt, aber es wird vermutlich die erste Kunstaustellung mit britischen Kooperationspartnern sein, die nach dem Brexit stattfinden wird.

Köhler: Unter der Schirmherrschaft des britischen Botschafters?

Arnhold: Ja, ganz genau.

Bewusstes Bekenntnis der britischen Partner

Köhler: Der kommt?

Arnhold: Der kommt nicht, sondern der Generalkonsul wird kommen, er wird auch während der Eröffnung sprechen und ich werte das einfach auch als bewusstes Bekenntnis unserer britischen Partner, dass es mit der Kultur weiter zusammen geht.

Köhler: 80 Bilder, haben Sie uns im April verraten, sollen aus London kommen, seit 20 Jahren die bedeutendste, wichtigste Ausstellung über Turner in Deutschland. Ein Vertrauensbeweis also nach wie vor?

Arnhold: Ich denke: Ja. Denn seit 2014 ist das jetzt die vierte Ausstellung mit einer englischen Thematik und mit wichtigen britischen Kooperationspartnern. Ich glaube auch, dass es natürlich weiter geht. Und ich habe sogar den Eindruck, dass wir jetzt noch viel bewusster zusammenarbeiten. Dass die Bedingungen und auch die Beziehungen, dass das sehr viel enger geworden ist seitdem.

Portraitaufnahme von Hermann Arnhold, Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte (Caroline Seidel / dpa)Hermann Arnhold, Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte (Caroline Seidel / dpa)

Köhler: Das Unterhaus, Herr Arnhold, verschiebt die Brexit-Abstimmung. Es hat nach sechsstündiger Sondersendung die Entscheidung blockiert, wir haben darüber gehört. Premiere Johnson hat dann in Brüssel umgehend um Fristverlängerung gebeten, was er per Gesetz tun muss. Er will trotzdem alles tun, um die EU am 31. Oktober zu verlassen. Einen Aufschub des Austritts soll es nicht geben, sagt er. Verändert das etwas für Ihre Arbeit und Situation?

Arnhold: Alle Leihgaben werden vor dem 31.10. in Münster sein, dafür haben wir Sorge getragen. Natürlich wird das ein Rückschritt sein für die Zusammenarbeit. Also ganz konkret kann ich Ihnen jetzt schon sagen, dadurch, dass Großbritannien zur Außengrenze der EU wird, werden Kunstwerke und Leihgaben für die Zollabfertigung zu Zollgütern werden. Das heißt, es wird mehr Zeit brauchen. Es wird sehr viel bürokratischer werden. Es werden Zollgebühren entstehen. Und jetzt schon haben einige Leihgeber ihre Leihverträge dahingehend aktualisiert. Und ganz konkret: Einige Kunst-Transportunternehmen haben jetzt schon zusätzliche Plätze auf den Fähren gebucht, in der Voraussicht, dass es zu Staus am Tunnel kommen könnte. Das spricht natürlich erst mal für eine große Verunsicherung, aber es ist natürlich ein Rückschritt zu dem, was wir in der Europäischen Union an Freizügigkeit bisher gewohnt waren. Das zeigt mir natürlich auch, dass die Politiker jahrelang die kulturelle Dimension – das, was Navid Kermani ja auch mit den europäischen kulturellen Werten immer verbunden hat – die Freizügigkeit, die Werte die wir teilen, dass wir das zu lange vernachlässigt haben. Und da, glaube ich, sollen wir Museen gar nicht klagen, da müssen wir eigentlich jetzt auch voran gehen. Und da haben solche Ausstellungskooperationen eigentlich Modellwert. Da müssen wir uns wirklich engagieren dafür, dass den Leuten bewusst wird, mit welchen Werten wir es in Europa zu tun haben und was auf dem Spiel steht.

Nächste Ausstellung mit London schon fest geplant

Köhler: Sie unterhalten seit vielen Jahren enge Kontakte zur britischen Insel im Museumsbereich, die Zusammenarbeit mit der Tate Gallery zeigt das ja. Sie haben uns vor einigen Monaten gesagt, ich schaue bangend, sollte der ungeregelte Brexit kommen. Haben Sie sich inzwischen daran gewöhnt?

Arnhold: Nein. Ich glaube, dafür ist das alles viel zu… Wir wissen ja gar nicht genau, was auf uns zukommt. Das Konkrete habe ich Ihnen gerade geschildert. Aber was es dann im Einzelfall bedeutet… Im Kulturbereich, unsere Kulturpartner der britischen Insel und wir sagen eigentlich, dass wir weiter an Kooperationen arbeiten. Die nächste Ausstellung in drei Jahren in Münster ist schon mit der Tate zusammen in London in der festen Planung. Und im Augenblick fahren wir einerseits auf Nahsicht. Auf der anderen Seite machen wir einfach weiter und versuchen auch einfach, Tatsachen zu schaffen.

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