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StartseiteSport AktuellSicherheits-Debatte um Wembley-Stadion14.07.2021

Nach EM-FinaleSicherheits-Debatte um Wembley-Stadion

^Das EM-Finale sorgt auch Tage später noch für Diskussionsstoff. Die britische Zeitung „Times“ berichtet, dass sich sich tausende Fans vor dem Spiel illegal Zugang zum Wembley-Stadion verschafften und ohne Ticket auf die Tribünen gelangten.

Von Thomas Spickhofen

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Englische Fans im Stadion. (Facundo Arrizabalaga/Pool via AP/dpa/picture-alliance)
Beim Finale England-Italien sollen deutlich mehr Fans als beabsichtigt im Stadion gewesen sein. (Facundo Arrizabalaga/Pool via AP/dpa/picture-alliance)
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Es waren wohl doch deutlich mehr sogenannte Fans ohne Ticket im Wembley-Stadion, als zunächst behauptet wurde. Zunächst hatten die Behörden am Sonntagabend erklärt, niemand sei bei dem Sturm auf einzelne Stadioneingänge tatsächlich in die Arena eingedrungen. Am Montag hieß es dann, nur einer kleinen Zahl sei es gelungen, auf diesem Weg ins Stadion zu gelangen. Jetzt, sagt Professor Geoff Pearson von der Universität in Manchester es waren "wahrscheinlich über tausend, vielleicht sogar mehrere tausend."

Geoff Pearson ist Jurist und Experte für die Regulierung von großen Zuschauergruppen. Das, was da am Sonntag in Wembley passierte, sagt Pearson, sei ein beispielloser Vorgang: "Das Problem in Wembley ist, dass es in bestimmten Fankreisen einen Ruf dafür hat, dass man da leicht reinkommt, ohne zu bezahlen."

Medienbericht: bekannte Hooligans unter Eindringlingen

Grund dafür sei zum Beispiel, dass man sehr einfach direkt bis zu den Drehkreuzen am Eingang komme, sagt Pearson. Außerdem gebe es zahlreiche größere Eingänge, die schwerer zu kontrollieren seien. Und immer wieder habe man dichtes Gedränge, bei dem die Ordner den Überblick verlieren.

Einem Zeitungsbericht zufolge sollen unter den Eindringlingen auch bekannte Hooligans gewesen sein. Darüber hinaus hätten Ordner Bestechungsgelder entgegengenommen, heißt es. Augenzeugen berichten, dass sie von ihren bezahlten Plätzen vertrieben worden seien und Teile des Spiels von einem anderen, sicheren Ort aus verfolgt haben.

Stadionverbot für rassistische Beschimpfungen

Der Polizei wird vorgeworfen, das Stadionumfeld nicht genug abgesichert zu haben. Eine Sprecherin der Polizei dagegen sagt, "ohne unser Eingreifen wäre das Geschehen eskaliert und das Finale hätte abgesetzt werden müssen". Die Polizeigewerkschaft erklärt, im Stadion seien von den Veranstaltern private Sicherheitsdienste eingesetzt worden, die der Situation nicht gewachsen gewesen sein.

Unterdessen kündigte der britische Regierungschef Boris Johnson im Unterhaus an, dass es ein Stadionverbot geben soll für jene, die Spieler rassistisch beschimpfen. Nach dem EM-Finale waren die englischen Nationalspieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka, die ihre Elfmeter verschossen hatten, in Online-Netzwerken massiv beschimpft und rassistisch beleidigt worden.

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