Kommentare und Themen der Woche 02.02.2020

Nach erster Synodalversammlung Es geht auch auf AugenhöheVon Klaus Hofmeister

Beitrag hören Im Anschnitt fotografierte Würdenträger der katholischen  Kirche, sie halten ihre Hände gekreuzt und tragen purpurrote Roben und große Kreuzanhänger um den Hals (imago / Karina Hessland)230 Bischöfe, Gläubige und Vertreter verschiedener Berufe in der Kirche sollen einen Reformprozess in der Katholischen Kirche auf den Weg bringen (imago / Karina Hessland)

Die erste Synodalversammlung der Katholischen Kirche habe gezeigt, dass es auch ohne Inszenierung von Macht gehe, meint Klaus Hofmeister. Ob die Kirche aber tatsächlich wieder Anschluss an die Zeit finden kann, hänge nun maßgeblich von den Bischöfen und ihrer Bereitschaft zur Veränderung ab.

Das Experiment ist gelungen, zumindest sein erster Schritt. In Frankfurt hat die Katholische Kirche eine neue Erfahrung des Kircheseins gemacht, hinter die die Bischöfe und alle Beteiligten nicht mehr zurückkönnen.

Noch ist kein einziger Beschuss zur Reform der Kirche gefasst, aber alle Beteiligten haben einen Blick in die Zukunft ihrer Kirche geworfen, wie sie auch sein kann: hierarchiefrei, auf Augenhöhe, ohne die üblichen Inszenierungen von Macht und patriarchaler Arroganz. Schon zum Eröffnungsgottesdienst sind alle 230 Synodenteilnehmer gemeinsam in die Kirche gezogen. Im Sitzungsaal dann fanden sie sich nach alphabetischer Sitzordnung ohne hierarchische Unterscheidungen durchmischt. Macht lebt von Inszenierungen - wer wüsste das besser als die Katholische Kirche. Der "Synodale Weg" hat eine Katholische Kirche auf Augenhöhe inszeniert.

Laien lassen sich das Wort nicht verbieten

Dass das möglich wurde, ist Folge einer Krise, die bis an die Wurzel der Kirche geht: Ohne die Erfahrung des Missbrauchs in den eigenen Reihen, wäre der "Synodale Weg" nicht möglich gewesen. Das Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann, ist mit Händen zu greifen. Die Enttäuschung reicht bis tief in die Kernschichten der aktiven Katholiken: dass Macht so missbraucht werden kann, dass Sexualität so unmenschlich sein kann, wenn sie tabuisiert wird, dass Abspaltungen aller Art Gott gegeben sein sollen, wie der Ausschluss von Frauen aus dem Leitungssystemen der Kirche. Beim ersten Akt des "Synodalen Weges" in Frankfurt zeigte sich: Laien lassen sich das Wort nicht verbieten. Es gibt keine Tabus, nicht als Frauen die Machtfrage stellten, Ordensschwestern über Erfahrungen von Missbrauch Zeugnis gaben, Teilnehmer von frustrierten und alkoholisierten Idealisten im Priesteramt sprachen, die mit ihrer Einsamkeit nicht klar kommen. Der große Freimut der Debatte war beeindruckend: Der große Respekt, die Bereitschaft zuzuhören und neue Wege zu finden. Die Wahrheit macht frei, auch wenn die Wahrheit es ist, eine Kirche in der Krise zu sehen.

Bekommt die Kirche ein weiblicheres Gesicht?

So weit so gut. Allerdings: die Bewährungsprobe des "Synodalen Weges" steht noch aus. Jetzt werden die Synodenforen konkrete Reformvorschläge erarbeiten, die auf den kommenden Vollversammlungen der nächsten zwei Jahre dann entschieden werden müssen. Und dann werden die Flitterwochen des Auftaktwochenendes vorbei sein. Wird eine aus der Zeit gefallene Kirche dann den Anschluss an die Zeit tatsächlich wieder finden? Dann muss sich zeigen, wie weit auch die Bischöfe bereit sind, Konsequenzen zu ziehen, der Kirche ein weiblicheres Gesicht zu geben, Macht zu teilen, mehr Mitwirkung zu ermöglichen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche wird dann zu einer Frage der Glaubwürdigkeit der Bischöfe.

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