Mittwoch, 26.09.2018
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteKommentare und Themen der WocheUnd der Sieger ist... das Militär!27.07.2018

Nach der Wahl in PakistanUnd der Sieger ist... das Militär!

Die Erwartungen an Imran Khan sind groß: Wird er der erste Premierminister Pakistans, der das Land ohne die Einmischung der Armee regieren kann? Nein, meint Silke Diettrich. Die demokratischen Wahlen hätten für das Militär nicht besser laufen können.

Von Silke Diettrich

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Pakistanischer Soldat steht auf einer Mauer an der pakistanisch-afghanischen Grenze. Im Hintergrund weht die Pakistanische Flagge (EPA)
Pakistanischer Soldat: Das Militär spielt in Pakistan eine große Rolle. (EPA)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Parlamentswahl in Pakistan Betrugsvorwürfe überschatten Sieg von Imran Khan

Jochen Hippler zu Pakisten Wahlsieger Khan - Säkularer Reformer oder Opportunist?

Das offizielle Wahlergebnis in Pakistan steht nun fest: Die Partei von Imran Khan hat die meisten Stimmen bekommen. Die absolute Mehrheit hat er nicht, er wird eine Koalition eingehen müssen. Erster Treffer für das Militär. Eine wackelige zivile Regierung spielt der Armee in die Hände. Wenn die Politiker damit beschäftigt sind, sich zu streiten, lassen sich leichter im Hintergrund die Strippen ziehen, ohne selbst Verantwortung übernehmen zu müssen.

Keine Kandidatur gegen das Militär

Mit Imran Khan ist nun ein Neuling im Polit-Spiel Pakistans. Und dazu einer, der dem Militär nicht besonders kritisch gegenüber steht. Oft genug hat er in Interviews behauptet, die Armee in Pakistan stehe voll hinter der Demokratie. Mit seinen 60 Jahren ist er außerdem sehr viel religiöser geworden. Statt Koks nun Koran! Auch das passt der Armee, die sich seit der Machtübernahme von General Zia ul-Huq zunehmend islamisiert hat. Also Treffer Nummer zwei für das Militär.

Sieger der Wahl in Pakistan: Der ehemalige Cricket-Star Imran Khan (AFP)Sieger der Wahl in Pakistan: Der ehemalige Cricket-Star Imran Khan (AFP)

Unsichtbarer aber deutlicher Druck durch den Geheimdienst

Der ehemalige Regierungschef, Nawaz Sharif, ist dem Militär zu eigenständig geworden, er hatte es gewagt, sich dem Erzfeind Indien anzunähern. Ein Grund, ihn weghaben zu wollen. Er sitzt nun wegen Korruption im Gefängnis, durch ein ziviles Gericht verurteilt. Aber in der Untersuchungskommission gegen ihn, saßen zwei Männer, die für den Geheimdienst und die Armee arbeiten. Damit Sharifs Partei nicht noch zu viele Stimmen bekommt bei den Wahlen, gab es Druck auf Journalisten, Parlamentarier und einen Richter.

Viele sagen, sie hätten in den Wochen vor den Wahlen Anrufe bekommen oder ihnen wurde ein Besuch abgestattet von Agenten des militärischen Geheimdienstes. Ganz klar wurde den Journalisten nahe gelegt, positiver über die Partei von Imran Khan zu schreiben. Parlamentarier sagen, ihnen wurde mehr als angeraten, aus der Regierungspartei aus zu treten. Ein Richter hat erst diese Woche ausgesagt, ein Anrufer vom Geheimdienst habe ihm gedroht, er solle den ehemaligen Regierungschef Nawaz Sharif nicht vor den Wahlen auf Kaution frei lassen. Treffer Nummer drei: Zivile Institutionen haben deutlich zu spüren bekommen, dass das Militär noch längst nicht die Zügel aus der Hand geben wird.

Starke Präsenz des Militärs am Wahltag

Und ganz offen hat die Armee nun bei den Wahlen agiert: Mehr als 370 Tausend Soldaten waren im Einsatz. Zehn Mal mehr als bei der letzten Wahl. Die Sicherheitskräfte der Armee standen nicht nur vor den Wahlkabinen, sie waren auch drinnen. Nächster Treffer: Die pakistanischen Wähler haben deutlich gesehen, dass die Armee überall präsent ist und die Armee hat gezeigt, ohne uns läuft es nicht.

Es sieht also alles danach aus, als ob auch Imran Khan nicht der erste Premierminister von Pakistan werden könnte, der das Land ohne die Einmischung der Armee regieren kann. Blattschuss! Besser hätten die demokratischen Wahlen in Pakistan für das Militär nicht laufen können.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk